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Lothar Matthäus über Jürgen Klopp, Joshua Kimmich und die Stürmer im DFB-Team

Lothar Matthäus nennt in seiner Kolumne einige Gewinner der ersten vier Länderspiele unter Jürgen Klopp. Der Sky Sport Experte erklärt, warum auch für Joshua Kimmich das Leistungsprinzip gilt, nimmt den DFB-Kapitän aber gegen Kritik in Schutz.

Die Kolumne von Sky Experte Lothar Matthäus.
Image: Die Kolumne von Sky Sport Experte Lothar Matthäus.  © Sky

Matthäus nimmt auch Stellung zur Situation im deutschen Sturm und warnt davor, in der Vergangenheit begangene Fehler zu wiederholen.

Die ersten vier Spiele unter Jürgen Klopp liegen hinter uns. Zu den Gewinnern gehörte Philipp Treu, der dreimal als Rechtsverteidiger in der Anfangsformation stand und seine Aufgaben ordentlich erledigt hat. Man hat aber auch gesehen, woran er gegen körperlich starke Gegenspieler noch arbeiten muss.

Links vorne hat Derry Scherhant Eigenwerbung betrieben, besonders in der ersten Halbzeit in Griechenland. Auf dieser Position haben wir viele Möglichkeiten mit Scherhant, Kevin Schade und Said El Mala. Wir haben auch Florian Wirtz, der über links anfangen kann - vielleicht irgendwann wieder in einer Kombination mit Jamal Musiala, der hoffentlich in den nächsten Spielen wieder fit sein wird.

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Jürgen Klopp kontert die Meinungen von vor einigen Monaten, dass die deutsche Nationalmannschaft kein Talent habe. Der Bundestrainer sieht Makel bei seinen Spielern, aber die betreffen auf keinen Fall ihr Talent.

Die Nuancen im Angriff muss man sich erarbeiten

Im November kann es zum Abschluss der Nations-League-Gruppenphase gegen die Niederlande zu einem Endspiel um den Einzug ins Viertelfinale kommen.

Die deutsche Nationalmannschaft hat in vier Spielen fünf Punkte geholt und insgesamt nur drei Tore erzielt. Gegen Serbien war die Chancenverwertung schlecht, in Griechenland hatten wir viele Strafraumaktionen, aber häufig kam der letzte Ball nicht präzise genug, die Abschlüsse waren oftmals unkonzentriert und überhastet. Es haben Nuancen gefehlt, aber diese Nuancen muss man sich erarbeiten.

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Ich würde niemanden abschreiben

Jürgen Klopp hat im RTL-Interview gesagt, dass die Türen für niemanden zu sind und auch für Spieler, die jetzt nicht dabei waren, sperrangelweit offen sind. Der Bundestrainer hat sicherlich noch den einen oder anderen Namen auf seiner Liste.

Für mich ist Kai Havertz auf der Mittelstürmerposition gesetzt, auch wenn er kein richtiger Neuner ist. Er hat aber für Arsenal und in der Nationalmannschaft seine Tore geschossen.

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Deniz Undav, Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst waren dieses Mal nicht dabei, ich würde aber niemanden abschreiben. Es kommt immer darauf an, wer fit ist und wer sich mit guten Leistungen aufdrängt. Wenn sich jemand über Leistung anbietet, wird Klopp bestimmt nicht den Fehler machen, diesen Spieler nicht zu nominieren.

Deutschland darf Talente wie Tresoldi nicht verlieren

Wir haben viele Talente mit ausländischen Wurzeln, die in Deutschland ausgebildet wurden, wie die U-21-Stürmer Dzenan Pejcinovic und Nicolo Tresoldi. Wir sollten aufpassen, dass wir diese Spieler nicht an andere Nationen verlieren, wie es in der Vergangenheit zum Beispiel bei Kenan Yildiz oder Can Uzun geschehen ist.

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Jürgen Klopp verrät schon eine Sache über den nächsten DFB-Kader: Er wird kleiner sein. Der Bundestrainer muss sich jetzt der Aufgabe stellen den 44-Mann-Kader bis November zu reduzieren.

Konkurrenzkampf auf allen Positionen

Vor den nächsten Länderspielen muss Klopp seinen Kader verkleinern und dabei einen Stamm von 15 bis 17 Spielern finden, auf die er setzt.

Der Bundestrainer schürt den Konkurrenzkampf auf allen Positionen. Jeder will spielen, nicht nur in der Nationalmannschaft, sondern vor allem auch für Klopp. Das hat man in den letzten vier Spielen gemerkt. Klopp hält alle bei Laune, die Spieler wissen, dass sie ihm vertrauen können.

Auch Kimmich hat keinen Freifahrtschein

Der Bundestrainer hat auch klar gesagt, dass Joshua Kimmich sein Kapitän ist. Aber einen Freifahrtschein hat auch Kimmich nicht. Er hat wie Undav auch keinen Puffer. Das Leistungsprinzip zählt für alle, und wenn Kimmich nicht so performt, wie Klopp es sich für seinen Spielstil vorstellt, hat er in Aleksandar Pavlovic, der gegen Serbien und in Griechenland zu den Besten gehörte, aus den Reihen des FC Bayern einen großen Herausforderer.

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Urbig als Herausforderer von ter Stegen

Es gibt überall Herausforderer, auch auf der Torwartposition. Klopp hat nicht gesagt, dass Marc-Andre ter Stegen jedes Spiel macht. Das muss ein Trainer auch nicht machen. Wenn er sagen würde, ter Stegen ist bis zur WM 2030 sein Stammtorwart, was wäre das denn für eine Motivation für die anderen Torhüter? Allein die Leistung entscheidet, und wenn ter Stegen fünfmal am Ball vorbei greifen würde, würden Jonas Urbig und Alexander Nübel bereitstehen.

Kimmich ist bei Bayern und beim DFB nicht wegzudenken

Genauso ist es auf Kimmichs Position. Kimmich geht als Kapitän mit seiner Erfahrung - und vor allem mit seiner Leistung voran. Ich weiß gar nicht, warum über Kimmich diskutiert wird.

Kimmich spielt bei Bayern gut und war für mich gegen die Niederlande der beste deutsche Spieler. Manche kritisieren, Kimmich spiele den Ball zu häufig quer und zurück. Aber wo hat denn ein Bastian Schweinsteiger früher die Bälle hin gespielt? Der hatte 180 Ballkontakte im Mittelfeld, aber nach vorne ist in Bayerns damaligem Tiki-Taka-Spiel auch häufig nichts gegangen.

Kimmich spielt nicht nur quer oder nach hinten, sondern sorgt mit seinen Chipbällen auch vorne für Gefahr. Im Verein und in der Nationalmannschaft. Kimmich ist beim FC Bayern und im DFB-Team nicht wegzudenken.

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