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Kolumne: Lothar Matthäus über Klassiker & Bellingham

Matthäus verteidigt Bellingham: Jetzt nicht übertreiben!

''So sehe ich das'' - die Sky Kolumne von Lothar Matthäus.
Image: ''So sehe ich das'' - die Sky Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Sky Experte Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne "So sehe ich das" über den wilden Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Dabei nimmt er Jude Bellingham für seine Wortwahl nach der Partie in Schutz und spricht außerdem über die ''Krisenklubs'' aus Leipzig und Gladbach.

Ich verstehe es nicht mehr! Dortmund und Bayern haben uns vielleicht das beste Bundesligaspiel des letzten Jahrzehnts geliefert und zwei Tage später diskutieren wir über Schiedsrichter, Elfmeter und Spieler-Aussagen.

Emotionen nur schwer zu kontrollieren

Ja, die Worte von Jude Bellingham waren in der Form unangebracht. Heute würde er das vielleicht mit Abstand nicht mehr sagen. Aber ich kann seinen Frust und seine Wut direkt nach Spielende auch verstehen. Mir ist in Karlsruhe mal Ähnliches passiert. Das Adrenalin und die Emotionen sind nur sehr schwer zu kontrollieren, wenn man so ein wichtiges Spiel durch strittige Entscheidungen verliert. Aber man muss es jetzt auch nicht übertreiben.

Von mir aus soll er für einen karitativen Zweck eine Geldstrafe spenden und dann ist gut. Ich frage mich ohnehin, wie ein 18-jähriger englischer Spieler die Vergangenheit von Herrn Zwayer so gut kennt? Wer hat ihm das vor dem Interview mit auf den Weg gegeben?

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Was mich allerdings am meisten ärgert, ist der Umstand, dass es heute aus der Schiedsrichter-Ecke heißt, die Aktion Reus-Hernandez hätte ohnehin niemals Elfmeter gegeben, weil der VAR dann eine vorausgegangene Abseitsstellung angezeigt hätte. Und wieso hat das Herr Zwayer dann am Sky Mikro nach dem Spiel nicht verraten? Sie legen es sich leider zu oft so hin, wie es ihnen passt. Wenn der Schiedsrichter und seine vielen Assistenten diese Information am Samstag verkünden, dann würden wir auch nicht über Bellinghams Aussagen sprechen.

Aussagen von Zwayer haben mich nicht überzeugt

Mich haben aber auch die Aussagen von Herrn Zwayer generell nicht überzeugt. Es war in meinen Augen nicht nur ein Zweikampf, der auf Höhe des Oberkörpers geführt wurde. Zum einen ist eindeutig der Arm von Hernandez beim Schubser ausgestreckt und wenn ich mich nicht irre, gab es auch noch unten ein Kontakt. Eine Chance auf den Ball hatte der ungestüme Bayern-Verteidiger auch zu keinem Zeitpunkt. Aber überall das muss man gar nicht mehr sprechen, wenn man weiß, dass es ohnehin Abseits gewesen wäre und dies das K.o.-Kriterium für einen Elfmeter wäre.

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Schiedsrichter Felix Zwayer hat den Handelfmeter-Pfiff gegen BVB-Abwehrchef Mats Hummels im Topspiel gegen den FC Bayern München begründet (Länge: 3.57 Minuten).

Sich mit dieser Erklärung zwei Tage Zeit zu lassen, ist dann doch ein bisschen zu lang. Und trotzdem muss man sagen: Die Aussagen des Dortmunder Spielers gehen zu weit und sollten so nicht wieder vorkommen. Denn auch wenn man über beide Elfmeterszenen diskutieren kann, so muss man auch feststellen: Skandalös waren die Entscheidungen von Herrn Zwayer auf gar keinen Fall und verpfiffen hat er das Spiel auch nicht.

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Irgendwas stimmt in Gladbach nicht

Nach dem 0:6 gegen den SC Freiburg muss ich sagen: Irgendwas stimmt in Gladbach nicht. Zwischen Team und Trainer scheint es aktuell nicht richtig zu passen. Wenn man als Gladbacher das wichtigste Derby gegen den 1. FC Köln sang und klanglos 1:4 verliert, dann muss im nächsten Spiel eine Reaktion erfolgen. Aber stattdessen bekommt die Mannschaft von Adi Hütter in einer Halbzeit sechs Gegentreffer gegen den SC Freiburg.

