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Friedhelm Funkel im Interview zum DFB-Team, Bayern, BVB und Köln

Funkel: "Werde irgendwann noch mit Baumgart ein Kölsch trinken"

Sky Sport

13.10.2021 | 20:23 Uhr

Friedhelm Funkel lässt Köln vom Klassenerhalt träumen.
Image: Friedhelm Funkel im exklusiven Interview mit skysport.de.  © Imago

Im exklusiven Interview mit skysport.de spricht Bundesliga-Urgestein Friedhelm Funkel unter anderem über die bisherige Arbeit von Bundestrainer Hansi Flick, Probleme beim BVB, den jüngsten Rückschlag der Bayern und den Sensationsstart von seinem Ex-Klub Köln mit Steffen Baumgart.

Skysport.de: Herr Funkel, die deutsche Nationalmannschaft hat sich am Montag bereits für die WM 2022 in Katar qualifiziert. Trotz zwischenzeitlicher Schwierigkeiten war es am Ende doch souverän. Wie schätzen Sie die bisherige Arbeit von Hansi Flick als Bundestrainer ein?

Friedhelm Funkel: Ich glaube daran gibt es bisher nichts zu mäkeln. Hansi hat fünf Spiele gehabt und alle fünf gewonnen. Das ist ihm letztlich sehr souverän gelungen. Man merkt, dass Hansi ein anderes Klima geschaffen hat, als das, was in den vergangenen zwei, drei Jahren vorherrschte. Es ist eine Aufbruchsstimmung zu erkennen. Es ist wieder eine gewisse Mentalität zu spüren. Qualität hat die Mannschaft sowieso. Wenn nun die Stabilität folgt, wovon ich ausgehe, werden wir alle wieder richtig viel Spaß an der Nationalmannschaft haben.

Er hat noch 14 Monate, die Mannschaft auf die WM vorzubereiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir bis dahin wieder absolut konkurrenzfähig sind.
Funkel über Flicks Fortschritte mit dem DFB-Team

Skysport.de: Ist die Stimmung von der Sie sprechen einer der Gründe, warum in Kritik geratene Spieler wie Leroy Sane vor einigen Wochen oder jüngst Timo Werner wieder aufblühen?

Funkel: Das hat man schon gemerkt, als Hansi damals die Bayern übernommen hat. Er ist in der Lage, Spieler dazu zu bringen, wieder ihre beste Qualität auf den Platz zu bringen. Das beste Beispiel dafür ist Thomas Müller. Unter Niko Kovac hat er keine Rolle gespielt und ist dann plötzlich wieder voll aufgeblüht. Und jetzt sieht man genau das auch bei Sane und Werner. Auch bei Niklas Süle, der vor allem in der Nationalmannschaft wieder in die richtige Form gebracht worden ist. Hansi kann ein Team mit viel Empathie führen. Er hat noch 14 Monate, die Mannschaft auf die WM vorzubereiten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir bis dahin wieder absolut konkurrenzfähig sind.

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Bundestrainer Hansi Flick sieht nach den zwei Siegen gegen Rumänien und Nordmazedonien langsam erste Fortschritte bei seiner Mannschaft. (Video: 00:51 Sekunden)

Skysport.de: Die Defensive wird derzeit immer besser. Ob mit dem angesprochenen Süle, Matthias Ginter oder Antonio Rüdiger. Ist da in 14 Monaten noch Platz für einen alten Hasen wie Mats Hummels oder ist übernimmt die nächste Generation komplett?

Funkel: Mats hat die letzten Länderspiele in klarer Absprache mit Hansi abgesagt. Ich denke, das war aufgrund seiner Verletzung auch eine vernünftige Entscheidung. Ich glaube, dass Mats Hummels bei der nächsten WM dabei sein wird - wenn er gesund ist. Er ist mit seiner Ruhe und Erfahrung immer noch ein Spieler, der dem DFB-Team sehr helfen kann.

