Marc Oliver Kempf von Como 1907 im Interview über Fabregas, Hertha und die Champions League
Zu Besuch bei Marc Oliver Kempf in Como: Die Ausstrahlung der Comorella-Story auf Sky Sport News am Freitag, um 17:15 Uhr und anschließend jederzeit auf Abruf auf skysport.de.
31.07.2026 | 14:56 Uhr
Marc Oliver Kempf wechselte 2024 von Hertha BSC zu Como 1907 - ein Wechsel mit Erfolg. In der neuen Saison spielt der deutsche Abwehrspieler in der Champions League.
Marc Oliver Kempf über ...
… seinen Wechsel nach Como: "Wer mich so ein bisschen verfolgt hat, weiß, dass gerade meine Anfangszeit in Berlin nicht unbedingt die prickelndste war, sportlich, aber auch privat. Als die Chance aufgekommen ist, nach Como zu gehen, war der Hauptaspekt natürlich, aus einem Umfeld herauszukommen, in dem es lange Zeit nicht so gut lief. Und natürlich auch zu wissen, okay, da ist ein echt schönes Fleckchen Erde um dich herum. Aber es war vor allem der Wunsch danach, einen Neuanfang zu wagen und auch die Chance auf einen Neuanfang zu bekommen."
… die verlorene Freude am Fußball und seine Gedanken, nach Como zu wechseln: "Generell war die Gesamtsituation in Berlin für mich so, dass ich mit dem Wechsel die Hoffnung verbunden habe, wieder viel mehr Spaß am Fußball zu entwickeln. Der ist über die Zeit dann doch ein Stück weit in den Hintergrund gerückt. […] Ich bin ohne große Erwartungen hierhergekommen. Für mich war einfach das Hauptding, wieder mehr Spaß oder mehr Freude an dem zu entwickeln, was ich mache. Ja, es ist dann natürlich von Anfang an, so sagt man, in eine Richtung gelaufen. Hätte ich jetzt auch nicht erwarten können. Klar, die Zeichen standen gut, was den Klub Como angeht und auch das Projekt, das sie über die Jahre verfolgen. Aber es ist ja nie eine Garantie, dass gute Ideen auch wirklich in die Tat umgesetzt werden können. Oder auch dann so laufen. Ja, ich habe mein internationales Debüt damals, glaube ich, mit 18 für Frankfurt gemacht. Das sind ein paar Jahre vergangen. Und deswegen freue ich mich unheimlich, jetzt wieder auf einer europäischen Bühne stehen zu dürfen."
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… sein neues Leben in Italien: "Wie gesagt, ein Stück weit entspannter. Einfach sich die Zeit nehmen, Sachen zu genießen. Wenn man abends rausgeht, ist es extrem, wie spät und wie lange die Leute noch in der Stadt unterwegs sind. Wenn man um 23 Uhr draußen in der Stadt ist, weil man aus dem Restaurant nach Hause geht, hast du das Gefühl, wenn du es aus Deutschland kennst, ist es gerade 19 oder 20 Uhr am Abend, weil es wirklich noch so extrem voll ist. Aber wie gesagt, es ist einfach ein Stück weit mehr Quality Time, die du hier in Italien haben kannst."
… die sportlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Italien: "Der deutsche Fußball ist ein Stück weit wilder als der italienische. In Deutschland gibt es dann schon sehr viele Situationen, wo es Konter und Konter gibt. Das ist in Italien nicht so extrem. Du hast Mannschaften, die dann auch kontern wollen. Aber die machen nicht auf Biegen und Brechen jeden Angriff fertig. Wenn sie sehen, sie sind zwei gegen fünf in Unterzahl, dann wird vielleicht doch nochmal abgebrochen und auf Ballbesitz gespielt. Mir kommt das zugute. Gerade unser Fußball, wie wir spielen, mit viel Ballbesitz und hohem Pressing, ist ein Fußball, der extrem gut zu mir passt. Und ich fühle mich extrem wohl mit der Art und Weise, wie es bei uns vonstattengeht."
… sein erstes Gespräch mit Trainer und Weltstar Cesc Fabregas: "Das war eigentlich ganz witzig, weil es das erste Gespräch war, das ich auf Englisch führen musste. Mein Englisch ist über die Zeit zwar noch einmal ein bisschen besser geworden. Aber damals war es gutes Basis-Englisch, jetzt nicht extrem gut, aber schon okay. Ich habe zu meiner Frau gesagt, ich bin ein bisschen nervös, dieses Telefonat zu machen. Normalerweise haben die Spanier es zum Glück auch nicht so extrem mit Englisch. Das heißt, ich würde, glaube ich, gut wegkommen. Dann habe ich mit ihm das Telefonat gemacht. Das waren 20 oder 30 Minuten. Es ging darum, wie er mich sieht, was seine Philosophie und der Plan mit Como ist. Es war einfach ein gutes Gespräch. Danach habe ich aufgelegt und zu meiner Frau gesagt: Ich bin so doof, ich habe vergessen, dass er fast seine ganze Karriere in England gespielt hat und so gutes Englisch spricht. Aber ich glaube, ich bin ganz gut weggekommen. Das war im ersten Moment schon witzig."
