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Benjamin Pavard im Exklusiv-Interview

Pavard über Wechselgerüchte: Bayern hat keine Priorität

Max Bielefeld

06.12.2018 | 15:06 Uhr

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Stuttgarts Benjamin Pavard spricht über einen möglichen Wechsel im Sommer (Videolänge: 00:32).

Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart spricht im Interview mit Sky Sport News HD über den Fehlstart in der Bundesliga und die Gerüchte über einen Wechsel zum FC Bayern. Zudem erklärt der 22-jährige Franzose, warum er sich in Deutschland so wohl fühlt.

Sky Sport: Der VfB Stuttgart ist mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet, jetzt steht man im Tabellenkeller. Wo liegen die Gründe für die Probleme?

Benjamin Pavard: Wir mussten einige Neue integrieren, denen muss man immer ein bisschen Zeit geben. Für mich sind die zweite und dritte Saison nach einem Aufstieg die schwierigsten. Dann fangen oft die Schwierigkeiten an, die erste Euphorie ist dann weg. Wir haben aber einen guten Kader mit starken Einzelspielern, in der Kabine ist die Atmosphäre großartig. In vielen Spielen, die wir verloren haben, hatten wir die Chance auf das 1:0, dann gehen die anders aus. Nach einem Gegentor brechen wir dann auseinander. Das müssen wir dringend abstellen. Wir arbeiten daran jeden Tag hart. Ich spüre dass alle an einem Strang ziehen, das sieht man.

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Der VfB steckt im Tabellenkeller fest. Weltmeister Benjamin Pavard ist davon überzeugt, dass Stuttgart da unten raus kommt. (Videolänge: 39 Sekunden)

Sky Sport: War die Trennung von Trainer Tayfun Korkut nach dem schlechten Saisonstart notwendig?

Pavard: Das sind eben Entscheidungen, die so gefällt werden.

Sky Sport: Zurecht?

Pavard: Mein Leben geht weiter, das kann ich nicht beeinflussen. Das ist der Fußball. Jetzt müssen wir dem Trainer Zeit geben. Er ist in einer sehr schwierigen Situation hier angekommen. Wir müssen alle positiv bleiben und mit ihm gemeinsam da rauskommen. Ich hoffe, dass es am Ende klappt.

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Sky Sport: Sie persönlich hatten nach dem Gewinn der WM mit Frankreich auch einen holprigen Start in die Bundesliga-Saison. Woran lag es?

Pavard: Ich hatte keine richtigen Ferien. Ich war nur bei mir zuhause und konnte nicht rausgehen, weil alle mich sofort erkannt haben. Nach einer WM ist es nicht leicht, direkt wieder beim Verein in Schwung zu kommen. Ich wollte unbedingt früher nach Stuttgart, um trainieren zu können. Das war meine Entscheidung. Ich habe die anderen auf Instagram trainieren sehen. Da hatte ich sofort Lust, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich habe sicher in dieser Saison einige Patzer gehabt, aber das Kollektiv hat einfach nicht funktioniert. Jetzt liegt es an uns Führungsspielern uns daraus zu ziehen. Ich sehe Fortschritte, sowohl im Spiel als auch im Training.

Sky Sport: Es wird unglaublich viele über Ihre Zukunft geredet. Nervt das schon?

Pavard: Auch im vergangenen Sommer gab es einige konkrete Angebote. Aber in meinem Kopf war klar, dass ich in Stuttgart bleiben wollte. Ich hätte es mir nicht vorstellen können, den VfB durch die Hintertür zu verlassen - wie ein Dieb! Ich verdanke dem VfB sehr viel. Sie haben mich aus Lille geholt, wo ich nicht einmal Stammspieler war. In Stuttgart bin ich erwachsen geworden, auch Nationalspieler. Der Verein hat immer an mich geglaubt und deswegen sitze ich heute als Weltmeister hier. Ich wollte das alles nicht einfach nach zwei Saisons beenden und sagen das war's, danke. Das schulde ich dem VfB.

Sky Sport: Von wem gab es denn konkrete Angebote?

Pavard: Das weiß mein Berater (lacht). Es gab Angebote von großen Vereinen, die Namen möchte ich nicht nennen.

Sky Sport: Nicht einmal drüber nachgedacht?

Pavard: Ganz ehrlich, das waren tolle Vereine, gute Angebote. Aber in meinem Kopf war es klar, dass ich noch ein Jahr in Stuttgart bleiben möchte.