Bitte nicht falsch verstehen, Köln und Freiburg sind aktuell richtig gute Mannschaften mit tollen Trainern und einer Super-Truppe. Aber es ist und bleibt Borussia Mönchengladbach, und da darf so etwas nie und nimmer passieren. Ich nehme an, der ein oder andere Trainer würde so etwas sportlich nicht überstehen.

Das Glück von Hütter ist in diesem Fall Max Eberl. Der wird auch nach solchen negativen Erlebnissen nicht nervös. Das konnte man schon nach der Niederlagen-Serie von Marco Rose in Gladbach beobachten. Eberl ist klar, sachlich und ruhig. Ich nehme an, dass die schlechten Ergebnisse auch etwas damit zu tun haben, dass einige Spieler angefressen oder nicht ganz bei der Sache sind. Florian Neuhaus ist extrem frustriert und Ginter oder Zakaria möglicherweise mit ihren Gedanken eher bei der Zukunftsplanung als bei Borussia Mönchengladbach.

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Aktuelle Performance nicht weiter tragbar

Wenn dann noch ein der eine oder andere mit dem Trainer und dessen Philosophie nicht klar kommt, dann verliert man Spiele. Vielleicht ist ihnen auch das 5:0 gegen den FC Bayern zu Kopf gestiegen. Spätestens nach den beiden letzten Mega-Blamage dürfte der letzte gemerkt haben, dass die aktuelle Performance nicht weiter tragbar ist.

Noch ein paar solcher Niederlagen sollten sich Trainer und Mannschaft aber nicht leisten, denn dann wird auch Max Eberl ins Grübeln kommen. Wenn die treuen Gladbach-Anhänger nach einer halben Stunde aus dem Stadion flüchten, ist dies das größte Alarmzeichen. Diese Fans darfst du nicht verlieren, denn sonst wird es schwieriger als ohnehin.

Jesse Marsch hat es leider nicht geschafft. Er hat es nicht geschafft eine Hierarchie, ein erfolgreiches System und eine konstant erfolgreiche Fußballmannschaft aus Leipzig Woche für Woche auf dem Platz zu schicken. Natürlich waren die Fußstapfen von Julian Nagelsmann groß und die Spieler, die man vor der Saison abgegeben hat, absolute Leistungsträger.

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RB eine Nummer zu viel für Marsch

Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass RB gut eingekauft hat und auch der aktuelle Kader zu viel mehr im Stande ist, als es Marsch aus ihr herausgeholt hat. Ich bin weiterhin der Meinung, dass es ein Fehler war, die Spieler, die die RB-DNA in sich tragen und sowohl nach innen als auch nach außen wie kaum jemand sonst für diesen Verein stehen, stark zu machen und zu integrieren. Und ich denke da vor allem an Kampl, Forsberg und Poulsen.

In meinen Augen ist es für einen Trainer, der zu einem erfolgreichen Verein dazu stößt, immer besser Altbewährtes nicht zu sehr zu verändern, sondern noch stärker zu machen. Darüber hinaus kann und muss er natürlich Neuzugänge und jüngere Spieler Stück für Stück an die erste Mannschaft heranführen und integrieren. Gefühlt war das alles eine Nummer zu viel für Jesse Marsch und so musste man sich schon nach 14 Spieltagen vom Cheftrainer trennen. Natürlich bedeutet dies nun auch für Boss Oliver Mintzlaff eine Menge Druck.

Er ist zwar unantastbar und der wichtigste Mann, aber auch er weiß, dass der nächste Trainer viel besser sitzen muss als der letzte. Mit diesem Kader muss viel mehr erreicht werden als bisher. Ich könnte mir sehr gut vorstelle, dass ein Mann wie Edin Terzic sehr gut zu Stadt, Klub, Mannschaften und Fans passt. Auch der kolportierte Roger Schmidt könnte eine prima Lösung sein.

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