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FC Bayern News: Die Herausforderungen für Trainer Julian Nagelsmann

Stars, Sorgenkinder & Taktik: Nagelsmanns Plan bei Bayern

Lucia Wythe

08.07.2021 | 00:00 Uhr

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Julian Nagelsmann spricht über die Herausforderungen, die der aktuelle Bayern-Rumpfkader mit sich bringt (Videolänge: 1:34 Minuten).

Julian Nagelsmann ist angekommen beim FC Bayern. Am Mittwoch wurde der neue Cheftrainer der Münchner auf einer Pressekonferenz in der Allianz Arena offiziell vorgestellt und brachte bei einigen heiß diskutierten Themen ein wenig Licht ins Dunkel.

Er wolle nicht "alles auf den Kopf stellen", sagte Nagelsmann bei seiner Antritts-PK. Dennoch wartet auf den neuen Bayern-Coach die ein oder andere Herausforderung. Sei es die Taktik-Frage oder der Umgang mit Top-Stars: dem jungen Trainer eilte so manche Diskussion nach München voraus.

Trainingsauftakt ohne EM-Fahrer

Seine "größte Herausforderung" für den Start beim FC Bayern definierte Nagelsmann aber selbst. 19 Spieler begrüßte der Übungsleiter zur ersten Einheit an der Säbener Straße, darunter allerdings kaum ein Stammspieler, da sich die meisten noch auf Länderspielreise oder nach dem EM-Aus im Urlaub befinden.

Die ersten Wochen der Vorbereitung sowie die ersten Testspiele muss Nagelsmann nun mit einem Kader bestreiten, "der höchstwahrscheinlich im DFB-Pokal und auch zum Auftakt gegen Gladbach nicht die Startelf darstellt".

Dreier- oder Viererkette?

Das macht es natürlich schwierig, die Mannschaft einzustellen und taktische Feinheiten zu trainieren. Doch gerade das Spielsystem wird unter dem neuen Trainer, der als detailverliebter und experimentierfreudiger Taktikfuchs gilt, mit Spannung erwartet.

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Julian Nagelsmann spricht auf seiner Antritts-PK über seine taktischen Überlegungen beim FC Bayern (Videodauer: 1:53 Minuten)

Nagelsmann nahm allerdings sofort etwas Fahrt aus der Debatte. Er werde nicht, wie zu Beginn seiner Karriere, "sieben Mal im Spiel die Grundordnung wechseln". Es gehe ihm vielmehr um eine "gewisse Flexibilität" und darum, "die Spieler auf ihrer besten Position spielen zu lassen und nicht eine Grundordnung zu finden, die am besten auf den jeweiligen Gegner passt."

Leader-Vakuum in der Abwehr

Das größere Kopfzerbrechen dürfte Nagelsmann aber wohl die Besetzung seiner Abwehr bereiten. Mit Jerome Boateng und David Alaba haben die beiden Säulen in der Defensive den Verein verlassen.

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Mit Niklas Süle, Tanguy Nianzou, Benjamin Pavard, Lucas Hernandez (verletzt) oder Neuzugang Dayot Upamecano habe man zwar "genügend Spieler auf diesen Positionen", so Nagelsmann, darunter allerdings keinen echten Abwehrchef.

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Julian Nagelsmann spricht über die Qualitäten seiner Neuzugänge und geht dabei auch auf die Abgänge beim FC Bayern ein (Videolänge: 1:47 Minuten).

Der Bayern-Coach beschwichtigte jedoch: "Es ist ganz normal, dass erfahrene Spieler den Klub verlassen und junge Spieler in die Bresche springen müssen. Diesen Übergang hast du und der kommt leider selten mit einer langen Vorlaufzeit, weil du sofort liefern musst." Man habe genügend erfahrene Spieler, die die jungen unterstützen. "Daher wird mir nicht angst und bange."

Fehlende Erfahrung mit Top-Stars

Allen voran Kapitän - das soll auch unter Nagelsmann so bleiben - Manuel Neuer ist eine dieser Führungsfiguren. Der amtierender Welttorhüter bringt mit seinen 35 Jahren reichlich Erfahrung auf und neben dem Platz mit - und damit sogar mehr als sein knapp anderthalb Jahre jüngerer Cheftrainer.

Nicht nur was das Alter angeht, sondern vor allem auch in Hinblick auf Titel sind dem 33-Jährigen einige seiner neuen Schützlinge deutlich voraus. Eine Situation, die Nagelsmann von seinen Stationen in Leipzig und Hoffenheim so noch nicht kennt. "Das ist natürlich schon ein Unterschied. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es nicht so ist", gab er zu.

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Bayern Münchens neuer und junger Trainer Julian Nagelsmann sieht in seinem Alter im Umgang mit den Stars kein Problem (Videolänge: 0:55 Minuten)

Dennoch traue er sich die Aufgabe zu. "Ich bin noch jung, aber ich glaube, die Spieler werden merken, dass ich nicht von oben herab oder extrem autoritär auftrete", so Nagelsmann: "Es ist immer eine Frage, wie man mit den Spielern umgeht, wie man mit ihnen spricht, dass man sich um sie kümmert, dass man ihre Wünsche versteht, aber auch, dass man sie entwickelt und zu verbessert."

Sorgenkind Sane

Einer, der genau diese Einfühlungsvermögen braucht, ist Leroy Sane. Der Angreifer konnte in seiner ersten Saison bei den Bayern die Erwartungen nicht vollends erfüllen und stand auch währen der EM stark in der Kritik.

Nagelsmann nimmt den 25-Jährigen in Schutz: "Wir tun alle gut daran, Leroy ein bisschen in Ruhe zu lassen. Er hat herausragende Qualitäten, unfassbaren Speed, ist einer der besten Eins-gegen-eins-Spieler und unglaublich stark im Dribbling. Das werden wir brauchen, weil wir viel gegen tiefstehende Gegner spielen, wo wenig Raum ist."

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Leroy Sane stand zuletzt immer wieder in der Kritik der Fans und der Medien - FCB-Trainer Julian Nagelsmann nimmt seinen neuen Schützling in Schutz und spricht über seine Qualitäten (Videolänge: 1:40 Minuten).

Einen Masterplan, das vorhandene Potential aus Sane herauszukitzeln, habe er aber noch nicht. "Ich bin kein Hexer. Es geht darum, ihm im Training die Räume zu zeigen, wo er sich aufhalten soll, wo er seine Qualitäten auf den Platz bringt, und seine Quote nach oben zu schrauben, was Tore und Assists angeht." Letztlich komme es aber auch auf den "inneren Antrieb" des Spielers an.

Druck für Nagelsmann ist groß

Es gibt also einiges zu tun für Nagelsmann - und viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. Er sei sich bewusst, "dass man hier Titel gewinnen muss". Und nicht nur das, wenn es nach den Bossen geht.

Mit dem Fünfjahresvertrag habe man "ein Statement" gesetzt, erklärte Hasan Salihamidzic im Rahmen der PK. Der Sportvorstand und der frisch gebackene Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn wurden nicht müde, zu betonen, dass man eine "neue Ära" prägen wolle.

Wie erfolgreich diese Mission mit dem "1a-Wunschtrainer" laufen wird, hängt mit Sicherheit auch davon ab, wie Nagelsmann seine Start-Herausforderungen meistert.

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