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Skysport.de: Ruhe und Erfahrung, die auch der BVB in der Abwehr wieder dringend nötig hat. 13 Gegentore in sieben Bundesliga-Spielen, warum kriegt Marco Rose die Defensive noch nicht in den Griff?

Funkel: Marco Rose ist ein Trainer, der sehr mutig und offensiv nach vorne spielen lässt. Die Dortmunder haben die drittmeisten Tore in der Liga geschossen. Aber: Da stimmt das Gleichgewicht, die Balance in diesem Jahr einfach noch nicht. Das Defensivverhalten muss man langsam in den Griff kriegen, sonst wird es nichts, mit dem Angriff auf den Meistertitel. Ich glaube aber, dass er das hinbekommen wird. Über die Qualität der Mannschaft brauchen wir nicht sprechen. Man muss Offensive und Defensive nur in einen Gleichklang kriegen.

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Skysport.de: Die Offensive lebt dabei sehr von Erling Haaland. Die Kritik der Abhängigkeit besteht schon länger. Wie kann sich der BVB da unabhängiger machen?

Funkel: Die Abhängigkeit würde ich gar nicht anprangern. Gleiches gilt ja auch für einen Robert Lewandowski. Wenn ein Spieler 41 Tore macht ist natürlich eine Abhängigkeit da. So ist das, mit solchen Torjägern. Auch beim BVB treffen andere Spieler. Auch Marco Reus trifft, wenn er fit ist und ist wieder ein ganz wichtiger Faktor für diese Mannschaft. Es ist einfach überragend, solche Stürmer in der Mannschaft zu haben. Aber abhängig würde ich nicht sagen, aber mit solchen Spielern bist du natürlich noch erfolgreicher. Auch im Titelkampf.

Skysport.de: Kommen wir auf den zu sprechen: Die Bayern haben das Feld nach anfänglicher Dominanz durch die Niederlage gegen Frankfurt wieder zusammenrücken lassen. Punktgleich mit Leverkusen, nur einen Punkt vor Dortmund und Freiburg. Was muss Nagelsmann vielleicht verbessern, um den Abstand wieder größer werden zu lassen?

Funkel: Nagelsmann muss gar nichts besser machen (lacht). Die Mannschaft hat bisher überragend gespielt. Das Spiel gegen Frankfurt hätten die Bayern eigentlich 10:2 gewinnen müssen. Von 20 oder 30 Spielen ist es jetzt ein einziges, indem Sie ihre Chancen so liegenlassen haben. Nagelsmann hat bisher einen fantastischen Job gemacht. Er muss nichts anders machen, damit die Jungs in den nächsten Spielen wieder besser treffen.

Ich bin von der Qualität der Bayern und Julian Nagelsmann so überzeugt, dass selbst wenn das Spiel verloren geht, ich davon überzeugt bin, dass sie am Ende Deutscher Meister werden.
Funkel über das FCB-Spiel in Levekusen

Skysport.de: Am Sonntag geht es gegen Leverkusen, die ebenfalls einen tollen Start hingelegt haben und gleichauf mit den Bayern liegen. Was erwarten Sie sich von dem Spiel, außer einer besseren Chancenverwertung der Münchner?

Funkel: Das Spiel kann durchaus interessant werden. Was in Leverkusen in dieser Saison gezeigt wird, ist überragend. Die Mannschaft macht einen guten Eindruck, der Trainer macht einen guten Eindruck - das scheint zu passen. Das Spiel am Sonntag wird schon ein Gradmesser werden. Das Spiel Dortmund - ein fantastisches Bundesligaspiel - haben Sie verloren. Nun wird man sehen, ob es vielleicht doch auch für die Großen reicht. Und trotzdem bin ich von der Qualität der Bayern und Julian Nagelsmann so überzeugt, dass selbst wenn das Spiel verloren geht, ich davon überzeugt bin, dass sie am Ende Meister werden.

