FC Bayern News: Welcher Spieler kompensiert den Goretzka-Ausfall?
Wer passt am besten zu Kimmich? Die vier Goretzka-Alternativen
12.01.2022 | 18:41 Uhr
Mit dem Ausfall von Leon Goretzka ist beim FC Bayern München eine Position im zentralen Mittelfeld vakant. Für den Platz neben Joshua Kimmich kommen in den kommenden Wochen vier Kandidaten infrage. Sky Sport wirft einen Blick auf die Optionen, die Trainer Julian Nagelsmann besitzt.
Seitdem Bundesliga-Gipfel bei Borussia Dortmund (3:2) Anfang Dezember hat Goretzka keine Minute mehr auf dem Platz gestanden. Den 26-Jährigen plagen Patellasehnenprobleme. Bereits in Dortmund spielte Goretzka unter Schmerzen, biss aber für den deutschen Klassiker auf die Zähne.
Die Folge: Die Schmerzen wurden anschließend schlimmer, Nagelsmann bezeichnete die Situation als "untragbar". Goretzka absolvierte im neuen Jahr bislang nur Einzeltraining, eine Rückkehr am Samstag (ab 15:30 live auf exklusiv auf Sky Sport Bundesliga 2 und mit Sky Ticket im Stream) beim 1. FC Köln ist ausgeschlossen.
Goretzka entgeht Knie-Operation
Einer zwischenzeitlich befürchteten Operation muss sich der Leistungsträger nach Sky Informationen wenigstens nicht unterziehen. Das ergab eine Untersuchung durch Knie-Spezialist Prof. Dr. Christian Falk in Innsbruck. Ausfallen wird Goretzka dennoch eine Weile.
Damit wird das kongeniale Bayern-Duo Kimmich/Goretzka vorerst gesprengt. FCB-Trainer Nagelsmann muss eine Alternative neben Kimmich in der Zentrale finden. Mit Corentin Tolisso, Marc Roca, Jamal Musiala und Marcel Sabitzer stehen vier Akteure im Kader, die die Goretzka-Rolle in den kommenden Partien einnehmen können.
Corentin Tolisso
Der Franzose sprang bereits für Kimmich in die Bresche, als dieser nach einer Corona-Infektion ausfiel. Tolisso überzeugte mit guten Leistungen und bekam viel Lob von Coach Nagelsmann. Mit Tolisso in der Startelf hat der FCB in dieser Saison alle seine Spiele gewonnen. Der 27-Jährige zeigte dabei, dass er mehr als nur ein solider Back-Up-Spieler ist.
Doch wie so häufig in seiner Bayern-Zeit wurde Tolisso Ende des Jahres von einer Verletzung zurückgeworfen. Mit muskulären Problemen verpasste er vor Weihnachten die beiden Partien beim VfB Stuttgart (5:0) und gegen den VfL Wolfsburg (4:0). Anschließend infizierte sich Tolisso mit dem Coronavirus und verpasste den Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach (1:2).
Zuletzt kehrte der Weltmeister von 2018 allerdings nach einem negativen Testergebnis ins Mannschaftstraining zurück. Aufgrund der Personalnot der Münchner wird Tolisso mit großer Wahrscheinlichkeit gegen Köln in den Kader zurückkehren. Allerdings schränkte Nagelsmann mit Blick auf den kommenden Spieltag ein, dass er "jetzt nicht mit extrem vielen Rückkehrern, die für die erste Elf infrage kommen" rechnet.
Dennoch ist Tolisso zumindest nach dem Köln-Spiel kurzfristig gesehen die erste Alternative neben Kimmich. Neben seinen guten Auftritten in der Hinrunde sprechen für den Franzosen auch seine Erfahrung sowie eine starke Passquote von 90 Prozent. Tolisso verkörpert einen Box-to-Box-Spieler und würde daher zumindest auf dem Papier Goretzka eins zu eins ersetzen können.
Zu einem Winterwechsel des Franzosen aufgrund seines auslaufenden Vertrags im Sommer wird es nach dem Goretzka-Ausfall wohl nicht kommen. In guter körperlicher Verfassung ist Tolisso für die Rückrunde eine echte Bereicherung für den deutschen Rekordmeister.
Marc Roca
Zu Saisonbeginn war der Spanier noch verletzt (Außenbandriss im Sprunggelenk), danach kam er nicht an der starken Konkurrenz auf seiner Position vorbei. Roca pendelte unter Nagelsmann stets zwischen einem Platz auf der Ersatzbank und einem auf der Tribüne. Bis Mitte November hatte der U21-Europameister von 2019 keine einzige Spielminute vorzuweisen.
Dennoch zeigte sich Roca mit Blick auf seine sportliche Situation optimistisch. Gegenüber spanischen Medien erklärte er, dass er sich durch das Training beim FC Bayern enorm verbessert habe und er akzeptiere, dass er mit Kimmich und Goretzka zwei der weltbesten Sechser vor der Nase habe.
Aufgrund der Corona- und Verletztensituation bei den Münchnern kam Roca dann in der Champions League und Bundesliga zu drei Kurzeinsätzen. Der Spanier machte seine Sache ordentlich. Gegen Stuttgart beorderte Nagelsmann den 25-Jährigen dann erstmals in die Startelf und bereute seine Entscheidung nicht.
