Max Eberl bei Sky90: "Müssen hören und gemeinschaftlich Lösungen finden"
"Anders wird es nicht gehen": Eberl fordert gemeinsame Lösung
02.03.2020 | 17:55 Uhr
Nach den massiven Beleidigungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp blickt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bei Sky90 aus differenzierten Sichtweisen auf diese heikle Thematik.
Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach) ...
... über Kollektivstrafen: "Es gibt zwei Standpunkte. Die Fans haben ihren Standpunkt, dass sie sagen: 'Kollektivstrafen wollen wir nicht'. Und wir sagen: 'Wir wollen auch keine Kollektivstrafen.' Wir wollen keine Blöcke schließen. Aber wenn dann solche Dinge passieren, wie sie passieren, müssen wir irgendwann reagieren. Das sind zwei Standpunkte, die momentan unheimlich schwer zusammenzuführen sind. Irgendwann beißt sich die Katze in den Schwanz. Eine Folge wären zum Beispiel personalisierte Tickets. Das heißt aber wiederum: keine Stehplätze mehr. Das will man aber auch nicht. Wir müssen also schon gemeinschaftlich die Sache angehen. Es sieht momentan sehr, sehr schwierig aus, aber wir müssen die Thematik angehen. Und ich will sie auch angehen - mit allen Beteiligten, um das in ein gutes Fahrwasser zu bringen."
... über den Hass und die Diffamierung im Stadion und den Weg, Lösungen zu finden: "Wir sind groß geworden mit unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Religion. Wir hatten Schiedsrichter auch in den Jugendspielen. Wir mussten den Respekt lernen, wir mussten diesen Umgang lernen, sich trotzdem durchzusetzen, ein Stück weit Schimpf und Schande zu ertragen. Wir Fußballer sind so groß geworden, wir kennen das. Aber Hass, Diffamierung und Ausgrenzung - das kennen wir nicht und das wollen wir auch nicht. Wir lieben den Fußball genauso wie diese Gruppe, die gerade sagt: 'Wir sind die wahren Liebhaber des Fußballs.' Das kann nicht sein. Aber ich möchte keine Fronten aufbauen, weil es dann in Hass und Wut endet. Dann möchte ich nicht in die Stadien gucken. Wir müssen schon hören und versuchen, gemeinschaftlich Lösungen zu finden. Anders wird es nicht gehen. Wir müssen die Täter finden, da bin ich total bei Karl-Heinz Rummenigge.
... über die Täteridentifikation in Gladbach, wo es am 23. Spieltag beim Heimspiel gegen Hoffenheim ebenfalls zu Beleidigungen gegen Dietmar Hopp gekommen ist: "Wir sind weit. Wir versuchen Täter und bewusst Mittäter - also diejenigen, die die Fahnen halten; die, die sich in dem Umkreis bewegen und auch durchaus hätten reagieren können - zu finden. Gerade bei diesen wollen wir schon sagen: 'Die sind mit dabei. Wenn du uns nicht sagst, wer es war, bist du mit dabei. Weil du dann das vertrittst, was da gerade hochgehalten wird.' Da sind wir mit der Polizei und unserem Stadionbetrieb dabei. Dann wird es Gespräche geben und man muss auch hören und kann nicht wie in einer Diktatur sagen: 'Du und du warst dabei.' Aber man darf auch nicht mit der Walze durchfahren und sagen, dass alle schuld sind."
... über die Konsequenzen für die ermittelten Täter: "Diese Menschen wollen wir alle nicht mehr in den Stadien haben. Diese Leute schaden dem Fußball, schaden ihrer scheinbar großen Liebe und die wollen wir nicht mehr im Stadion haben. Natürlich würden wir deshalb Stadionverbote aussprechen. Was sonst noch möglich ist, weiß ich nicht. Da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner."
... über die Aussage von Rummenigge, man habe sich bislang weggeduckt: "Damit meint Karl-Heinz, dass man die Themen vielleicht nicht in der Ernsthaftigkeit betrachtet hat, die notwendig gewesen wäre. Ich kann nur für meinen Verein sprechen und ich kann sagen, dass wir, seitdem ich Sportdirektor bin, den Austausch mit den Fans haben - auch mit den Ultras. Da gab es gute und schlechten Zeiten. Wir haben auch in der Vergangenheit bereits Strafen ausgesprochen. Das gerade ist der Gipfel, den wir erleben. Ich wünsche mir und ich hoffe, dass diese Menschen, die ihren Protest nun kundgetan haben - in einer widerlichen Art und Weise - das jetzt auch spüren, dass das Maß erreicht ist und sich auch bereit erklären, Wege zu finden, das zu lösen. Wir müssen jetzt ein Miteinander haben. Diese Kraft haben wir durch unseren Sport. Es muss aber auch die Kraft von der anderen Seite kommen. Diese Täter müssen mit uns zusammen versuchen, gute Entscheidungen zu fällen. Ich kann aktuell aber nicht einfach so Lösungen nennen. Ich hoffe aber, dass der Dialog erhalten bleibt, um diese zu finden."