Hansi Flick und Joshua Kimmich zeigen die Schwächen des Bayern-Kaders auf
Vor Kahns Augen: Testspiel-Blamage deckt Bayerns Kader-Engpass auf
13.01.2020 | 12:25 Uhr
Der FC Bayern verpatzt seine Generalprobe im Testspiel beim 1. FC Nürnberg gehörig. Bei der deutlichen Niederlage offenbart sich die aktuell dünne Personaldecke des Rekordmeisters als Schwäche. Sportdirektor Hasan Salihamidzic lässt alle Optionen offen.
So hat sich Oliver Kahn sein erstes Spiel als designierter Vorstandschefs nicht vorgestellt. Vor den Augen des 50-Jährigen verpatzte der FC Bayern beim 1. FC Nürnberg die Bundesliga-Generalprobe völlig. Von der Tribüne aus musste die gesamte Führungsriege des Rekordmeisters die überraschend hohe 2:5-Niederlage verdauen.
Trainer Hansi Flick bot einen Tag nach der Rückkehr aus dem Trainingslager allerdings nur in der ersten Halbzeit seine Stars auf. Zur Pause wechselte der 54-Jährige komplett durch und gab dem Nachwuchs eine Bewährungschance - mit verheerenden Folgen.
Kimmich erstaunt über Bayern-Kader
Die Youngster waren überfordert und gingen im zweiten Durchgang buchstäblich baden. Der abstiegsbedrohte Zweitligist drehte nach dem 1:1-Pausenstand auf und schickte die Münchner mit einer Klatsche zurück in die Landeshauptstadt.
"Wir hatten einen langen Flug und ein intensives Trainingslager in den Beinen", sagte Flick nach dem missglückten Test, räumte aber ein: "Trotzdem kann man damit natürlich nicht zufrieden sein."
Die zweiten 45 Minuten offenbarten, wie eng die Personaldecke der Roten bestückt ist: "Wir hatten zwölf, dreizehn, vierzehn Profis dabei, der Rest waren Jugendspieler. Der Jugendspielertisch war relativ voll. Das gab es zu meiner Zeit nicht, als ich in meinem ersten Jahr war", blickte Joshua Kimmich erstaunt auf den aktuellen Bayern-Kader und brachte die Defizite auf den Punkt: "Fakt ist, dass wir momentan dünn besetzt sind, was die Breite angeht."
Flick und Salihamidzic analysieren Situation
Das erkannte Flick bereits in der vergangenen Woche und forderte angesichts der zahlreichen Verletzen Winter-Neuzugänge. Die Blamage beim Club bestärkt Flick in seinen Forderungen: "Wir fahren jetzt nach Hause und werden uns nochmal zusammensetzen und die ganzen Dinge besprechen. Gemeinsam werden Hasan (Salihamidzic, Anmerk. d. Red.) und ich noch einmal analysieren, was machbar ist und was nicht."
Sportdirektor Hasan Salihamidzic betonte gegenüber der Bild am Sonntag, dass man in so einer Phase besonders eng zusammenstehen und gemeinsam überlegen müsse, was das Beste ist: "Und oft ergeben sich dann Lösungen, die man nicht auf dem Zettel hatte: zum Beispiel junge Spieler, die ins kalte Wasser geworfen werden und überraschen, oder auch Positionswechsel, die so nicht vorgesehen waren, aber funktionieren. Oder ein Transfer. Wir müssen sehen."
"Transfermarkt im Winter dünn"
Allerdings knüpfte der 43-Jährige die Verpflichtung neuer Spieler bis Ende Januar an Bedingungen. "Der finanzielle Rahmen muss passen und - noch wichtiger - die Qualität des Spielers muss stimmen", sagte er: "Unsere Mannschaft sinnvoll zu verstärken ist nicht leicht. Außerdem ist der Transfermarkt im Winter dünn."
Um die Ziele der titelhungrigen Münchner nicht aus den Augen zu verlieren, sieht Kimmich weiterhin nicht genügend personelle Alternativen für den Trainer.
"Wenn du wirklich bis zum Ende auf drei Hochzeiten tanzen möchtest, dann sind wir darauf angewiesen, dass wir mehr als dreizehn, vierzehn fitte Spieler haben", sagte der Nationalspieler, räumte jedoch ein: "Natürlich haben wir auch Verletzungspech."
Zahlreiche Verletzte im Bayern-Kader
In acht Tagen beginnt für die Münchner die Aufholjagd. Mit Hinblick auf die Aufstellung gegen Hertha BSC (ab 14:30 Uhr live und exklusiv bei Sky) wird Flick nicht viel überlegen müssen. In Berlin muss der Coach auf Lucas Hernandez, Kingsley Coman, Javi Martinez und Niklas Süle verzichten. Joshua Kimmich ist gelb-gesperrt. Ein großes Fragezeichen steht zudem hinter einem Einsatz von Serge Gnabry (Achillessehnenproblemen).
Trotz der angespannten Personalsituation gebe es aber keinen Grund, "jetzt in Hektik zu verfallen", sagte Flick: "Wir haben eventuell zwei, drei Wochen, die wir überstehen müssen, bis der nächste Spieler wieder da ist."