FC Schalke: Die Baustellen der Knappen im Trainingslager in Mittersill
S04-Baustellen in Mittersill: Wie schließt Reis die Bülter-Lücke?
08.07.2023 | 19:57 Uhr
Sommer, Sonne, Schalke-Vorbereitung: Während Sportdirektor Andre Hechelmann bereits fleißig am Kader für die kommende Saison arbeitet, gilt es für Trainer Thomas Reis im Trainingslager in Mittersill, die restlichen "Stolpersteine" zu beseitigen. Sky über den Stand bei S04.
"Elf Minuten Spektakel, danach war wenig zu sehen", fasste Schalke-Trainer Reis das Testspiel beim 1. FC Bocholt zusammen und haderte: "Der Gegner wollte gewisse Zweikämpfe mehr. Wir haben uns da ein bisschen zu brav angestellt." In der Folge kamen die Knappen auch nicht über ein 2:2 hinaus. "Wir können das besser. Wenn du nach sechs oder acht Sekunden durch eine individuelle Geschichte in Rückstand gerätst, dann nimmt ein Spiel halt einen solchen Verlauf", fügte Reis hinzu.
Dennoch verwies der Trainer auf die noch frühe Phase der Saisonvorbereitung. Im Trainingslager im österreichischen Mittersill (8. Juli bis 16. Juli) gilt es nun darum, an den offensichtlichen Baustellen zu arbeiten, um zum Auftakt beim Hamburger SV (am 28. Juli, um 20.30 Uhr live bei Sky Sport) den Grundstein für eine erfolgreiche Saison zu legen.
Sky Sport fasst die (möglichen) Stolpersteine in der Vorbereitung zusammen.
1. Abgänge: Hängepartie um Zalazar droht
Gut, dass mit dem Abgang von Marius Bülter zur TSG Hoffenheim eine mögliche Hängepartie vor Start des Trainingslagers gelöst wurde. Jedoch droht nun bei Rodrigo Zalazar ein Kaugummi-Wettbieten. Das können die Knappen natürlich überhaupt nicht gebrauchen. Reis ist daran interessiert, seinen Kader möglichst schnell beisammen zu haben. Hinzu kommt: Bei einem potenziellen Abgang des Spielmacher will Schalke möglicherweise auch noch einmal reagieren.
Klar ist: Mehrere Vereine wollen den uruguayischen Nationalspieler, laut portugiesischen Medien gibt es auch eine Einigung zwischen Braga und dem offensiven Mittelfeldspieler. Nach Sky Informationen liegen aber alle Angebote noch weit von den fünf Millionen Euro, die Schalke fordert.
Alles zum Transfermarkt auf skysport.de:
Transfer Update - aktuelle Gerüchte im Live-Blog
Fixe Transfers: Übersicht mit allen Zu- & Abgängen
Alle Transfer News im Überblick
Auf der Zehn könnte Routinier Dominick Drexler die Zalazar-Lücke schließen. Der 33-Jährige ist allerdings verletzungsanfällig. Fraglich, wie viele Partien er am Ende wirklich von Beginn an oder gar über die volle Distanz bestreiten kann.
Immerhin: Dahinter befindet sich bereits das nächste Juwel aus der Knappenschmiede in Lauerstellung: Assan Ouedraogo wird von vielen Schalke-Fans als neuer Hoffnungsträger gesehen und hat auch schon in der Vorbereitung sein Können unter Beweis gestellt (Tor, Vorlage und gute Leistung gegen Bocholt). Folgerichtig ist der 17-Jährige Kreativspieler auch im 28-Mann-Kader des Trainingslagers dabei - im Gegensatz zu Zalazar (fiebriger Infekt).
Ouedraogo soll den nächsten Schritt machen, aber vor allem Norbert Elgert will verhindern, dass der Youngster verheizt wird. Stattdessen soll Ouedraogo behutsam ans Profiteam herangeführt werden. Dies könnte allerdings schwer umzusetzen sein, wenn der Youngster an seine Leistungen aus den ersten Vorbereitungsspielen anknüpft. Bereits in der Jugend war das Toptalent auch als jüngerer Jahrgang immer sofort gesetzt.
