Köln, Werder, Union & Co. - der Bundesliga Check nach der Länderspielpause - Teil II
Bundesliga-Check: Frohe Weihnachten oder brennt der Baum?
21.11.2019 | 20:03 Uhr
Nach der Länderspielpause steht der Endspurt in der Hinrunde der Bundesliga an. Bis Weihnachten wollen sich die Klubs in eine gute Position für das neue Jahr bringen. Sky Sport beleuchtet im großen Bundesliga-Check die Situation bei allen 18 Bundesligisten.
VFL WOLFSBURG:
Die Startserie war schon fast beängstigend. Der VfL Wolfsburg weigerte sich beharrlich, überhaupt mal ein Spiel zu verlieren. Liga, Europa League, DFB Pokal - die Wölfe marschierten unaufhaltsam. Trotz des Wechsels auf der Trainerposition - oder gerade deshalb? Oliver Glasner ist nach der überaus erfolgreichen Labbadia-Ära in große Fußstapfen getreten und hat geliefert. Punkte zumindest. Abwehr stabil, Offensivspiel eher zäh, allerdings mit einem überragend aufgelegten Wout Weghorst - so lautete (!) die VfL-Erfolgsformel.
Aus 13 Pflichtspielen ohne Pleite sind mittlerweile sieben Partien ohne Sieg geworden - zuletzt setzte es vier Niederlagen ensuite. Erhöhte Absturzgefahr! Glasner muss in den kommenden Wochen den Verdacht entkräften, dass sein Team in den ersten Wochen der Saison hauptsächlich von der Substanz gelebt hat, die Labbadia hinterlassen hat.
Dabei helfen könnte die Rückkehr der Langzeitverletzten. Koen Casteels ist mehr als ein sportlicher Rückhalt. Pervan hat anständig gehalten, aber der Belgier ist als Instanz auf und neben dem Platz unersetzlich. Von Xaver Schlager (rekordverdächtige Rekonvaleszenz nach Knöchelbruch) darf sich Glasner die temporeiche Zielstrebigkeit im Umschaltspiel im Mittelfeld erhoffen, für die der Salzburger Sommerzugang zu Saisonbeginn gesorgt hatte.
Und auch Daniel Ginczek steht vorm Comeback. Gemeinsam mit Weghorst oder als Backup für den Holländer - die Rückkehr des Mittelstürmers erweitert Glasners Handlungsspielraum erheblich. Der Trainer muss nach der Länderspielpause schnell die neue Erfolgsformel finden - und den freien Fall stoppen.
Restprogramm bis zur Winterpause: Frankfurt (A), Bremen (H), Freiburg (A), Mönchengladbach (H), Schalke (H), Bayern (A)
UNION BERLIN:
Union Berlin scheint angekommen zu sein in der ersten Bundesliga. Zuletzt gab es wichtige Siege gegen Mainz, Hertha und zwei Mal gegen Freiburg. Speziell der Sieg im Stadtderby hat nochmal viel Selbstbewusstsein gebracht. Das Team bzw. der gesamte Verein ist immer ruhig geblieben, auch als es nicht lief und hat aus den eigenen Fehlern gelernt.
Bis Weihnachten stehen erstmal einige schwere Spiele an (Gladbach und Schalke) und danach u. a. Duelle gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf (Köln, Paderborn, Düsseldorf). Bei letzteren sollte Union Punkte holen, um die gute Ausgangslage nach 11. Spieltagen nicht bis Weihnachten zu verspielen.
Sollte Union weiter so auftreten wie bisher und die soliden Leistungen bestätigen können, ist der Klassenerhalt definitiv ein realistisches Ziel.
Restprogramm: Mönchengladbach (H), Schalke (A), Köln (H), Paderborn (A), Hoffenheim (H), Düsseldorf (A)
HERTHA BSC:
Platz 12 in der Buli, hinter Stadtrivale Union Berlin. Das schmeckt den Verantwortlichen natürlich überhaupt nicht. Zuletzt wurde 3 Mal hintereinander verloren in der Liga; gut für die Stimmung, dass wenigstens das Weiterkommen im Pokal gegen Dynamo Dresden in dieser Zeitspanne lag. Überzeugend war der Auftritt gegen den Zweitligisten übrigens auch nicht. Und bis Weihnachten…? Spielt man auswärts in Augsburg, gegen Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Gladbach. Es könnte also durchaus sein, dass der sprichwörtliche (Weihnachts-)Baum brennen wird.
