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Nürnberg News: Aufsichtsrats-Chef Thomas Grethlein im Interview

"Mir ist es lieber, ein Trainer spricht so..." - FCN-Boss verteidigt Klauß

24.02.2021 | 15:58 Uhr

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Nürnbergs Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Grethlein spricht über die brisante Taktikanalyse von Trainer Robert Klauß (Videolänge: 47 Sekunden).

Am Sonntag gastiert der 1. FC Nürnberg beim Karlsruher SC (ab 13 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Bundesliga 5). Vor der Partie sprach Sky Sport mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Thomas Grethlein.

Er äußert sich unter anderem zur sportlichen Krise beim Club, den "Matchplan"-Aussagen von Trainer Robert Klauß, die ordentlich Wellen geschlagen haben, und zum Stand bei der Suche nach einem Sportdirektor.

Sky Sport: 23 Punkte nach 21 Spielen. Wie geht der Aufsichtsratsvorsitzende mit der Situation um?

Dr. Thomas Grethlein: Das macht uns Sorgen und wir sind sehr unzufrieden mit der Situation. Alle Sensoren sind aufgestellt, um eine Katastrophe zu vermeiden. Noch müssen wir uns nicht ins Boxhorn jagen lassen. Wir können optimistisch nach vorne schauen und diese Krise gemeinsam meistern.

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Sky Sport: Wo sehen Sie die Gründe für diese Krise?

Dr. Grethlein: Das beschäftigt uns sehr. Wir machen uns vielfältige Gedanken, haben vielfältige Analyseansätze. Eigentlich können wir es nicht so richtig verorten. Kader nicht stark genug? Der sollte so stark sein, um eine sorgenfreie Saison zu spielen. Andere sagen es läge am Trainer. Ich erlebe ihn als sehr reflektiert, auch wenn er manchmal emotional ist. Viel Fußballsachverstand, erreicht die Mannschaft. Es sind am Ende Kleinigkeiten, die sich aufsummieren.

Die Mannschaft ist immer noch in einem gewissen Sorgemodus, sie verfallen in gewisse Mechanismen. Die Erfahrung, die der Mannschaft in den Knochen steckt, kriegt sie nicht leicht raus. Daran müssen wir noch arbeiten. Wenn die Mannschaft frei aufspielt, so wie gegen den HSV, ist sie in der Lage einiges auf den Platz zu kriegen. Im letzten Spiel war das in den letzten 15 Minuten der Fall. Ich gehe davon aus, dass wir an diesen Stellschrauben drehen und sich die Mannschaft selber aus dem Sumpf ziehen kann.

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Sky Sport: Mit Dieter Hecking wurde ein Sportvorstand installiert, der vorher nur Trainer war und mit dem Coach ebenfalls einen unerfahrenen geholt. Wie sehen Sie diese Konstellation?

Dr. Grethlein: Wir sind zunächst einmal nur für den Sportvorstand zuständig und der sucht dann den Trainer aus. Ich habe kein Risiko in der Wahl von Dieter Hecking gesehen. Er ist ein erfahrener, kompetenter Fußballfachmann. Er erfüllt alle Anforderungspunkte. Es war uns aber bewusst, dass er neu war in der Rolle. Ich würde nicht sagen, dass das eine risikohafte Entscheidung war.

Sky Sport: Vor der Saison wollte der Aufsichtsrat einen Sportdirektor einstellen neben Dieter Hecking, das wollte er allerdings nicht. Jetzt geht die Tendenz dahin, dass doch einer kommt. Wieso jetzt doch?

Dr. Grethlein: Die Personalie Sportdirektor ist seit langen Jahren ein Thema. Wir hatten mal eine unglückliche Konstellation, die dazu geführt hat, dass wir davon erstmal Abstand genommen haben. Aber wir haben festgestellt, dass es sinnvoll ist, sich breiter aufzustellen, Aufgabenteilung und Schwerpunkte. Das haben wir mit Herrn Hecking besprochen, dass wir mittelfristig damit besser aufgestellt sein werden. Er hat es dann ein bisschen nach hinten verschoben, es würde ihn auch entlasten, spezifische Kompetenzen ins Haus zu holen.

Sky Sport: Was können Sie zur Suche sagen? Welche Kandidaten gibt es?

Dr. Grethlein: Ich könnte etwas dazu sagen, will aber nichts dazu sagen.

Sky Sport: Wie weit ist es denn fortgeschritten?

Dr. Grethlein: Das ist schon relativ weit.

Sky Sport: Heißt mit einer Verkündung können wir bald rechnen?

Dr. Grethlein: Es werden schon noch ein paar Gespräche geführt. Aber es ist schon relativ weit, ja.

