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FC Chelsea: Lampard nicht mehr Trainer - trotz Investitionen von 250 Millionen Euro

Lampard-Aus: Wenn 250 Millionen Euro zum Bumerang werden

Robin Schmidt

27.01.2021 | 11:52 Uhr

Trotz oder gerade wegen Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro nicht mehr Trainer beim FC Chelsea: Frank Lampard
Image: Trotz oder gerade wegen Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro nicht mehr Trainer beim FC Chelsea: Frank Lampard © Imago

Frank Lampard ist nicht mehr Trainer des FC Chelsea. Die horrenden Transferausgaben werden ihm zum Verhängnis.

Im Sommer 2019 war es noch außergewöhnlich romantisch an der Stamford Bridge: Der FC Chelsea gab die Rückkehr einer Klub-Ikone bekannt und installierte Frank Lampard als neuen Trainer. Eine Entscheidung mit Risiko.

Der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler erlangte zwischen 2001 und 2014 Heldenstatus, bestritt insgesamt 648 Pflichtspiele und führte die Blues 2012 zum Triumph in der Champions League. Doch neben der Freude über die Rückkehr streuten sich auch früh Zweifel ein.

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Thomas Tuchel wird Nachfolger von Frank Lampard beim FC Chelsea (Videolänge: 2:15 Min.).

Lampard-Start mit Hindernissen

Schließlich war Lampard - anders als Thomas Tuchel, der nach Sky Informationen bei den Blues übernehmen wird - im Trainer-Business noch ein Novize. Nach nur einem Jahr beim Zweitligisten Derby County und dem knapp verpassten Aufstieg in die Premier League, folgte bereits der Sprung zu einem europäischen Top-Klub. Zurück zu "seinem" Verein. Duelle gegen Liverpool und Manchester City statt gegen Luton Town und Bristol City. Champions League statt Championship. Die Lernzeit als Trainer war abrupt beendet.

Als ob die Aufgabe nicht schon herausfordernd genug war, startete der 42-Jährige unter denkbar schwierigen Voraussetzungen. Gleich zu Beginn musste er mit großen Hindernissen arbeiten. Neben dem Abgang von Superstar Eden Hazard wurde dem FC Chelsea eine Transfersperre auferlegt. Auf den ersten Blick ein deutlicher Nachteil, doch damit einhergehend waren die Erwartungen nicht ganz so groß wie üblich. Vorteil Lampard.

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Lampard entwickelt Talente und darf dann shoppen

Diesen nutzte er, um aus der Not eine Tugend zu machen. Er revolutionierte den Verein und setzte auf die eigenen jungen Talenten. Unter ihm entwickelten sich Akteure wie Reece James, Mason Mount oder Tammy Abraham zu Nationalspielern. Chelseas junge Wilde spielten teilweise begeisternden Offensiv-Fußball, Rückschläge wurden verziehen. Das Risiko schien sich für beide Seiten auszuzahlen.

Am Ende stand Platz vier und die Qualifikation für die Champions League zu Buche. Saisonziel erreicht, auf zum nächsten Schritt. Ein Klub wie der FC Chelsea strebt nach Größerem. Für die Vereinsführung um Investor Roman Abramowitsch zählt nur Silberware. Um diesem Anspruchsdenken wieder gerecht zu werden, vollzogen die Blues einen beispiellosen Angriff auf dem Transfermarkt und avancierten inmitten der Corona-Krise zum großen Gewinner.

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Während sich andere Teams aus wirtschaftlichen Gründen zurückhielten, nutzten die Londoner die Gunst der Stunde und sicherten sich die Dienste von Timo Werner und Kai Havertz. Dazu kamen auch noch Ben Chilwell, Hakim Ziyech, Edouard Mendy und Thiago Silva. Ein Gesamtpaket von fast 250 Millionen Euro, das Euphorie auslöste, für Lampard aber zum Bumerang wurde.

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Fehlende Zeit und Geduld kosten Lampard den Job

Platz neun nach 19 Spieltagen und bereits elf Punkte Rückstand auf die Spitze sind viel zu wenig für die im Sommer getätigten Investitionen, zumal die Neuzugänge - allen voran Werner, Havertz und Ziyech - noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen haben. Lampards Problem: Zeit und Geduld waren in den 250 Millionen Euro nicht impliziert. Genau darin liegt die Krux.

Um eine Spielphilosophie zu entwickeln, benötigt ein Trainer - vor allem, wenn fast die gesamte Vorbereitung aufgrund des engen Terminkalenders wegfällt - Zeit. Um sich an den Stil der Premier League zu gewöhnen, benötigen Neuzugänge wie Werner und Havertz Zeit, auch wenn sie viel Geld gekostet haben.

Und jungen Trainern wie Frank Lampard muss es gestattet sein, Fehler zu begehen und daraus zu lernen. Klubs wie der FC Chelsea sind dafür allerdings die falsche Anlaufstelle. Daran ändert auch eine anfängliche Romantik nichts.

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