Lahm: Mehr Brandstifter als EM-Botschafter

Kommentar zur Rolle von Philipp Lahm

Alexander Bonengel kommentiert das Auftreten von Philipp Lahm als EM-Botschafter und seine Kritik an Joachim Löw.
Image: Alexander Bonengel kommentiert das Auftreten von Philipp Lahm als EM-Botschafter und seine Kritik an Joachim Löw.  © Getty

Philipp Lahm ist EM-Botschafter. Einer der besonderen Art. Denn offenbar legt er keinen großen Wert darauf, dass seine Botschaft gesehen oder gehört werden kann.

So geschehen in Frankfurt am Main beim vierten "International Football Summit", einer Veranstaltung, in der einmal im Jahr Themen rund um den Fußball diskutiert werden, in der Medien, Wirtschaft und der Fußball zusammenkommen.

Philipp Lahm war Stargast des Tages. Als solcher hat er Bedingungen gestellt: Ton- und Bildmitschnitte seines Talk-Auftritts auf der Bühne hat er im Vorfeld untersagen lassen. Zudem hat er kategorisch ausgeschlossen, mit den anwesenden Medienvertretern zu sprechen. So etwas macht das Botschaften natürlich schwierig.

Lahm ein Botschafter ohne Botschaft

Sein Thema an diesem Tag lautete übrigens "The career after the career - über Führung in Sport und Wirtschaft". Natürlich aber kommt man an dem EM-Botschafter Thema nicht vorbei: Deutschland sei gut gerüstet für die Vergabe der EM-Endrunde, lässt er sich zitieren. Soweit die Botschaft. Genauso gut hätte er eigentlich auch gar nichts sagen können.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Löw setzt auf bewährte Spielweise mit kleinen Veränderungen

Stattdessen erfahren wir viel über Lahm, den Erfolgsmenschen, Lahm, den Unternehmer. Seine Leistungen und Erfolge verdienen Respekt, keine Frage. Doch Lahm ist EM-Botschafter. Es war ein öffentlicher Auftritt. Eine Lichtgestalt wie er hat die große Chance und die Macht, in den Unternehmungen des zur Zeit nicht nur imagemäßig stark ramponierten Deutschen Fußball-Bundes für positive "Vibes" zu sorgen. Chance verpasst...

Lahm fällt durch Löw-Kritik auf

Denn denke ich an ein Gesicht der deutschen EM-Bewerbung, sehe ich immer noch keinen Lahm. Mir kommt nach wie vor Reinhard Grindel in den Sinn, bei seinen Bemühungen, die diversen Scherbenhaufen, die er selbst hinterlassen hat, hinter sich aufzukehren. Bei Philipp Lahm wirkt für mich vor allem sein Rundumschlag gegen Bundestrainer Joachim Löw nach, den er auf seiner persönlichen LinkedIn-Seite zu einer Zeit verfasste, als Löw am Verwundbarsten war. So bleibt der EM-Botschafter bislang nicht zuletzt als Brandstifter in Erinnerung.

Nach Lahm-Kritik: Hummels verteidigt Löw
Nach Lahm-Kritik: Hummels verteidigt Löw

Für Abwehrchef Mats Hummels hat Bundestrainer Joachim Löw nach dem WM-Debakel "auf keinen Fall" an Autorität verloren.

Philipp Lahm war ohne Zweifel ein Weltklasse-Fußballer. Als Botschafter war er bisher aber vor allem der Botschafter von Philipp Lahm - daran scheint sich nichts geändert zu haben.

Mehr dazu

Beispiel an Cacau nehmen

Womöglich ist die Botschafter-Rolle noch zu groß. Vielleicht muss er noch hineinwachsen. Wie es gehen kann, zeigt sein Ex-Nationalmannschaftskollege Cacau, der als Integrationsbotschafter während der hitzigen Özil/Erdogan-Debatte keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen ist und dabei auch die ein oder andere Schramme in Kauf genommen hat.