Jochen Schneider soll Schalke aus der Krise führen
Nachfolger von Christian Heidel
28.02.2019 | 13:46 Uhr
Jochen Schneider wird überraschend Nachfolger von Christian Heidel als Sportvorstand von Schalke 04. Bislang arbeitete der 48-Jährige in Stuttgart und Leipzig vor allem im Hintergrund.
Im weißen Ballonseidenanzug und mit modischem Mittelscheitel überzeugte Jochen Schneider als Tennisball-Experte. Vor einem Millionenpublikum bei "Wetten, dass..?" mit Thomas Gottschalk krönte sich der 17-Jährige sogar zum Wettkönig. Gut 31 Jahre später kehrt der Schwabe auf die große Bühne zurück - als Sportvorstand beim FC Schalke 04.
Jochen wer? Der Nachfolger von Christian Heidel, den die Königsblauen nur drei Tage nach dessen Rücktritt aus dem Hut zauberten, arbeitet seit 1999 im Profigeschäft. Für die breite Öffentlichkeit ist er aber ein weitgehend Unbekannter. Beim VfB Stuttgart und bei RB Leipzig stand der gelernte Bankkaufmann meist in zweiter Reihe.
Veh lobt Schneider
In der Branche gilt Schneider als gut vernetzter Fachmann. "Es hat mich gewundert, dass er noch nirgendwo die Nummer eins geworden ist, wenn ich ehrlich bin. Er ist für Schalke ein sehr guter Griff", sagte Armin Veh, der beim VfB 2007 als Trainer zusammen mit ihm als Sportdirektor die deutsche Meisterschaft gewann, den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Ich bin überzeugt davon, dass er es schafft - von seinem Charakter her, von seinem Können, von seiner Intelligenz. Das nötige Netzwerk hat er auch."
Schneider stach bei den kriselnden Königsblauen weitaus prominentere Kandidaten wie Klaus Allofs aus, weil er "in den letzten Jahren mit Erfolg moderne Konzepte verfolgt", wie Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärte. Vielleicht auch, weil ihn Tönnies' sportlicher Berater im Aufsichtsrat, Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens, aus seiner Zeit in Stuttgart kennt.
Schneider mit königsblauen Verbindungen
Schneiders erste und wichtigste Aufgabe: Er soll einen Sportdirektor finden. Denn die Arbeit, die Heidel in seiner knapp dreijährigen Amtszeit alleine und ohne den gewünschten Erfolg machte, soll auf mehrere Schultern verteilt werden.
Aktuell werden der Hoffenheimer Alexander Rosen, der Schalker UEFA-Cup-Sieger Thomas Linke, bis 2017 Sportdirektor beim FC Ingolstadt, und der frühere Dortmunder Chefscout Sven Mislintat, der sich im Januar beim FC Arsenal nach nur 14 Monaten schon wieder verabschiedete, gehandelt.
Auch wenn Schneider bislang nur in Stuttgart und Leipzig arbeitete, hatte er schon vielfache Verbindungen zu Schalkern. Stevens ist nicht der einzige Königsblaue, mit der er beim VfB zu tun hatte. Rolf Rüssmann, in den 70er Jahren legendärer Vorstopper der Gelsenkirchener, förderte ihn zu Beginn seiner Karriere.
Ruhiger Teamplayer
Später holte er beim VfB Horst Heldt, Heidels Vorgänger als Sportvorstand auf Schalke, ins Management. Mit dem ehemaligen Schalker Trainer Ralf Rangnick arbeitete er in Stuttgart und Leipzig zusammen.
Schneider, so berichten seine Weggefährten, gilt als ruhiger, zurückhaltender Teamplayer. Ganz anders als sein Vorgänger Heidel, der einen Kaderplaner an seiner Seite ablehnte.
Am kommenden Dienstag steht der 48-Jährige wieder im Rampenlicht. Die Kameras richten sich auf ihn, wenn er sich auf Schalke erstmals in seiner neuen Funktion den Medien präsentiert. Thomas Gottschalk moderiert diesmal nicht.