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Der Vereinspräsident des FC Bayern Uli Hoeneß spricht über einen möglichen Transfer von Stuttgarts Benjamin Pavard (Dauer: 28 Sek.)

Sky Sport: Der FC Bayern hat großes Interesse, das hat Uli Hoeneß jüngst nochmal unterstrichen. Hat Bayern bei Ihnen Priorität?

Pavard: Nein. Natürlich ist es immer toll, wenn man von so einem Verein geschätzt wird. Im Fußball weiß man aber nie. Ich habe niemandem irgendetwas versprochen, so viel kann ich sagen. Vielleicht gehe ich, aber ich weiß nicht, was die Zukunft genau bringt. Aber klar ehrt mich das Interesse der Bayern. Ich schließe es nicht aus, hier in Deutschland zu bleiben. Aber ich konzentriere mich aktuell nur auf Stuttgart. Ich will da unten raus, wir haben da nichts zu suchen.

Sky Sport: Wenn wir uns die Gesamtsituation anschauen: Sie sind im Sommer drei Jahre beim VfB, es gibt eine Ausstiegsklausel, dazu großes Interesse von Top-Klubs. Eigentlich besteht doch kaum eine Chance, dass Sie in Stuttgart bleiben…

Pavard: Wann?

Sky Sport: Über den Sommer hinaus…

Pavard: Im Fußball weiß man nie! Ich habe aber auch nie ein Geheimnis aus meinem Karriereplan gemacht. Ich will Champions League spielen. Aber das blende ich aus. Ich bin hier, wir sind in einer schwierigen Situation. Ich möchte vorangehen und das Team da rausführen. Stuttgart muss wieder hoch kommen!

Sky Sport: Wäre es nicht für Sie und den Klub wichtig, ihre Zukunft bald zu klären, um Ruhe zu haben?

Pavard: Nein, diese Fragen vernebeln mir nicht den Kopf. Ich bin ganz klar und konzentriert auf eine Sache: die heißt Stuttgart. Ich schaue, höre und lese nichts über mich. Das kann ich einfach ausblenden. Ich stehe auf, gehe zum Training und gebe 100 Prozent. Ich bin da ein Vollprofi. Ich muss meinerseits alles dafür tun, dass ich am Wochenende die beste Leistung zeige, um dem Klub zu helfen.

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Sky Sport: Sie haben immer betont, dass es in Deutschland so gut gefällt. Warum eigentlich?

Pavard: Ich mag die Leute hier einfach. Dieses Land passt perfekt zu mir und meinen Werten. Die Mentalität, die Hingabe, auch im Training wird hier nie nachgelassen. Genauso funktioniere ich auch. Meine Mentalität ist deutsch! Ich schätze dieses Land sehr.

Sky Sport: Kommt ein Wechsel ins Ausland trotzdem in Frage?

Pavard: Ich weiß nicht. Mein Berater kümmert sich darum.

Sky Sport: Okay, das haben wir vernommen. Aber was wollen Sie für ihr Leben?

Pavard: Was ich will? Für mich zählt nur, dass wir nicht unter den letzten Drei am Ende der Hinrunde sind. Sonst werde ich ganz schlechte Weihnachten verbringen. Selbst wenn wir das schaffen, werde ich die freie Zeit nicht komplett genießen können. Wir stehen nicht dort, wo es der VfB verdient. Um meine Zukunft kümmere ich mich später.

Sky Sport: Was ist für den VfB in dieser Saison noch möglich?

Pavard: Einfach die Klasse halten, um mehr geht es für mich derzeit nicht. Nicht nach oben schauen - bloß nicht nach Europa.

Sky Sport: Am Sonntag steht das Spiel beim Tabellenzweiten Gladbach an. Was für eine Partie erwarten Sie?

Pavard: Es überrascht mich nicht, dass Gladbach so weit oben steht. Es ist ein sehr großer Verein, mit viel Tradition, einem tollen Stadion und großartigen Spielern. Sie spielen einen super Fußball. Letztes Jahr haben wir in Gladbach verloren, ich war beeindruckt. Obwohl wir ganz gut waren, waren sie technisch sehr überlegen. Ich erwarte ein sehr kompliziertes Spiel. Wir werden versuchen, auf jeden Fall einen Punkt zu holen. Die Qualität dafür haben wir.

Das Gespräch führte Max Bielefeld

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