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Lasogga im exklusiven Interview zum HSV, Terodde

Lasogga glaubt an HSV-Aufstieg und vermisst den Regen

Sky Sport

16.01.2021 | 12:34 Uhr

4:30
Ex-HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga spricht mit Sky Sport exklusiv über seinen ehemaligen Verein und dessen Aufstiegschancen sowie über Simon Terodde (Videolänge: 4:30 Min.).

Pierre-Michel Lasogga läuft seit Juli 2019 in Katar für den Erstligisten Al-Arabi auf. Im Interview mit Sky Sport spricht er über sein Leben in Doha, aber auch über seinen Ex-Klub Hamburger SV sowie über den neuen HSV-Torjäger Simon Terodde.

Sky Sport: Herr Lasogga, wie geht's Ihnen? Wie eingeschränkt ist das Leben in Doha aktuell aufgrund der Pandemie?

Pierre-Michel Lasogga: Mir geht's gut, uns als Familie geht's hervorragend. Die Umstände sind wie überall auf der Welt durch das Virus verändert, allerdings ist in Katar ein relativ normales Leben möglich. Die Geschäfte und Restaurants haben geöffnet, es herrscht Maskenpflicht. Was schade ist: Wir dürfen das Land nicht ohne Weiteres verlassen und aufgrund der Beschränkungen auch keinen Besuch erhalten.

Sky Sport: Was sind die größten Unterschiede auf das Leben bezogen zwischen Deutschland und Katar?

Lasogga: Das Wetter ist der größte und auffälligste Unterschied, speziell der Sommer. Das ist kein Vergleich zu Deutschland, hier sind zeitweise 50 Grad, deswegen spielt sich in den Sommermonaten das Leben auch vorwiegend drinnen ab. Die Wintermonate hingegen sind sehr angenehm.

Katar ist ein Land was sich gerade neu erfindet, mit Blick auf die WM wird viel gebaut und erneuert. Es befindet sich vieles in der Entstehungsphase, das kennen wir aus Deutschland nicht so extrem, da wir die Infrastruktur weitestgehend schon haben. Vor Kurzem ist hier beispielsweise die Metrostation fertig geworden. Damit die Zuschauer bei der WM zu den Stadien gelangen. Die Strecken sind so konzipiert, dass die Fans auch mehrere Spiele an einem Tag sehen können.

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Sky Sport: Fußball wird ja auch bei Ihnen gespielt: Sind Zuschauer wieder in den Stadien erlaubt oder wie läuft es vor Ort ab?

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Lasogga: Aktuell sind wieder Zuschauer zugelassen. Es ist zwar nur eine gewisse Anzahl erlaubt, aber es zeigt, dass die Maßnahmen ihren Sinn und Zweck erfüllt haben.

Sky Sport: Sie haben in Deutschland gespielt, waren in England aktiv - oft vor ausverkauften Rängen - war das für Sie in Katar zu Beginn eine Art Kulturschock?

Lasogga: Um ehrlich zu sein, ja. Es ist ein großer Unterschied zu Beginn. Das Zusammenspiel zwischen Fans und Spielern habe ich immer geliebt - in negativer und positiver Form. Alles was von den Rängen übertragen wird, hat mich immer gepusht. Ich war aber genauso überrascht, wie schnell man sich daran gewöhnt, nur noch vor 1500 Zuschauern aufzulaufen, obwohl ich zehn Jahre lang volle Stadien als Normalität empfunden habe. Beim Spiel konzentriere ich mich dennoch ausschließlich auf den Fußball. Ich habe ich denselben Spaß und auch meine Tore feiere ich genauso ausgelassen wie früher.

Sky Sport: In der ersten Saison haben Sie sieben Tore erzielt, zuletzt haben Sie kaum gespielt: Woran lag das?

