Nur noch Daniel Düsentrieb kann Werder Bremen helfen - ein Kommentar
Bei Werder Bremen spitzt sich die Lage immer weiter zu. Nach der 1:2-Pleite im Kellerduell beim FC St. Pauli sind die Norddeutschen auf einen Abstiegsplatz gerutscht.
23.02.2026 | 14:32 Uhr
Welche Stellschrauben kann Werder noch bedienen, um den Super-GAU in Form des dritten Bundesliga-Abstiegs zu verhindern? Sky Sport Reporter Sven Töllner kommentiert die heikle Situation bei den Grün-Weißen.
Selbstvertrauen? Nicht vorhanden - verrät der Kapitän. Wo soll's denn auch herrühren nach 13 (!) sieglosen Spielen ensuite!? Aus Marco Friedls Worten quoll Verzweiflung. Auch beim Klassenerhalts-Konkurrenten am Millerntor hatte es schließlich nicht zum ersten Werder-Sieg seit dem 7. November gereicht - oder zumindest mal zum ersten Punkt seit der Amtsübernahme von Daniel Thioune. Die Lage beim Tabellen-17. ist dramatisch und der Druck vor der Heim-Partie gegen Heidenheim, die derzeit einzige noch schlechter platzierte Mannschaft, ultimativ.
Drei Spiele, null Punkte - eine verheerende Bilanz für den neuen Coach. Der erhoffte Trainer-Wechsel-Effekt verpufft wie in einem Chemie-Experiment, das der falschen Versuchs-Anordnung folgt. Die Verantwortung dafür den Zutaten zuzuschustern, wäre nicht nur billig, sondern dämlich. Wenn der Versuch nicht zum Erfolg führt, müssen die Chemiker sich hinterfragen - oder in unserem konkreten Fall: Die Werder-Bosse. Sportgeschäftsführer Clemens Fritz und Sportdirektor Peter Niemeyer haben die Kaderplanung im Sommer zu verantworten! Verletzungssorgen und finanzielle Zwänge - das Puzzle war kompliziert. An der sehr anspruchsvollen Aufgabe, alle Herausforderungen so in Einklang zu bringen, dass eine Saison der Marke "sorgenfrei" wahrscheinlich wird, ist das Duo - Stand jetzt - gescheitert. Zumindest sehen es viele Werder-Anhänger so.
Werders Handlungsspielraum ist eingeschränkt
Diesen Anhängern ist allerdings auch klar, dass es sich in den letzten elf Spielen der Saison eher nicht spürbar auf die Punkte-Ausbeute auswirken dürfte, wenn jemand die Bosse vor die Tür setzen würde. Neue Spieler können bekanntermaßen nicht mehr verpflichtet werden. Teambuilding im Retter-Camp? Nicht selten ein alberner Abenteuer-Trip mit begrenzter Effekt-Wahrscheinlichkeit. Der Handlungsspielraum, um auf der Zielgeraden noch Dinge entscheidend zu verbessern, ist also außerordentlich eingeschränkt!
Heißt das etwa, dass der Blick knappe drei Wochen nach Horst Steffens Beurlaubung schon wieder in Richtung Trainerstuhl gelenkt werden muss? Ist Daniel Thioune nach drei Anläufen ohne Punktausbeute bereits derart beschädigt, dass das Unaussprechliche als Option abgewogen werden sollte? Ein weiterer Trainerwechsel - quasi als "hail mary" in die letzten Spiele der Saison hineingeschleudert, so lange der ultimative Tiefschlag theoretisch noch abwendbar ist? Rational begründbar wäre das kaum, sondern vielmehr ein Manöver aus der Kategorie "Akt der Verzweiflung".
Werder braucht wahrhaftige Helden
Unklärbar ist zudem die Frage, welche Art von Trainer denn unter den derzeitigen Voraussetzungen wirklich sinnvoll wäre? Thomas Schaaf hat's schon mal vergeblich versucht. Friedhelm Funkels magisches Potenzial ist möglicherweise auch irgendwann mal ausgeschöpft. Felix Magath, Dieter Hecking…!?! Daniel Thioune behält bis auf Weiteres das grün-weiße Retter-Mandat. Eine Strategie, die vorerst vernünftig erscheint. Denn in der aktuellen Lage könnte wohl höchstens Daniel Düsentrieb behilflich sein. Also ein Typ, der etwas erfindet, das es noch nicht gibt - und zudem noch einhundertprozentige Funktionsfähigkeit garantiert. Eine lächerliche Comic-Strip-Fantasie - bei Werder brauchen sie wahrhaftige Helden!
Das Vertrauen in Thiounes Helden-Potenzial ist der einzige denkbare Ausweg aus der komplizierten Misere. Den aktuellen Coach für die Vielzahl an Fehleinschätzungen in Regress zu nehmen, wäre nicht nur unanständig, sondern die ungebremste Schussfahrt ins sportliche Chaos. Unabhängig davon, ob Werder die Klasse doch noch halten wird oder nicht - nach Saisonende muss und wird sehr intensiv darüber diskutiert werden, wer die Rechnung für eine Spielzeit übernehmen muss, die bereits jetzt ganz sicher nicht mehr als zufriedenstellend bewertet werden kann.
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