Jonathan Tah über das frühe DFB-Aus bei der WM, seinen verschossenen Elfmeter gegen Paraguay und die neue Bayern-Saison
Der 30-jährige Innenverteidiger hat die Blamage bei der WM schnell abgehakt.
03.08.2026 | 15:29 Uhr
Im exklusiven Sky Sport Interview spricht Tah auch über seine Ziele für die neue Bundesliga-Saison, einen möglichen Titel in der Champions League und Trainer Vincent Kompany.
Jonathan Tah über ...
... den Urlaub und den Abstand nach dem frühen DFB-Ausscheiden: "Es war sehr wichtig. Das war gut nach der langen Saison ein bisschen Abstand zu gewinnen, runterzufahren und auf andere Gedanken zu kommen."
... seinen Umgang mit dem verschossenen Elfmeter gegen Paraguay im WM-Sechzehntelfinale: "Ich gehe grundsätzlich so damit um, dass ich mich auf solche Situationen vorbereite. Im Leben ist es immer so, dass man Momente erlebt, Rückschläge erlebt. Und die Frage ist immer, wie gehst du damit um und wie sehr hast du dich darauf vorbereitet. In dem Moment, in dem ich den Elfmeter geschossen habe, bin ich da mit voller Überzeugung hingegangen, wollte ihn reinmachen und habe ihn nicht reingemacht. Aber es geht viel mehr darum, dass ich mir vor dem Turnier vorgenommen habe, Verantwortung zu übernehmen, mutig zu sein und in den schwierigen Momenten da zu sein. Am Ende bin ich diesen Werten nachgegangen und deswegen kann und muss ich damit leben, dass ich den Elfmeter verschossen habe. Ich könnte viel weniger damit leben, wenn ich das Gefühl hätte, ich wäre diesem Wert oder dem was ich mir vorgenommen habe nicht nachgegangen."
... den Zuspruch und Nachrichten von Kollegen nach seinem verschossenen Elfmeter: "Das ist total nett gemeint von vielen. Ich mag kein Mitleid. Ich habe kein Selbstmitleid in solchen Situationen, aber es ist total nett gewesen, wie viele sich gemeldet haben. Eigentlich fand ich am schönsten, wie viele Menschen auf die rassistischen Kommentare reagiert haben. Ich habe mir das, um ehrlich zu sein, gar nicht alles angeschaut, aber natürlich mitbekommen. Ich fand es schön, wie viele Menschen sich eingesetzt und darüber gesprochen haben. Gar nicht wegen mir, sondern grundsätzlich, weil es Menschen gibt, die sich für etwas Gutes einsetzen wollen."
Noch kein Kontakt zu Klopp
... die Erwartungen an den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp: "Grundsätzlich freue ich mich auf die Zeit und ein neues Kapitel. Ich habe, um ehrlich zu sein, erstmal gar keine Erwartungen. Ich weiß nicht, was kommt. Ich habe ihn zweimal getroffen. "
... bereits bestehenden Kontakt zu Klopp: "Nein, ich habe ihn vorher mal getroffen. Wir sind ja beide schon sehr lange im Geschäft. Da läuft man sich mal über den Weg und der Eindruck war immer positiv und deswegen freue ich mich einfach."
... Kontakt zu Julian Nagelsmann nach seinem Ausscheiden als Bundestrainer: "Ja, den hat es gegeben."
Tah will hoch hinaus mit dem FC Bayern
... seine persönlichen Ziele mit den Bayern in der kommenden Saison: "Wir wollen da anknüpfen, wo wir letzte Saison aufgehört haben. Wir haben alle das Gefühl gehabt, dass es eine sehr besondere Saison war. Und das lag daran, dass wir von Tag eins an hart an uns gearbeitet haben, in jedem Spiel hart gearbeitet haben. Auch wenn nicht immer alles perfekt und sauber und rund lief, haben wir es immer geschafft, als Mannschaft zusammenzustehen und eine Atmosphäre zu schaffen, die uns das Gefühl gegeben hat, dass wir alles erreichen können und genau daran müssen wir anknüpfen."