Sky Sport: Robert Klauß war gerade prominent in den Medien. Wie haben Sie diese Aussage wahrgenommen?

Dr. Grethlein: Ich habe die ganze PK gehört, deswegen hat es mich nicht so sehr irritiert. Ich bin kein Taktikexperte, kann aber schon verstehen, was er da sagen will. Es sollte Fachjournalisten nicht erschrecken. Es war ein bisschen zu elaboriert. Aber mir ist es lieber, ein Trainer spricht so und nicht über Dinge, die gar nichts mit dem Fußball zu tun haben.

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Nürnbergs Trainer Robert Klauß erklärt seinen Matchplan für das Spiel gegen den FC St. Pauli. (Videolänge: 44 Sekunden)

Sky Sport: Wie bewerten Sie die Arbeit des Trainers auf dem Platz?

Dr. Grethlein: Wenn man die Punkteausbeute ansieht, ist das nicht zufriedenstellend. Bei einer Beurteilung muss man aber andere Dinge auch berücksichtigen. Er ist sehr engagiert, sehr variantenreiches, einfallsreiches Training, das die Spieler mögen. Ich kann nichts Negatives sehen, aber natürlich braucht es am Ende auch die Punkte in den nächsten Wochen, ganz klar.

Sky Sport: Die Fans machen sich Sorgen nach der letzten Horrorsaison und der Krise aktuell. Wie können Sie denen Hoffnung machen?

Dr. Grethlein: Ich kann den Fans nur sagen - wirklich, und da übertreibe ich nicht - dass wir uns Tag und Nacht Gedanken machen und uns überlegen, was wir verändern können, wie wir die Mannschaft unterstützen können, damit sie die Kurve bekommt. Ich bin optimistisch: Ich sehe, dass die Jungs wollen, ich sehe auch das Potential bei dem einen oder anderen. Einige spielen unter ihrem Niveau, das gilt es zu beheben. Die Souveränität muss zurückkommen, die Angst müssen wir ihnen nehmen.

Sky Sport: Wie groß ist diese Angst im ganzen Verein, was passieren würde wenn?

Dr. Grethlein: Natürlich bereitet uns das Sorgen. Auf der Geschäftsstelle ist momentan wegen Corona nicht so viel los, die Situation verschärft es aber eher, weil man den direkten Kontakt mit den Mitarbeitern nicht hat. Das fehlt uns, und auch den Spielern. Das ist auch ein Teil dessen, dass alles noch bedrohlicher wirkt.

Wir können nicht genau sagen, wie es in der Mannschaft aussieht. Die Mitarbeiter und Fans sind nur auf die mediale Berichterstattung angewiesen, auch die Journalisten sind nicht mehr so nah an der Mannschaft dran. Diese Blase verstärkt den negativen Effekt, deswegen ist es so wichtig, dass wir die Kommunikation mit den Fans aktiv suchen.

Sky Sport: Auch Sie persönlich können in dieser Zeit sicher nicht so auf die Prozesse einwirken wie gewohnt. Was können Sie konkret machen?

Dr. Grethlein: Ich bin in der Tat auch ein bisschen weiter weg als vor Corona-Zeiten, damit die Mannschaft geschützt wird. Ich halte mit dem einen oder anderen Spieler über Whatsapp Kontakt. Und natürlich habe ich mit dem Sportvorstand einen intensiven Austausch. Wir sprechen uns nahezu täglich und hören, woran er arbeitet und hoffen, dass er etwas in die richtige Richtung bewegen kann.

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Sky Sport: Kurzfristig gilt es aus der Krise rauszukommen, sich in der Liga zu halten. Aber was sind Ihre mittelfristigen Ambitionen mit dem Club?

Dr. Grethlein: Das klingt jetzt natürlich komisch. Aber die Vision ist, dass wir uns natürlich wieder in Richtung Bundesliga bewegen. Jetzt haben wir in dieser Saison die Ziele nicht übermäßig hochgeschraubt, wollten ganz realistisch an die Sache gehen. Es war klar, dass dieses ein Umbruchjahr werden würde. Vielleicht das nächste auch noch. Deswegen hatten wir ausgegeben, dass wir eine stabile Saison haben wollen. Das haben wir verfehlt.

Mittelfristig wollen wir uns nach oben bewegen, das ist nicht nur für einen Traditionsverein normal - anderen geht es übrigens noch viel schlechter als uns - aber wir haben ein gutes Umfeld, Infrastruktur, treue Fans, die mehr erwarten dürfen als das, was wir im Moment zeigen.

Das Interview führte Max Bielefeld

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