Restprogramm: Augsburg (A), Dortmund (H), Frankfurt (A), Freiburg (H), Leverkusen (A), Gladbach (H)
FORTUNA DÜSSELDORF:
Nach einem Bundesliga-Aufstieg gibt es die altbekannte Floskel: "Das zweite Jahr ist das schwerste". Auch bei der Fortuna schien sich dieser Spruch zu Saisonbeginn zu bestätigen. Nach sieben Spieltagen standen nur ein Sieg (3:1 gegen Werder Bremen am 1. Spieltag) und letztendlich vier Punkte auf dem Konto. Platz 15 - punktgleich mit einem Abstiegsplatz - ließen bei den F95-Anhängern erste leichte Sorgen aufkommen. Auch die Unruhen rund um den Verein durch Präsident Thomas Röttgermann - Stichwort "App-Affäre" & "Klüngelei" - waren keine Stimmungsaufheller.
Mit dem 1:0-Sieg gegen den direkten Konkurrenten FSV Mainz 05 (1:0) ging jedoch ein Ruck durch den Verein. Es folgten der Pokal-Erfolg gegen Aue (2:1), der 2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Köln sowie das beachtliche 3:3 bei Schalke 04. Einzig beim 0:2 in Paderborn enttäuschten die Rheinländer.
So weist Fortuna mit elf Punkten drei Zähler mehr auf als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Auch ein Grund, warum man in Düsseldorf auch nicht in Panik gerät - trotz derzeitigem Platz 13 und nur zwei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz.
Die Verantwortlichen sind zufrieden, was sich auch in der anstehenden Vertragsverlängerung von Coach Friedhelm Funkel widerspiegelt. "Wir warten diesmal nicht bis zum Trainingslager, die Verhandlungen haben schon begonnen, ich habe ein gutes Gefühl", meinte Boss Röttgermann.
Bei der Fortuna geht es somit vor Weihnachten in die richtige Richtung. Ob es ruhige Feiertage werden oder am Ende doch der Baum brennt, wird sich jedoch erst in den kommenden Wochen herausstellen. Das Restprogramm hat es nämlich in sich. Mit Bayern, Dortmund und Leipzig warten noch richtig dicke Brocken. Dass die Fortuna aber auch überraschen kann, hat sie gegen S04 gezeigt. Sollte dies noch das eine oder andere Mal gelingen und gegen die direkten Kontrahenten Augsburg und Union gewonnen werden, wäre man im Rheinland absolut im Soll.
Restprogramm: Bayern (H), Hoffenheim (A), Dortmund (A), RB Leipzig (H), Augsburg (A), Union (H)
WERDER BREMEN:
Das hatten sie sich an der Weser anders vorgestellt. Mit einem Jahr Anlauf wollten Florian Kohfeldt und sein Ensemble in dieser Saison den Weg nach Europa zu Ende gehen. Nach elf Spieltagen spricht nichts dafür, dass Werder in der kommenden Saison auf internationalem Parkett tanzen wird - im Gegenteil:
Aktuell hängt Bremen bedenklich tief in der unkomfortablen Tabellenzone fest - rosarote Tupfer in der grün-weißen Spielanlage, die Punkteausbeute hingegen ist bestenfalls mausgrau. Die Hypothek des schwachen Saisonstarts, der untrennbar mit der absurden Häufung von Verletzungen verbunden ist, schleppt Werder durch die Hinrunde. Die vielen Ausfälle waren es auch, die Frank Baumanns Transferpolitik in eine Unwucht getrieben haben. Brände löschen, statt den Kader kreativ konstruieren zu können.
Kein Zweifel: Hätte Kohfeldt mal annähernd alle Optionen zur Verfügung, würde mehr in seinem Personal stecken, als ein Rang im unteren Drittel. Die anhaltende Disbalance zwischen fußballerischem Aufwand und den Erträgen auf dem Punktekonto ist allerdings eher Ergebnis mangelnder Konsequenz auf dem Feld, als eine Folgeerscheinung der personellen Herausforderungen.
Ob es auf eine sorgenarme Saison oder sogar auf Abstiegskampf hinausläuft, wird sich in den kommenden Wochen sehr viel deutlicher abzeichnen.
Restprogramm: Schalke (H), Wolfsburg (A), Paderborn (H), Bayern (A), Mainz (H), Köln (A)
FC AUGSBURG:
Von besinnlichen Weihnachten sind die Augsburger trotz des jüngsten Sieges in Paderborn aktuell weit entfernt. Für den FCA folgen nach der Partie gegen die Hertha zwei entscheidende Duelle: Köln und Mainz sind direkte Konkurrenten im Abstiegskampf und treten jeweils mit einem neuen Trainer an.
FCA-Coach Martin Schmidt benötigt weitere Erfolge, damit die Verantwortlichen in Augsburg nicht ähnlich handeln wie die der Kellernachbarn. Der Rückhalt für den Schweizer in der Mannschaft scheint zu schwinden
Doch nicht nur die tabellarische Situation erschwert das Arbeiten in der Fuggerstadt. Auch der in aller Deutlichkeit vorgetragene Wechselwille des Österreichers Michael Gregoritsch sorgt erneut für Unruhe.
