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Kolumne: Lothar Matthäus über FC Bayern, Schalke 04, RB Leipzig & Union Berlin

Matthäus: Hier sind der BVB und Leipzig stärker als Bayern

06.01.2021 | 13:33 Uhr

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Image: Die Kolumne von Lothar Matthäus erscheint wöchentlich auf skysport.de. © Imago

Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt. Dieses Mal spricht der Rekord-Nationalspieler über ein mögliches Problem für den FC Bayern, die Lage bei Schalke 04 und die bisher starke Saison von RB Leipzig und Union Berlin.

Das Thema Belastungssteuerung ist in dieser Saison besonders wichtig. Vor allem bei den Top-Teams, da die Pause kurz war, Corona erschwerend hinzu kommt und der Spielplan auch aufgrund der anstehenden EM auf Kante genäht ist.

Breite im Bayern-Kader nicht so stark wie bei BVB & RB

Gerade der FC Bayern muss schauen, wie er die Kräfte am besten bündelt und einteilt. Die Münchner sind in jedem Wettbewerb bis ins Finale gekommen und hatten so wenig Erholung wie kein anderer Klub. Außerdem bestreiten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder die meisten Spiele von allen Bundesligisten.

Im Grunde ist es so, dass die 14 Top-Spieler, die Hansi Flick zur Verfügung hat, das Triple gewonnen haben. Was dahinter kommt, ist in der Breite allerdings qualitativ nicht so stark wie die Bank von Borussia Dortmund oder RB Leipzig auf nationaler Ebene. Auch andere Top-Klubs in Europa sind in der Breite etwas besser besetzt. Das ist überhaupt keine Kritik, aber doch eine Feststellung. Es ist aktuell kein Problem für die Bayern, kann aber zu einem werden.

Alle Kolumnen von Matthäus im Überblick

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Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de

Bayern-Kader fällt nach Nummer 15 deutlich ab

Wenn sich so gut wie keiner aus der ersten Reihe länger verletzt, ist Bayern auch in dieser Saison der Favorit auf alle Titel. Problematisch wird es aber dann, wenn im Frühjahr Leistungsträger länger ausfallen sollten. Dann ist wenig adäquater Ersatz da.

Die Neuzugänge waren Sarr, Choupo-Moting, Costa, Roca, Nianzou, Nübel und Sane. Davon durften lediglich Sarr (3x) und Sane (2x) in Bundesliga-Partien über 90 Minuten auf dem Platz stehen.

Nochmal: Das ist nicht negativ in Richtung Bayerns Kaderplanung zu verstehen. Mir fällt nur auf, dass sie auch in dieser Saison einen absoluten Weltklasse-Kader haben, der jedoch ab der Nummer 15 deutlich abfällt. In Dortmund können ein Brandt, Can oder Bellingham eingewechselt werden.

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Das muss aber kein Nachteil sein. Denn wenn die Bayern ihren Triple-Kader mit noch mehr Weltstars aufgefüllt hätten, wäre Unruhe vorprogrammiert. So muss man allerdings wieder darauf hoffen, dass die Abgänge der überragenden Charakter-Spieler Thiago, Coutinho und Perisic nicht allzu sehr ins Gewicht fallen und sich keiner schwer verletzt oder lange gesperrt wird.

Das kann, wie in der Vergangenheit öfter geschehen, ein Champions-League-Finale oder gar den Titel kosten. Die Belastung in dieser Saison ist bei Bayern so hoch wie nie zuvor. Alle und vor allem die vielen Nationalspieler sind über einen sehr langen Zeitraum körperlichen am Limit.

Schalke muss bei Tönnies-Hilfe aufpassen

Am Limit ist auch Schalke 04. Allerdings eher psychologisch und finanziell. Nun ist also zu hören, dass der ehemalige Boss Clemens Tönnies dem extrem klammen Verein finanziell wieder unter die Arme greift. Ich kann verstehen, dass die Verantwortlichen jede Gelegenheit nutzen, um diesen tollen Verein vor dem Abstieg zu retten, indem jetzt noch ein paar gute Spieler verpflichtet werden.

Sollte Tönnies helfen wollen und intern damit alle einverstanden sein, wäre das grundsätzlich gut. Aber vielleicht sollte man dann auch darauf achten, dass Schalke am Ende nicht noch mehr Schulden hat und an den Verbindlichkeiten und Zinsen erstickt. Denn sonst ist es am Ende keine wirkliche Hilfe.

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In diesem Video (Länge: 42 Sekunden) spricht Sky Experte Lothar Matthäus über die Führungsspieler des FC Schalke 04.

Die Bundesliga braucht Schalke 04

Sportlich gesehen habe ich S04 trotz der erneuten Niederlage und einer Ewigkeit ohne Erfolgserlebnis noch nicht abgeschrieben. Am Wochenende haben die letzten sechs Mannschaften der Tabelle allesamt verloren. Für Schalke sind es weiterhin "nur" sechs Punkte auf den Relegationsplatz und sieben bis Rang 15. Bei noch 20 ausstehenden Spielen absolut machbar, wenn man nur endlich einmal ein paar Spiele gewinnt. Und das muss mit diesem Kader doch möglich sein.

Wenn sie das nächste Spiel gegen Hoffenheim zuhause gewinnen, nicht lesen müssen, dass sie den Rekord von Tasmania geknackt haben und positiv gestimmt die ganze Woche trainieren können, ist das vielleicht eine Wende. Ich drücke ihnen von Herzen die Daumen. Die Bundesliga braucht Schalke 04 und umgekehrt.

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RB ein Titelkandidat - Union ein mittelgroßes Fußball-Märchen

Zwei Teams, die uns Woche für Woche beeindrucken, sind Leipzig und Union. Was RB vor allem in Sachen Balance erreicht hat, ist sehr beeindruckend. Neun Gegentore in 14 Liga-Spielen sind fabelhaft. Sieht man einmal von den drei Treffern ab, die sie gegen Bayern kassiert haben, musste Gulacsi nur sechs Mal in 13 Spielen hinter sich greifen. Nicht selten gewinnt die beste Defensive bekanntlich den Titel.

Gulacsi, Orban, Sabitzer, Forsberg und Poulsen sind allesamt Führungsspieler in ihren Nationalmannschaften und haben die nötige Qualität und Reife, um mit den Bayern bis zum Schluss um den Titel zu spielen. Die starken Neuzugänge sind auch ein großes Plus für diese Mannschaft.

Zum Schluss noch ein ganz großes Kompliment an Union und Urs Fischer. 24 Punkte und 29 Tore nach 14 Spieltagen. Wow. Nur die Bayern haben öfter getroffen. Und das, obwohl ihnen Max Kruse seit Wochen fehlt. Was der Schweizer Trainer und die Verantwortlichen aus diesem Team herausholen, ist bisher ein mittelgroßes Fußballmärchen.

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