… Cesc Fabregas als Trainer: "Natürlich hat er auch den Drang dazu, mal ein bisschen lauter zu werden, wenn es nicht so läuft, wie er sich das vorstellt. Glücklicherweise haben wir relativ viele Spiele gut umgesetzt. Aber sonst erwartet er extrem viel von uns. Er hat selbst sehr lange auf hohem Niveau gespielt, hat diese eigene Initiative, Erfolg zu haben, Erfolg vorzuleben und versucht uns damit immer wieder anzustecken und weiter nach vorne zu pushen, um den maximalen Erfolg zu erreichen."
… das Erfolgsgeheimnis von Como abseits der finanzstarken Investoren: "Ich glaube, wichtig ist, dass wir jetzt erstmal die nächste Saison vor Augen haben. Am besten natürlich den Champions-League-Platz bestätigen und auch in der Champions League eine ordentliche Rolle spielen können. Keiner von uns ist vom Kopf her so, dass wir sagen: 'Okay, wir gehen in die Champions League und schauen mal, was passiert.' Ich glaube, wir wollen trotzdem den maximalen Erfolg haben, auch wenn wir wissen, dass natürlich extrem gute Teams dabei sind. Ich glaube schon, dass der Klub immer weiter versucht, nach oben zu pushen. Und ich glaube auch, dass es gute Leute hinter der Mannschaft gibt, die wirklich viele Dinge richtig machen. Klar, am Ende redet jeder immer über das Geld, das Como zur Verfügung hat. Aber viele Klubs hatten schon viel Geld zur Verfügung und trotzdem hat es nicht funktioniert. Deswegen ist es immer ein Zusammenspiel aus klugen Entscheidungen, klugen Investments in Infrastruktur und den Kader. Da machen viele Leute sehr viel richtig."
… seine Zeit bei Hertha BSC: "Die Zeit in Berlin hat mich wirklich noch einmal geerdet und auch dazu beigetragen, gewisse Dinge mehr zu schätzen, wenn sie positiv laufen. Dass man das mehr aufsaugen kann, wenn man auch das genaue Gegenteil davon kennt und weiß, wie es andersherum sein kann. Jetzt genieße ich die Dinge einfach mehr. Auch das Drumherum hier, wo man nicht mehr so viel von der Medienwelt mitbekommt. Wenn ich mich nicht komplett damit beschäftige, verstehe ich auf Italienisch auch nicht alles. Dadurch lässt man sich deutlich weniger von schlechten Gedanken beeinflussen. Ich picke mir die positiven Sachen heraus und nehme das als Antrieb."
… die Möglichkeit, Champions League zu spielen: "Natürlich klar, Champions League, ich glaube, ein Traum von jedem Fußballer, irgendwann mal in der Champions League auflaufen zu dürfen. Bei mir hat es jetzt ein paar Jahre gedauert, aber dementsprechend bin ich jetzt umso glücklicher, dass es dann doch realisiert werden kann. […] Ich glaube, es ist einfach schön, die Gelegenheit zu haben, sich mit der Elite im europäischen Fußball zu messen. Klar ist es schön, wenn Mannschaften wie Real Madrid nach Como kommen. Mit den großen Namen. Aber im Großen und Ganzen gibt es mittlerweile so viele Top-Klubs. Es ist einfach schön, sich mit ihnen zu messen, sich nicht verstecken zu müssen und Paroli bieten zu können."
… seine Ziele in der ersten Champions-League-Saison: "Ich habe mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht über ein spezielles Ziel, aber ich denke, für uns persönlich wäre es auf jeden Fall schon eine echt starke Nummer, wenn wir uns für die K.o.-Phase qualifizieren können. Natürlich am besten über den direkten Weg, aber ich glaube, mit den ersten acht Teams ist es ein bisschen schwer. Aber wenn man da dann in diese Playoff-Spiele geht und da noch eine Runde weiterkommen kann, ist die wirkliche K.o.-Phase des Wettbewerbs schon eine extrem starke Nummer für uns."
… die außergewöhnliche Defensivleistung mit nur 29 Gegentoren in der vergangenen Saison (nur Arsenal kassierte im Vergleich der europäischen Topligen weniger): "Der Fokus liegt natürlich immer erst auf der Offensive. Ich weiß nicht, wer und wer hat so und so viele Tore gemacht und wie viele Assists gemacht. Es ist einfach immer schön, wenn man auch mal wirklich diese Anerkennung als Defensivspieler kriegt. Und auch so eine Bilanz am Ende hat. Ich glaube, das ist nicht selbstverständlich."
Das Interview führte Niklas Korzendorfer
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