Roca habe "gezeigt, dass es ein Fehler war, ihn so selten zu bringen", meinte Nagelsmann nach der Partie. Auch gegen Wolfsburg und Gladbach stand der Spanier von Beginn an auf dem Rasen, brachte bei seinen Einsätzen 89 Prozent seiner Zuspiele an den Mann und spulte durchschnittlich knapp 12,5 Kilometer ab. Für die kommenden Aufgaben könnte Roca somit natürlich eine Alternative darstellen. Allerdings ist der Spanier eher der Spielertyp Passmaschine und ähnelt daher mehr Kimmich als Goretzka. Zudem weist er physisch - bei einer Zweikampfquote von nur 35 Prozent - noch erkennbare Defizite auf.
Jamal Musiala
Beim bedeutungslosen letzten Gruppenspieltag in der Champions League gegen den FC Barcelona Anfang Dezember lief der Youngster unter Nagelsmann erstmals im Mittelfeldzentrum auf. Mit seiner Ballsicherheit, cleveren Pässen sowie seinem Offensivdrang mit seinen schnellen Tempodribblings wusste Musiala auf ungewohnter Position zu überzeugen. Als Krönung erzielte er den Treffer zum 3:0-Endstand.
Sky Experte Didi Hamann schwärmte nach dem Auftritt vom 18-Jährigen und bezeichnete ihn als "herausragenden Spieler". Auch bei FCB-Trainer Nagelsmann schien die Leistung des gelernten Flügelspielers nachhaltig Eindruck erweckt zu haben, dann Musiala agiert seither ausschließlich auf der Position in der Zentrale.
Besonders auffällig: Neben einer soliden Passquote von 85 Prozent gewinnt Musiala in zentraler Position 45 Prozent seiner Zweikämpfe. Mit großem Abstand der Bestwert unter den vier Kandidaten für den Platz neben Kimmich. Da Kimmich, der nach seinem Comeback gegen Gladbach als Rechtsverteidiger aushelfen musste, allerdings bald wieder ins Mittelfeld zurückkehren wird, muss Musiala seinen Platz dort wohl räumen.
Dem Supertalent fehlt naturgemäß noch die Robustheit, die Goretzka auszeichnet. Zudem wird er auch weiter vorne über kurz oder lang wieder gebraucht werden und zum Einsatz kommen. Dennoch: Auf Musiala ist immer Verlass, auch in der Zentrale wäre der 18-Jährige ein würdiger Goretzka-Vertreter, auch wenn er die Rolle etwas anders interpretiert. Nagelsmann kann Musiala jederzeit bedenkenlos auf der Sechs auflaufen lassen.
Marcel Sabitzer
Der Österreicher ist weiterhin das Sorgenkind im Kader. Nach seinem Wechsel im Sommer von RB Leipzig nach München hat Sabitzer noch nicht zu seiner Form gefunden und findet sich fast ausschließlich in einer Joker-Rolle wieder. Eine ungewohnte und schwierige Situation für ihn, zumal er dies nicht gewohnt ist. In Leipzig war Sabitzer Kapitän und Leistungsträger.
Sky Experte Didi Hamann kritisierte Sabitzer bereits vor einigen Monaten als "undiszipliniert" und bezeichnete ihn als "Hitzkopf". Auch im Saisonverlauf verbesserte sich die Situation des österreichischen Nationalspielers nicht. Nur dreimal stand er wettbewerbsübergreifend bis Weihnachten auf seiner Lieblingsposition in der Mittelfeldzentrale in der Startelf, überzeugen konnte er dabei nicht.
Immer wieder fiel Sabitzer mit einfachen Ballverlusten auf, die zum Teil auch zu Gegentoren führten. Mit dem Österreicher auf dem Feld gewinnt der FCB nur 67 Prozent seiner Partien. Sabitzers Zweikampfquote im Bayern-Trikot liegt bei 38 Prozent, auf der Sechs allerdings nur bei mageren 29. Auch die Passquote von 83 Prozent gehört zu den schwächeren beim deutschen Rekordmeister.
Während zuletzt Musiala und Roca in der Mittelfeldzentrale aufliefen, musste Sabitzer auf der ungewohnten Linksverteidigerposition aushelfen. Laut Hamann konnte der 27-Jährige dort abermals "keine Akzente setzen. Wenn alle Spieler fit sind, wäre Sabitzer im zentralen Mittelfeld nicht die Drei, für die er geholt wurde, sondern die Fünf".
Seine Einsatzbereitschaft kann Sabitzer keiner absprechen. Mit durchschnittlich 12,58 Kilometer ist die Laufleistung des ehemaligen Leipzigers die beste der vier Goretzka-Alternativen. Auch als Spielertyp kommt er dem Ex-Schalker recht nahe, zumal Nagelsmann die Qualitäten des Österreichers - aus gemeinsamen Zeiten in Leipzig - kennt. Dennoch ist der Sommer-Neuzugang derzeit hinten dran und muss sich im Training für weitere Einsätze erst einmal in Position bringen.
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