Kuranyi-Interview: Das macht Wagner besser als Favre

Der ehemalige Bundesliga-Profi im Interview mit skysport.de

Kevin Kuranyi spielte von 2005 bis 2010 für Schalke 04.
Image: Kevin Kuranyi spielte von 2005 bis 2010 für Schalke 04.  © Imago

Ex-Schalke-Profi Kevin Kuranyi spricht im Exklusiv-Interview mit skysport.de über das anstehende Revierderby und erklärt, warum BVB-Trainer Lucien Favre nicht nach Dortmund passt.

Sky Sport: "Herr Kuranyi, Sie haben zusammen mit Olaf Thon und Klaus Fischer die meisten Derby-Tore für Schalke erzielt. Sind Sie stolz darauf?"

Kevin Kuranyi: "Natürlich ist man stolz auf so etwas. Es war für mich immer etwas Besonderes, gegen Dortmund zu gewinnen oder im Derby ein Tor zu schießen. In meinem ersten Derby habe ich gleich zwei Tore geschossen. Das war schon geil. Ich habe gedacht: Jetzt bist du auf Schalke angekommen."

Ich finde, Favre passt nicht nach Dortmund.
Kuranyi

Sky Sport: "Wird man nach so einem Spiel von den Fans besonders behandelt, also auch im Alltagsleben?"

Kuranyi: "Ich habe beim Bäcker die Brötchen umsonst bekommen und musste an der Tankstelle nicht bezahlen (lacht). Nein, im Ernst: Man wird einfach beglückwünscht, aber die Euphorie hält länger an als nach anderen Spielen."

Sky Sport: "Die Menschen im Ruhrgebiet sind sehr offen und direkt. Haben Sie sich in Ihrer Zeit auf Schalke erst daran gewöhnen müssen?"

Kuranyi: "Natürlich, es war am Anfang nicht einfach für mich auf Schalke. Ich hatte einen schweren Stand, auch weil ich in die Fußstapfen von Ebbe Sand treten musste, einer Schalke-Legende, der auch bei den Fans sehr beliebt war. Irgendwann habe ich die Mentalität und die Menschen dort kennengelernt. Ich habe versucht, genauso offen zu sein wie die Menschen und den Fans näher zu sein, als ich es bei anderen Vereinen war. Das hat sehr geholfen."

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Sky Sport: "Es sieht so aus, als wäre ein Lucien Favre in Dortmund noch nicht mit den Fans warm geworden. Wie beurteilen Sie die Situation des Schweizers beim BVB?"

Kuranyi: "Ich finde, Favre passt nicht nach Dortmund. Er ist ein zurückhaltender Typ und will in Ruhe arbeiten, aber das geht in einem Ruhrgebietsverein wie Dortmund nicht. Er hat gute Ideen, aber man muss sich den Leuten öffnen und sie mitnehmen. Ich bin ein Fan von Favre, aber er sollte versuchen, sich etwas mehr an die Fans anzupassen."

Sky Sport: "David Wagner hatte auf Schalke keinerlei Anpassungsschwierigkeiten. Und das nicht nur, weil er dort schon als Spieler aktiv war. Wagner kommt gut bei den Leuten an und schafft es, alle mit ins Boot zu nehmen. Ist es das, was man auf Schalke braucht?"

Kuranyi: "Auf jeden Fall. Die Nähe zu den Fans ist dort sehr wichtig. Wenn jemand das Ruhrgebiet kennt, hat er es noch leichter."

Wenn der BVB das Derby verlieren sollte, wird Favres Stuhl wahrscheinlich wackeln.
Kuranyi

Sky Sport: "Da verzeiht man ihm auch, dass er mal in Dortmund gearbeitet hat, oder?"

Kuranyi: "Ja klar. Trotz aller Rivalität zwischen den Vereinen, denn die Fans und der Verein haben großen Respekt davor, dass er sich so schnell eingelebt und die Mannschaft so schnell in den Griff bekommen hat."

Sky Sport: "Haben Sie noch Kontakt nach Schalke?"

Kuranyi: "Ja, ich habe noch guten Kontakt und weiß, was im Hintergrund passiert. Der Verein hat letztes Jahr sehr viele Turbulenzen durchlebt. In der Bundesliga blieb der Erfolg aus, in Europa ist Schalke nicht vertreten. Dieses Jahr wurde versucht, alles wieder neu aufzubauen. Von den Spielern bis hin zur sportlichen Führung."

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Der ehemalige Nationalstürmer Kevin Kuranyi nennt Gründe, warum die 'Ehe' zwischen Lucien Favre und dem BVB nicht optimal ist.

Sky Sport: "Welche Rolle spielt dabei Sportvorstand Jochen Schneider?"

Kuranyi: "Eine sehr große. Er hat die großen Entscheidungen zu fällen, er hat einen neuen Trainer und neue Mitarbeiter installiert, die Ruhe in den Verein bringen sollen. Wie es aussieht, macht er seine Sache sehr gut."

Sky Sport: "Die Mannschaft wurde gar nicht groß verändert. Wie ist es zu erklären, dass sie ganz anders auftritt?"

Kuranyi: "Durch die Entscheidung für einen Trainer, der zum Verein passt. Der mit wenigen Investitionen die Mannschaft in die Spur bekommt. Das macht David Wagner sehr gut."

Sky Sport: "Welche Bedeutung hätte eine Derby-Niederlage für Favre?"

Kuranyi: "Dortmund und Favre haben viel mehr Druck. Wenn der BVB das Derby verlieren sollte, wird Favres Stuhl wahrscheinlich wackeln."

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Sky Sport: "Andererseits kann man mit einem Derbysieg auf einen Schlag viel wieder gutmachen…"

Kuranyi: "Auf jeden Fall. Ein Sieg im Derby kann helfen, neue Kraft zu schöpfen und auch die Spiele danach zu gewinnen."

Sky Sport: "Sie haben auf Schalke Höhen und Tiefen durchlebt. Sie waren Derbyheld, aber auch Sündenbock. Teilweise wurde Sie von den eigenen Fans übel ausgepfiffen. Wie sind Sie damit umgegangen?"

Kuranyi: "Es war schon immer so, dass man bei Misserfolg in eine schwierige Situation kommt. Dann werden auch mal Spieler ausgepickt. Für mich war es immer ganz wichtig, für die Mannschaft Verantwortung zu übernehmen. Wenn der Erfolg da ist, stehen die Fans hinter einem. Bei Misserfolg muss man eben die Brust breit machen und versuchen, die Sache auszuhalten. Das gehört zum Fußball dazu. Danach kamen auch wieder gute Zeiten, deswegen hat es mir nicht viel ausgemacht."

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Sky Sport: "Die Kritik an Ihnen ging auch ins Persönliche. Da ging es um die gegelten Haare, den akkurat gestutzten Bart."

Kuranyi: "So etwas passiert immer wieder und wird teilweise auch durch die Medien gepusht, weil es sich dann besser verkauft. Klar war ich sauer und habe so etwas nicht gerne gehört, aber ich habe versucht, mit Leistung auf dem Platz die Fans wieder auf meine Seite zu bringen. Am Ende meiner fünf Jahre auf Schalke habe ich gemerkt, wie sehr die Fans mich respektiert haben. Das war für mich ein wichtiges Zeichen."

Das Interview führte Thorsten Mesch

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