Skysport.de: Nicht nur Leverkusen überrascht. Ein paar Kilometer weiter hat Ihr Nachfolger Steffen Baumgart mit Köln die wohl größte Überraschungsmannschaft geformt. Haben Sie das zu Beginn der Saison erwartet?

Funkel: Dass es DIE Überraschung der bisherigen Saison ist, da gebe ich Ihnen absolut Recht. Keine Frage. Das konnte man nicht unbedingt erwarten. Dass diese Mannschaft gut ist und viel Potenzial hat, das konnte ich selber in den letzten Spielen der vorherigen Saison spüren. Das ist eine Mannschaft mit hoher Qualität und ganz starkem Charakter und toller Mentalität. Steffen hat das in den ersten Wochen sehr gut gemacht. Die Mannschaft ist ein bisschen besser aufgestellt als in der letzten Saison. Mit Mark Uth und Dejan Ljubicic aus Wien, der gut funktioniert. Auch Anthony Modeste, der verletzungsfrei ist. Man darf nicht zu viel vom 1. FC Köln erwarten nach den ersten Wochen, aber sie sind auf bestem Wege, sich in der Bundesliga festzuspielen und um mehr als den puren Klassenerhalt zu spielen. Ich glaube nicht, dass sie in den Abstiegskampf verwickelt sein werden. Die Mannschaft ist zu gut und Steffen macht das wirklich gut.

Er hat in den ersten Wochen mehr als genug zu tun gehabt und hat das überragend gemacht. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir irgendwann auch mal ein Glas Kölsch zusammen trinken werden.
Funkel über den Kontakt zu Köln-Nachfolger Baumgart

Skysport.de: Hatten Sie in dieser Saison schon Kontakt zu Ihrem Nachfolger?

Funkel: Noch nicht. Wir hatten das letzte Mal Kontakt, als wir in der Relegation in Kiel gespielt haben. Da haben wir miteinander telefoniert. Er hat in den ersten Wochen mehr als genug zu tun gehabt und hat das überragend gemacht. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir irgendwann auch mal ein Glas Kölsch zusammen trinken werden (lacht).

Skysport.de: Neben dem Effzeh überraschen in dieser Saison auch Mainz, Union und einmal mehr der SC Freiburg auf Platz vier. Wie kommt es, dass so viele vermeintlich kleine Teams dieses Jahr früh Punkte sammeln?

Funkel: Da wird einfach gute Arbeit gemacht. Es wird viel Wert auf ein gutes Team gelegt und man arbeitet in Ruhe. Über Freiburg mit Streich und Co. braucht man gar nicht mehr zu reden, was da geleistet wird, ist einfach toll. Die Mainzer sind mit Christian Heidel als Manager und Trainer Bo Svensson zurück zu den Tugenden, die sie stark gemacht haben. Gerade in Sachen Mentalität. Was sie in der Rückrunde letztes Jahr und auch in dieser Saison leisten, da habe ich gar keine Worte für. Und bei Union, die sich tatsächlich etabliert haben und die Hertha mittlerweile überholt haben, wird ebenso stabil und besonnen gearbeitet.

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Skysport.de: Auf der anderen Seite stehen Vereine wie Frankfurt und Gladbach, die eher in die Saison getaumelt sind und nur langsam ihren Weg finden. Woher rührt das?

Funkel: Beide haben neue Trainer, das braucht manchmal einfach ein wenig Zeit. Beide Mannschaften haben auch schwierige Vorbereitungen mit vielen Verletzten hinter sich, aber umso schöner ist es, dass diese Teams auch die Kurve kriegen. Beide haben zuletzt gewonnen. Ich glaube, dass beide auch in diesem Jahr einstellige Tabellenplätze einnehmen werden und Gladbach sogar die Chance auf das obere Drittel hat. Die Qualität ist da und der Weg von Adi Hütter, jetzt auch auf die jungen Spieler zu setzen, ist schon belohnt worden.

Das Interview führte Lars Pricken.

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