FIFA Frauen WM: Marina Hegering im Sky Interview über Fitness und Südkorea
Abwehrchefin Hegering exklusiv || "Wir haben viel in eigener Hand"
01.08.2023 | 15:37 Uhr
Mit einem Sieg gegen Südkorea am Donnerstag (12.00 Uhr MESZ) würde Deutschland aus eigener Kraft das Achtelfinale bei der FIFA Frauen-WM erreichen. Abwehrchefin Marina Hegering spricht Sky Interview über ihr Comeback, ihre Zukunftsplanung und die Unterstützung aus der Heimat.
Die Verletzung ereilte Marina Hegering zu einem denkbar ungünstigen Moment. Im letzten Testspiel vor der WM bekam die Abwehrspielerin einen Stollen auf die Ferse.
Die 33-Jährige konnte zwar, anders als ihre Teamkollegin Carolin Simon, die einen Kreuzbandriss erlitt, mit nach Australien fliegen, aber sie verpasste die das deutsche Auftaktspiel gegen Marokko (6:0). Auch die Partie gegen Kolumbien (1:2) kam für die Innenverteidigerin vom VfL Wolfsburg noch zu früh.
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Parallelen zur EM in England
"Mein erstes komplettes Training war das Abschlusstraining vor dem Kolumbien-Spiel", sagt Hegering im exklusiven Sky Interview und blickt zuversichtlich auf den Donnerstag: "Ich bin ganz guter Dinge für Südkorea."
Ihre Verletzung gegen Sambia sei eine "eine unglückliche Geschichte" gewesen, erklärt Hegering. "Es gab Momente, da hätte ich alles kurz und klein schlagen können, aber so etwas gehört auch dazu und man muss es akzeptieren." Sie sei "sehr dankbar, dass alle geholfen und die Geduld aufgebracht haben."
Für Hegering war die missliche Situation keine neue Erfahrung. Auch vor der Europameisterschaft im vergangenen Jahr war die Bocholterin angeschlagen, doch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg schenkte ihr das Vertrauen. Und Hegering zahlte es zurück: Als Abwehrchefin hatte sie großen Anteil am Einzug ins Finale, das die deutsche Mannschaft unglücklich gegen England verlor. Hegering gehörte zur All-Star-Elf der EM.
Optimismus vor dem entscheidenden Spiel
Am Donnerstag soll gegen Südkorea der Einzug ins WM-Achtelfinale gelingen. Ein Unentschieden könnte reichen, mit einem Sieg wäre das DFB-Team sicher weiter.
"Wir haben viel in eigener Hand und müssen nicht mit einem bestimmten Ergebnis gewinnen", erklärt Hegering und spricht von einem "gesunden Druck" für das deutsche Team.
Südkoreas Trainer ist ein alter Bekannter
Die Südkoreanerinnen erwartet sie wie die meisten asiatischen Teams "technisch sehr versiert und taktisch von ihrem Trainer Colin Bell "sicherlich auch sehr gut eingestellt." Der Engländer Bell ist ein alter Bekannter. Als Spieler war er u.a. bei Mainz 05 aktiv, als Trainer führte er die Frauen des 1. FFC Frankfurt 2014 zum DFB-Pokalsieg und 2015 zum Triumph in der Champions League.
"Wir haben aber sicherlich körperliche Vorteile und müssen offensiv unser Spiel durchziehen", gibt sich Hegering selbstbewusst.
Deutsche Mannschaft vom Verletzungspech verfolgt
Hegering soll, so sie denn von Beginn an zum Einsatz kommt, Sara Doorsoun ersetzen, die sich gegen Kolumbien eine "muskuläre Läsion im linken Oberschenkel", so die Diagnose vom Dienstag, zuzog.
Die deutsche Mannschaft ist bei dieser WM nicht gerade vom Glück verfolgt. Vor Doorsoun hatte sich schon Linksverteidigerin Felicitas Rauch verletzt, die wie Hegering bei der EM im vergangenen Jahr zu den Stammkräften gehörte.
Zusammenhalt als größte Stärke
Doch Hegering vertraut auf die größten Stärken der deutschen Mannschaft: "Unser Miteinander und Zusammenhalt als Team. Und unsere Defensiv-Lust."
Und wo sieht sie Steigerungspotenzial? "Dass wir uns noch mehr Chancen herausspielen und verwerten. Das haben wir gegen Marokko sehr gut gemacht, aber gegen Kolumbien hatten wir viel Potenzial nach oben", gibt Hegering zu.
Wen die deutschen Auswahl das Achtelfinale erreicht, wird sie dort höchstwahrscheinlich auf Frankreich oder Brasilien treffen. Gegen Frankreich gewann das DFB-Team bei der EM 2022 im Halbfinale. Damals verletzte sich Hegering kurz vor Schluss, spielte aber im Finale. Gegen Brasilien gab es in diesem Jahr eine 0:2-Niederlage. "Das sind zwei absolute Topteams", weiß Hegering, "aber wir müssen eh alle schlagen, um weit zu kommen."
Hegering lässt ihre Zukunft im Nationalteam offen
Ob sie nach der WM ihre Nationalmannschaftskarriere beenden wird, weiß die 32-Jährige noch nicht.
"Was nach diesem Turnier kommt, schauen wir mal. Es geht in alle Richtungen", lässt Hegering ihre Zukunftspläne offen. "Mein Vertrag in Wolfsburg läuft aus, und dass der VfL und ich eine Anschlussvereinbarung getroffen haben, ist auch klar", sagt sie.
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Erfolgreiche Zeit zusammen mit der Bundestrainerin
Gut möglich, dass die Abwehrspielerin bald ihre Trainerlaufbahn starten wird. "Das ist eine Tätigkeit, die ich mir sehr gut vorstellen kann und die ich in Angriff nehmen will", meint Hegering, die auf dem Platz der verlängerte Arm von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist und unter der sie in ihrer Duisburger Zeit als ganz junge Spielerin zweimal den DFB-Pokal und 2009 den UEFA Women's Cup (die heutige Champions League) gewann.
Am Donnerstag will sie mit der deutschen Mannschaft in die K.o.-Runde einziehen und die Fans und Freunde zuhause glücklich machen. In ihrer Heimatstadt Bocholt wurde eine Straße mit Deutschland-Flaggen geschmückt, wie schon anlässlich der EM 2022.
"Ich finde es so cool, dass jemand das für unsere Mannschaft gemacht hat", zeigt sich Hegering emotional. "Bei der WM 2006 haben die Leute zum ersten Mal wieder die Deutschland-Fahnen rausgeholt. Damals hat die Mannschaft Deutschland so begeistert, und im vergangenen Sommer haben wir gesehen, dass auch wir so etwas auch schaffen können."
Das Interview mit Marina Hegering führte Lisa de Ruiter
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