Lasogga: Ich hatte eine Fußverletzung, die mich zurückgeworfen hat. Mittlerweile bin ich aber wieder voll im Training. Dazu kam eine Umstrukturierung im Verein. Die Ausländerplätze wurden ausgetauscht. Das ist legitim und nicht ungewöhnlich in Katar. Es ist im Moment sicherlich nicht die beste Situation, aber ich habe noch einen gültigen Vertrag bis 2022, mal schauen, was in den nächsten Wochen passiert.

Sky Sport: Sie sind ein sehr emotionaler Fußballer, wie gehen Sie mit diesem Zustand um?

Lasogga: Vielleicht würde es mir guttun, wenn ich manchmal gelassener wäre, aber ich bin einfach ein Vollblut-Fußballer. Jeder. der mich kennt, weiß, wofür ich stehe. Meine Motivation für den Fußball ist riesig, deswegen ist es natürlich auch unbefriedigend, wenn man in so einer Situation steckt.

Ich bin einfach ein Vollblut-Fußballer.
Pierre-Michel Lasogga.

Sky Sport: Wie würden Sie das Abenteuer Katar bisher beurteilen?

Lasogga: Das war absolut der richtige Schritt, unabhängig vom Sport fühlen wir uns als Familie hier pudelwohl. Katar ist eines der sichersten Länder und für Eltern absolut beruhigend. Das Leben in Doha ist erstrebenswert, ich kann jedem nur empfehlen. das Land einmal zu besuchen - es ist eine Reise wert.

1:20
Ex-HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga spricht mit Sky Sport exklusiv über sein Leben in Katar und verrät, wie es seiner Familie und ihm im Emirat geht (Videolänge: 1:20 Min.).

Sky Sport: Was entgegnen Sie Kritikern, die behaupten Sie hätten Ihre Karriere zu früh für Geld geopfert?

Lasogga: Kritiker wird es immer geben, egal zu welchem Club ich gegangen wäre. Für mich war es der richtige Schritt, ich wollte behilflich sein, hier sportlich etwas zu entwickeln, das hatte Priorität.

Das finanzielle spielt natürlich auch eine Rolle. Fußballspielen ist und bleibt für mich eine Herzensangelegenheit, denn ich kicke seit ich drei Jahre alt bin. Aber wenn Du Profi wirst, ist es auch gleichzeitig dein Job, deine Art Geld zu verdienen - und das ist nicht verwerflich.

Und zum Thema Karriere-Opfern: Es liegt immer an einem selber, den Beruf bestmöglich auszuüben. Ich bin weiterhin mit Leib und Seele dabei, schiebe Zusatzschichten und das werde ich auch immer so weiterführen - unabhängig davon, in welchem Land ich Fußball spiele.

23:50
Ex-HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga spricht mit Sky Sport exklusiv über sein Leben in Katar, seine Zukunft, den HSV und Simon Terodde (Videolänge: 23:50 Min.).

Sky Sport: Wie sehr vermissen Sie Deutschland und speziell auch den HSV?

Lasogga: Natürlich vermisse ich mein Heimatland, leider Gottes war ich schon länger nicht mehr in Deutschland. Und ob Sie es glauben oder nicht: den ein oder anderen Regenschauer vermisse ich mittlerweile auch.

Den HSV verfolge ich natürlich weiterhin und schaue so viele Spiele wie möglich. Hoffentlich schaffen sie dieses Jahr endlich den Aufstieg, dieser Club gehört einfach in die Bundesliga. Trotzdem ist es nach den vielen turbulenten Jahren auch ganz gut, ein bisschen Abstand gewonnen zu haben.

Sky Sport: Samstag spielt der HSV in Nürnberg. 2013 haben Sie dort beim 5:0-Sieg einen Dreierpack geschnürt: Welche Erinnerungen haben Sie noch an dieses Spiel?

Lasogga: Es war der erste Bundesliga-Hattrick in meiner Karriere, deswegen werde ich diesen Tag in meinem Leben auch nie vergessen.

