Psotta-Kolumne: Riberys Zeit bei Bayern ist vorbei
Reingegrätscht - die Kolumne von Kai Psotta
19.10.2017 | 14:52 Uhr
Am 30. Juni 2018, es ist ein Samstag, endet der Vertrag von Franck Ribéry beim FC Bayern. Wenige Tage zuvor wird er mit den Bayern in der Bundesliga das letzte Spiel gegen Stuttgart bestreiten. Theoretisch könnte noch das Pokalfinale in Berlin anstehen. Ebenso das Champions-League-Finale in der Ukraine.
Und dann? Dann hoffe ich, dass Franck Ribéry nie wieder im Trikot des deutschen Rekordmeisters aufläuft.
Das schreibe ich nicht aus Boshaftigkeit. Oder weil ich den Kerl nicht mag. Ganz im Gegenteil. Ich habe so viele so witzige Erinnerungen an ihn. Allen voran an eine Begegnung im Trainingslager in Katar, als sich Ribéry einen neuen Style überlegte und ich ihm amüsante Vorschläge unterbreitet und präsentiert hatte. Als er sie sah, lachte er herzlich.
Weitere Vertragsverlängerung wäre ein Fehler
Ich habe über seine Dribblings und Tore mit der Zunge geschnalzt. Und ich habe seinen Frust verstanden, als er nach dem Triple-Jahr bei der Weltfußballer-Wahl hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi landete.
Ich weiß, Ribéry ist gerade verletzt und kämpft für sein Comeback. Aber der Verein muss planen. Ich finde: Nun reicht es mit Ribéry beim FCB. Es wäre aus meiner Sicht ein Fehler, sollten ihm die Bosse noch eine weitere Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus anbieten.
Ribéry ist nicht mehr der Alte
Ribéry ist nicht mehr der Alte. An einem Weltklasse-Verteidiger kommt er eben nicht mehr mit Leichtigkeit vorbei. Seine Aktionen sind nicht mehr so zwingend wie zuvor. Das ist einfach so, auch wenn es schade ist.
Bezeichnend: in den letzten beiden Champions-League-Saisons hat Ribéry KEIN EINZIGES Tor erzielt. In dreizehn Spielen legte er in der Königsklasse gerade mal einen Treffer vor.
Gefährdet die Stimmung in der Kabine
Problematisch an Ribéry ist darüber hinaus, dass er den Platz auf der Bank nicht ohne Murren akzeptiert. Wenn ein Trainer nicht auf ihn setzt, ruft er gleich Papa Hoeneß an, um seinen Frust loszuwerden. Er mosert gegenüber Mitspielern und gefährdet somit die Stimmung in der Kabine.
Er hat auch das Sportdirektörchen Hasan Salihamidzic spüren lassen, dass er sich seine Regeln selbst macht. Obwohl Brazzo die Regel aufstellte, dass die Spieler an ihren freien Tagen keine Flugreisen mehr unternehmen dürfen, gab es eine Ausnahme für Ribéry, weil der laut Kicker bereits zuvor einen Flug gebucht hatte und diesen nicht stornieren musste. Ein Unding und unfair gegenüber allen Mitspielern.
Rückkehr als Markenbotschafter?
Letztlich ist es ein Fakt: so lange Ribéry da ist - und die Rückendeckung von Uli Hoeneß genießt - bekommt auch niemand anderes auf seiner linken Seite die Zeit, sich zu probieren, zu entwickeln und zu etablieren. Mit einem nörgelnden Ribéry im Nacken kann dort kein neuer Superstar reifen.
Zudem kann Ribéry auch noch für einen Trainer, zumindest für Carlo Ancelotti, eine Plage sein.
Schlechter auf dem Platz, launisch auf der Bank, politisch im Verein - das kann Bayern nicht gebrauchen. Ich würde mir wünschen, dass Ribéry das alles auch zeitnah erkennt. Dass er nach seinem Außenbandriss zur Rückrunde zurückkommt, noch ein paar Mal zaubert und sich dann aus München verabschiedet, um in Katar oder China noch ein bisschen Geld zu verdienen. Anschließend kann er ja als Markenbotschafter zurückkommen!
Ribéry-Abschied als Legende
Ich würde mir für ihn persönlich wünschen, dass Ribéry diese Einsicht auch gewinnt. Und ich würde es mir für den Verein wünschen. Damit der sowieso schon verpasste Umbruch endlich konsequent eingeleitet werden kann.
Von Xabi Alonso gibt es ein Foto auf Twitter, das er zum Abschied gepostet hat. Es zeigt ihn in schwarz-weiß von hinten. Er trägt Zivilkleidung, schaut über die Schulter, winkt den Fans, in seiner rechten Hand die Fußballschuhe.
„Es war keine einfache Entscheidung, aber ich glaube, es ist der richtige Moment. Ich wollte immer lieber früher als zu spät aufhören. Ich fühle mich noch gut, aber ich glaube es ist die richtige Zeit. Ich wollte meine Karriere auf dem höchsten Niveau beenden und Bayern ist das höchste Niveau. Ich bin sehr stolz und froh, bei Bayern zu spielen und ein Teil dieser Familie zu sein", sagte er zu seinem Abschiedsentschluss.
So hat ein Abschied Stil. Und so einen Abschied wünsche ich auch Ribéry. Als Legende. Und zwar in diesem Sommer. Und nicht erst dann, wenn es zu spät ist.