... persönliches Verbesserungspotenzial: "Am Ende sind es Details, an denen man immer arbeiten kann. Ich würde jetzt gar nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, dass eine Sache auffällig schlecht gewesen ist. Dass ich sage, okay, das geht gar nicht, sondern es geht mehr um Details. Im Fußball, vor allen Dingen in den Topspielen, in den wichtigen Spielen, sind am Ende die Details entscheidend und deswegen wird es so wichtig sein, an denen zu arbeiten. Das werden wir gemeinsam machen, das werde ich für mich persönlich machen und ich will auch natürlich daran weiter anknüpfen, an der Rolle, die ich hier eingenommen habe und einnehmen möchte, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und der Mannschaft zu helfen, dass wir Spiele gewinnen."
Viel Lob für Brown und Saibari
... die Neuzugänge Nathaniel Brown und Ismail Saibari: "Nene (Brown, Anm. d. Red.) kenne ich jetzt durch die Nationalmannschaft ein bisschen besser. Er hat brutal viele Qualitäten. Offensiv, aber auch defensiv kann er der Mannschaft echt viel geben. Und gegen Ismail (Saibari, Anm. d. Red.) haben wir ja gespielt (während dessen Zeit bei der PSV Eindhoven). Das ein oder andere Spiel bei der WM von ihm hat man sich gerne angeguckt. Er ist ein extrem kompletter Offensivspieler, der unterschiedlich eingesetzt werden kann und immer wieder für Überraschungsmomente sorgen kann. Er ist sehr unangenehm zu bespielen, weil er körperlich sehr stark ist und trotzdem technisch gut. Also ich freue mich auf die Beiden."
... ob die wenigen Transfers Vor- oder Nachteil sind: "Am Ende stecken wir Spieler da natürlich nicht großartig drin. Wir hatten in der letzten Saison schon das Gefühl, dass wir eine Top-Atmosphäre hatten und auch die Qualität hatten, um alles gewinnen zu können. Und deswegen glaube ich, hatte keiner von uns das Gefühl, dass es einen Riesenumbruch geben muss."
CL-Titel im Blick und Lobeshymne auf Kompany
... was zu einem möglichen Champions-League-Titel fehlt: "Es kann mal das Quäntchen Glück sein. Aber Glück muss man sich auch irgendwo erarbeiten, und das haben wir auch in anderen Spielen oder Situationen. Und man darf das auch nicht zu sehr kaputt denken, wieso, weshalb, warum. Natürlich gibt es taktische Dinge, die wir anders hätten umsetzen können in den Situationen. Auch schon in dem Real-Spiel vor dem Ausscheiden, als wir Tore gekriegt haben und die Situation brenzlig wurde. Aber am Ende geht es darum, noch mehr unsere Spielweise zu verfestigen und das mit Überzeugung jedes Spiel reinzubringen. Und dann können wir auch diese Spiele gewinnen und dann ist vielleicht das Quäntchen Glück auf unserer Seite."
... den Einfluss von Vincent Kompany: "Als ich gekommen bin, habe ich gesagt, dass es mir wichtig ist, das Gefühl zu haben, einen Trainer zu haben, der mich weiterbringen kann. Jemand, der mir etwas geben kann, was mich aufs nächste Level hievt, weil ich noch nicht am Ende angekommen bin, wo ich sein möchte. Das hat er mit seiner Ansprache gemacht. Mit seiner Art und Weise voranzugehen, als Leader, als Trainer. Dadurch, dass er auch Spieler gewesen ist, kann er das sehr gut auch aus Spielersicht einem mitgeben. Und ja, dann sind es auch nochmal so Verteidigungsthemen, die er besonders beleuchtet, wo ich auch extrem viel mitnehmen durfte."
Das Interview führte Torben Hoffmann
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