Die Entstehung der Tore kann ich mir immer recht gut merken. Mein erstes Tor kam nach einer super Vorlage von Rafael van der Vaart. Ich habe den Ball mitgenommen, abgezogen und links unten versenkt. Das zweite Tor fiel nach einer Ecke, auch nach Vorarbeit von van der Vaart und noch verlängert von Jona Tah. Da stand ich goldrichtig und habe eingedrückt, und das dritte Tor war ein Bock des Nürnberger Verteidigers. Ich dachte, da ziehst du mal aus 30 Metern ab, hatte an diesem Tage jenes Glück, was man sich wünschen kann. Der Ball ging vom Innenpfosten noch rein. Es war eines der schönsten Spiele für mich beim HSV.

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Sky Sport: Schafft der HSV dieses Jahr den Aufstieg?

Lasogga: Wenn ich die Spiele beobachte, fällt mir auf, dass es eine sehr ausgeglichene Liga ist. Dennoch denke ich, dass es der HSV dieses Jahr packen wird. Ich kenne ja auch Simon Terodde, er ist eine absolute Tormaschine. Ich wünsche ihm nur das Beste und dass er dem HSV hilft, wieder erstklassig zu werden. Im Moment macht er einen Riesenjob und ich glaube, deswegen geht der HSV hoch.

Sky Sport: Terodde wird oft nachgesagt, er sei nur für die 2. Liga tauglich..

Lasogga: Ich habe vor Kurzem gelesen, er sei sehr stolz und zufrieden mit seiner Karriere. Kritiker werden nie verstummen und es gehört auch dazu, dass es im Fußball unterschiedliche Sichtweisen gibt. Aber ich glaube, sein persönliches Empfinden ist das wichtigste. Solange man selber glücklich und zufrieden ist, sind andere Meinungen nicht unbedingt relevant. Simon hat seine Qualität über Jahre bewiesen.

2:08
Ex-HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga spricht mit Sky Sport exklusiv über seine Zukunft und ob er evtl. nach Deutschland zurückkehren würde (Videolänge: 2:08 Min.).

Sky Sport: Wie sehen denn ihre Pläne aus, wollen Sie nochmal zurück nach Deutschland?

Lasogga: Grundsätzlich bin ich für alles offen, aber ich besitze hier noch einen laufenden Vertrag bis 2022, danach muss man sehen, was passiert. Aber um die Frage von Ihnen noch mal aufzugreifen: Habe ich meine Karriere zu früh an den Nagel gehängt? Die Antwort lautet: nein.

Denn wenn es irgendwann noch mal gute Möglichkeiten gibt in Europa zu spielen, bin ich sicherlich dafür aufgeschlossen. Dafür arbeite ich hart an mir, lasse mich nicht hängen, denn wenn diese Chance noch mal käme, will ich ready sein. Das ist für mich entscheidend. Ich würde es den Leuten gerne zeigen, noch einmal zurückzukommen. Auch wenn die Liga in Katar nicht das gleiche Niveau besitzt wie in vielen Liga Europas.

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Sky Sport: Was haben Sie aus diesem Engagement bisher lernen können?

Lasogga: Ich habe gelernt: Fußball ist Fußball, egal in welchem Land. Es geht vielmehr darum, wie man es angeht. Ich könnte mir das Leben auch ganz leicht machen: heute mal am Strand liegen, Training mit halber Kraft und danach noch entspannt was essen gehen.

Aber wenn der Fußball in dir steckt, wenn du den Fußball liebst, dann willst du auch das Bestmögliche geben und aus Dir rausholen, unabhängig davon, ob du in England, Deutschland oder Katar spielst. Der Anspruch an sich selbst muss vorhanden sein, das habe ich für mich gelernt.

Und ich schätze ich auch ein Stück weit an mir selber, dass ich den Fußball in dieser Form respektiere. Fußball ist eine wunderschöne Sache, die Menschen zusammenbringt. In Doha habe ich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, das will ich nicht missen, deswegen ist es schön, diesen Schritt gegangen zu sein.

Das Interview führte Jurek Rohberg

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