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Krise von Werder Bremen wird schlimmer vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund

Werders trügerischer Hoffnungsschimmer 

Sven Töllner

22.02.2020 | 15:12 Uhr

Florian Kohfeldt sitzt bei Werder Bremen scheinbar noch fest im Sattel.
Image: Florian Kohfeldt sitzt bei Werder Bremen scheinbar noch fest im Sattel. © Getty

Werder Bremen taumelt in der Bundesliga immer weiter dem Abstieg entgegen. Am Samstag trifft man in der Bundesliga auf Borussia Dortmund - die Mannschaft, gegen die es im DFB-Pokal den einzigen Lichtblick seit Wochen gab. Doch der Schein trügt.

BVB! Besiegen! Verbessern! Berappeln! Die Initialzündung vor zwei Wochen sollte das Fanal sein - nach innen und nach außen. Wir sind wieder da. Wir sind wieder Werder! Der Schuss ging nach hinten los - der vermeintliche Pokal-Turbo gegen Dortmund entpuppte sich im Liga-Realitäts-Check gegen Aufsteiger Union Berlin als Rohrkrepierer.

Der freie Fall der Grün-Weißen hat seither erheblich an Geschwindigkeit zugelegt. Das Gute: Am Samstag gibt's gegen die Borussia eine neue Chance, mit einem Favoritensturz das zerkratzte Ego aufzupolieren. Das Schlechte: Die Voraussetzungen sind nicht vergleichbar, der Hoffnungsschimmer ist entsprechend trügerisch.

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DFB-Pokal, Achtelfinale: In der Liga die Mannschaft der Stunde, im Pokal aus allen Träumen gerissen: Borussia Dortmund hat sich bei Werder Bremen einen völlig unerwarteten Ausrutscher geleistet.

Pokal-Erfolg trügt

Das liegt vor allem an zwei Komponenten. Florian Kohfeldt hatte es hervorragend verstanden, die Pokalaufgabe als Einzel-Phänomen zu etikettieren. Frei von allem Liga-Frust, angefüllt mit Jetzt-erst-recht-Mentalität, Funkenflüge zwischen der schuldbewussten Mannschaft und dem ausgehungerten Bremer Publikum. Ein Ping-Pong-Feuerwerk mit drei Krachern. Kohfeldts Siegerfaust. Erleichterung. Hoffnung. Es geht doch.

Die zweite Zutat zur mutmaßlichen Bremer Auferstehungsparty war der Auftritt des BVB. Überwiegend schlampig und uninspiriert hatte Lucien Favres Team offenbar angestrebt, im Autopiloten-Modus mit Minimalaufwand in die nächste Runde zu gleiten - nicht zuletzt auch befeuert durch die Startelf, die der Trainer nominiert hatte. Den Fehler, Erling Haaland auf der Bank zu parken, wird Favre mit höchster Wahrscheinlichkeit kein zweites Mal begehen.

Droht gegen Dortmund ein Fiasko?

Werder muss also mit dem Schlimmsten rechnen: der vollen BVB-Kapelle, die überdies beim Prestige-Duell gegen Paris mit Ex-Trainer Thomas Tuchel eine ganze Menge fürs Selbstwertgefühl getan hat. Die saftige Schelte nach der Schlappe im Pokal dürfte den Wiedergutmachungsantrieb des Starensembles zudem massiv angekurbelt haben. Droht den Bremern also ein Fiasko? Gewiss nicht gänzlich auszuschließen!

Was das für Florian Kohfeldt bedeuten würden, ist deshalb so schwer zu prognostizieren, weil die Werder-Bosse weiterhin den Eindruck vermitteln, als würden sie sich beharrlich weigern, das ultimative Szenario zumindest gedanklich durchzuspielen. Frank Baumann & Co tun das derart kraftvoll, dass man fast glauben könnte, sie hätten tatsächlich keinen Plan B. Als wäre es wirklich eine Option, mit Kohfeldt in die 2. Liga zu gehen.

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Werder hält noch an Kohfeldt fest

Die Sprachregelung lautet weiterhin: Wir schaffen gemeinsam den Klassenerhalt. Die Begründungen für die Erfolgsaussichten werden allerdings durch ständiges Wiederholen nicht gehaltvoller. Kohfeldts gute Trainingsarbeit, Kohfeldts starke Ansprache, Kohfeldts rosige Zukunftsperspektive. Er ist halt der Richtige. Weil er unbedingt der Richtige sein soll. Weil er auf das romantische Bremer-Nostalgie-Konto der prägenden Trainerepochen einzahlt. Rehhagel. Schaaf. Kohfeldt?

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Man habe ja noch 12 Spiele Zeit, sagen sie in Bremen. Eure Zeit läuft ab, mahnen die kritischen Geister aus dem Umfeld. Und sehr wohl auch aus der Anhängerschaft. Das Online-Portal Deichstube, Netzableger der Intensiv-Berichterstatter der Syker Kreiszeitung, hat seine User unlängst mit der Kardinalfrage konfrontiert: Ist Kohfeldt noch der Richtige für Werder?

Noch vor wenigen Wochen hätten die geschätzten Kollegen es womöglich als Gedanken aus Absurdistan abgetan, eine solche Umfrage überhaupt in Erwägung zu ziehen. Das Votum wäre wohl erdrutschartig zu Kohfeldts Gunsten ausgefallen. Das aktuelle Ergebnis der Erhebung: 54,49 Prozent pro Kohfeldt. 45,15 Prozent haben das Vertrauen in den Trainer verloren. Angesichts der Express-Talfahrt immer noch ein überraschend positiver Wert. Und doch wird deutlich: Der Rückhalt bröckelt. Ein Befreiungsschlag muss her. Gegen Dortmund? Zumindest zweifelhaft.

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund ab 15:15 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga 2 HD.

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