Köln im Glück, HSV schon wieder im Krisenmodus
Bundesliga-Absteiger starten unterschiedlich
06.08.2018 | 17:14 Uhr
Der 1. FC Köln entgeht bei seiner Zweitligarückkehr dem Schicksal des Hamburger SV, benötigte beim 2:0 in Bochum aber viel Glück und Hilfe vom Schiedsrichter. Beim Hamburger SV läuten nach der 0:3-Klatsche gegen Holstein Kiel die Alarmglocken.
Nach dem glücklichen Ende der Knochenarbeit bei 35 Grad schloss Timo Horn direkt die ungeliebte 2. Liga ins Herz. "Da war ich schon glücklich, dass es hier keinen Videobeweis gibt", sagte der Torwart des 1. FC Köln nach dem hart erkämpften und schmeichelhaften 2:0 (1:0) beim VfL Bochum zum Auftakt der Operation Wiederaufstieg.
Die strittige Szene, auf die Horn anspielte - ein glasklares Foul von Jorge Mere im Strafraum an Danilo Soares in der Nachspielzeit der ersten Hälfte - war nicht die einzige, in der die Gäste das Glück auf ihrer Seite hatten.
Keine Frage, es war ein Stotterstart des Absteigers, den es durchaus ähnlich hart hätte treffen können wie den zweiten Aufstiegs-Topfavoriten Hamburger SV tags zuvor beim 0:3 gegen Holstein Kiel. "Wir haben alle das HSV-Spiel gesehen: Es gibt keine Selbstläufer in der 2. Liga", betonte Christian Clemens.
Horn bewahrt sein Team vor dem Rückstand
Doch die Kölner mussten sich schon beim starken Horn und beim schwachen Schiedsrichter Felix Zwayer bedanken, dass sie in Bochum nicht ein ähnlich blaues Wunder erlebten wie die Hamburger gegen Kiel. Horn war gleich bei drei Bochumer Großchancen vor dem Führungstreffer zur Stelle.
Maxim Leitsch unterlief ein Eigentor (44.), Kölns starker Neuzugang Rafael Czichos erhöhte (59.) für die Rheinländer. Selbst die Gelb-Rote Karte gegen Mere (70.) brachte die Kölner nicht mehr aus dem Tritt.
"Wenn ich meinen Jungs ein Kompliment machen kann, dann für die Art und Weise, wie sie gekämpft haben. Sie haben das Thema 2. Liga in den letzten 25 Minuten angenommen - in Unterzahl und bei dieser Hitze", sagte der neue FC-Trainer Markus Anfang.
Horn erinnerte daran, dass der FC in seiner letzten Zweitligasaison vor vier Jahren mit drei Unentschieden gestartet war. Doch auch er weiß, dass die Kölner in den kommenden beiden Heimspielen gegen Union Berlin und Erzgebirge Aue eine Schippe drauflegen müssen.
Hamburg verarbeitet die Kiel-Klatsche
Beim Hamburger SV hatte Trainer Christian Titz sein Team am Tag nach dem 0:3-Debakel gegen Kiel mit einer ausführlichen Videoanalyse gequält, auch die Spieler sagten sich untereinander am Samstag die Meinung - doch zum Ausklang des Wochenendes, das für die Hamburger so schrecklich begonnen hatte, verarbeitete jeder die Schmach für sich allein. Sonntag hatte der erste Tabellenletzte der 2. Liga frei.
"Wir dürfen jetzt auch nicht alles über den Haufen werfen", sagte Titz, der bereits unter Druck gerät und eine Reaktion seines teuren Teams nächste Woche in Sandhausen forderte: "Wir wissen auch, dass uns das in Zukunft nicht mehr passieren darf." Der Hauch von Euphorie, der sich nach dem Abstieg zuletzt an der Elbe angedeutet hatte, ist jedenfalls schon wieder dahin, die Leiden des ausgestorbenen Dinos gehen in der 2. Liga weiter.
In dieser Verfassung dürfte es für die Hanseaten selbst in Sandhausen schwierig werden. "Wir haben als Kollektiv voll versagt", sagte Holtby. Und der neue Sportchef Ralf Becker kritisierte, dass offenbar nicht alle HSV-Profis den nötigen Schneid gehabt haben.
HSV sucht noch einen Verteidiger
Im Gegensatz zu seinen Spielern konnte Becker am Sonntag nicht frei machen. Gegen Kiel wackelte die Abwehr bedenklich, besonders Neuzugang David Bates leistete sich einige Aussetzer. Deshalb sucht Becker nach den schweren Verletzungen von Gideon Jung und Kyriakos Papadopoulos noch mindestens einen Innenverteidiger, der "sofort hilft" und "seinen Mann steht, wenn es ein bisschen stürmisch wird".
In Hamburg könnte es nämlich schnell wieder ziemlich ungemütlich werden.