Im vergangenen November hat Ouedraogo daher auf Schalke auch schon einen langfristigen Fördervertrag unterschrieben, darüber hinaus hat der Verein die Option, den Kontrakt in einen Lizenzspielervertrag mit einer Gültigkeit bis 2027 umzuwandeln.
2. Zugänge: Bülter-Lücke & Vakanzen in der Defensive
Keine Hängepartie, aber dennoch ein großes Problem: Mit dem Abgang von Bülter ist der Top-Scorer der Schalker weggebrochen. Der 30-Jährige erzielte in der Abstiegssaison knapp ein Drittel aller Tore (elf von 35). Diese "Last" muss nun auf andere Schultern verteilt werden, dazu soll ein Ersatz verpflichtet werden. Bochums Gerrit Holtmann ist nach Sky Informationen zwar ein Kandidat, wäre aber mit rund zwei Millionen Euro Ablöse für den klammen Schalker Geldbeutel möglicherweise zu teuer. Zudem ist sich der 28-Jährige unsicher, ob er überhaupt zum Ruhrpott-Rivalen wechseln möchte. Sein eigentliches Ziel ist die MLS.
Auch bei Tim Skarke herrscht weiter Unklarheit. Der 26-Jährige möchte zwar fest zu S04 wechseln, jedoch bewegt sich sein Verein Union Berlin in den Verhandlungen kaum. Die Schalker suchen in der Folge parallel nach Alternativen, um nicht wieder lange warten zu müssen.
Neben dem Bülter-Ersatz und der unklaren Lage bei Skarke fehlen zudem weiter ein Innenverteidiger sowie ein Linksverteidiger, zudem verweilt Ibrahima Cisse aktuell mit der U23 beim Afrika-Cup und konnte sich nicht präsentieren. Die Defensive, die bei den Testspielen noch große Lücken aufwies, wird Reis zunächst also kaum richtig trainieren können.
Linkverteidiger Michal Karbownik (zuletzt von Brighton an Fortuna Düsseldorf verliehen) und Maxim Leitsch (Mainz 05) sollen die Lücken in der Abwehr schließen. Beide zusammen werden aber kaum fest verpflichtet werden können. Für die Defensivspezialisten müssten die Schalker wohl jeweils drei Millionen Euro in die Hand nehmen.
Ein weiterer Kandidat ist auch weiterhin Sepp van den Berg vom FC Liverpool, der bereits vergangene Saison auf Schalke spielte und nach seiner schweren Verletzung im Saisonendspurt überzeugen konnte. Der Niederländer würde aber lieber erstklassig spielen und ist aktuell zudem noch verletzt. Abgeschrieben haben ihn die Verantwortlichen aber noch nicht und hoffen auf eine weitere Leihe.
3. Kapitänsfrage: Was wird aus Latza?
Auch die Kapitänsfrage muss in der Vorbereitung geklärt werden. Danny Latza ist als Reservist wohl eher raus. Simon Terodde und Ralf Fährmann kämen als potenzielle Nachfolger in Frage. Sie sind die Gesichter auf Schalke. Neuzugang Ron Schallenberg war es in Paderborn. Bei den Schalkern kommt dieses Amt aber möglicherweise zu früh.
4. Spielweise: Vom Jäger zum Gejagten
Natürlich muss die Reis-Elf auch den Spielstil umstellen. Die Schalker sind nicht mehr Jäger, sondern werden als Top-Aufstiegskandidat von Hertha BSC, HSV und Co. gejagt. Ob sie den erforderlichen "Powerfußball" kontant über die Saison präsentieren und Tore satt garantieren können, wird sich zeigen.
Im Trainingslager muss Reis nun aber auf jeden Fall die nötige Basis legen und für das entsprechende Selbstverständnis im Spiel des Absteigers sorgen.
Klar ist: Um das Saisonziel - den sofortigen Wiederaufstieg - zu erreichen, müssen diese Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden. Am besten bis zum 28. Juli, wenn der HSV die Königsblauen zum ersten Tanz bittet. Spätestens dann wird sich zeigen, wie sehr sich die Knappen wirklich von dem Abstieg in die 2. Bundesliga erholt haben.
Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de
Alles zum Transfermarkt auf skysport.de:
Transfer Update - aktuelle Gerüchte im Live-Blog
Fixe Transfers: Übersicht mit allen Zu- & Abgängen
Alle Transfer News im Überblick
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.