Restprogramm: Hertha (H), Köln (A), Mainz (H), Hoffenheim (A), Düsseldorf (H), Leipzig (A)
1. FSV MAINZ 05:
Ungewöhnlich viel Unruhe gab es zuletzt bei den Rheinhessen, Trainerentlassungen sind schließlich dort nicht an der Tagesordnung. Mit Kölns Ex-Trainer Beierlorzer übernimmt nun einer das Ruder, der punktemäßig in der Liga noch erfolgloser war als der entlassene Sandro Schwarz.
Dem Neuen schlägt nicht nur eine große Skepsis entgegen sondern auch ein schweres Programm bis Weihnachten: Hoffenheim, Frankfurt, Augsburg, Dortmund, Bremen, Leverkusen. Lediglich Augsburg und die aktuell formschwachen Bremer fallen da in die Kategorie „Augenhöhe". In allen anderen Begegnungen ist Mainz klarer Außenseiter. Existentiell wichtige Wochen, in denen es nicht nur um Punkte geht:
Früher Trainerwechsel, sinkende Zuschauerzahlen, Diskussionen um fehlende Mentalität auf dem Platz - Mainz 05 steht vor bislang völlig unbekannten Herausforderungen.
Restprogramm: Hoffenheim (A), Frankfurt (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Bremen (A), Leverkusen (H)
1. FC KÖLN
Elf Spiele, acht Niederlagen, Platz 17, Aus für Sportvorstand und Cheftrainer - die bisherige Saison der „Geißböcke" war eine zum Vergessen. Mit Horst Heldt hat ein ehemaliger FC-Profi das Ruder von Armin Veh übernommen, Markus Gisdol ersetzte den glücklosen Achim Beierlorzer.
Doch wird jetzt alles besser? Gisdol, der bereits mit Hoffenheim und Hamburg den Klassenerhalt geschafft hat, muss die Wende schaffen. Heldt hat in Stuttgart, Gelsenkirchen und Hannover bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Er und FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle kennen sich seit 2006 aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten.
Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche gemeinsame Arbeit scheinen gut zu sein. Doch zunächst gilt es, den Turnaround zu schaffen. „Wir müssen wieder eine Gemeinschaft werden", sagte Heldt auf der Pressekonferenz am Dienstag. Gisdols Aufgabe wird es dabei auch sein, den unzufriedenen Ex-Torjäger Anthony Modeste richtig ins Team zu integrieren. In Hoffenheim hatte er ihn seinerzeit aus dem Kader gestrichen. „Tony und ich - das wäre doch geil, wenn wir's wieder hinbekommen", meinte Gisdol. Neustart ist die Devise.
Köln braucht Punkte, sonst droht der nächste Abstieg. Von den sechs Spielen bis zur Winterpause haben die direkten Duelle im Abstiegskampf gegen Augsburg und bei Union Berlin natürlich besondere Bedeutung. Doch zunächst gilt es am Samstag in Leipzig einen guten Start zu erwischen. Dort war zuletzt Mainz mit 0:8 unter die Räder geraten.
Restprogramm: Freiburg (H), Bayern (A), Schalke (H), Köln (A), Hertha (H), Mainz (A)
SC PADERBORN:
Der Aufsteiger galt schon vor dem 1. Spieltag als erster Kandidat für den Abstieg. Leistungsträger wie Philipp Klement und Bernard Tekpetey verließen den Verein, große Sprünge haben die Ostwestfalen auf dem Transfermarkt nicht gemacht: Im Sommer gaben sie nur 100.000 Euro aus.
Ein Sieg, ein Unentschieden, vier Punkte und Platz 18 lautet die Zwischenbilanz nach elf Spieltagen. Dabei hatte die Saison eigentlich ganz gut begonnen. In Leverkusen (2:3) und gegen Freiburg (1:3) zeigte die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart erfrischenden Offensivfußball, in Wolfsburg belohnte sie sich beim 1:1 mit dem ersten Punkt.
Doch das 1:5 gegen Schalke zeigte, dass man mit Offensivfußball allein nicht weit kommt. Beim 0:3 in Köln spielte Paderborn wie ein Absteiger, immerhin gelang Ende Oktober beim 2:0 gegen Düsseldorf der erste Sieg. Fünf Punkte sind es bis Platz 16, bis zur Winterpause den Rückstand zu verkürzen, dürfte angesichts des schweren Restprogramms schwierig werden.
Restprogramm: Dortmund (A), Leipzig (H), Bremen (A), Union (H), Mönchengladbach (A), Frankfurt (H).
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