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Schalke 04: Bozdogan, Thiaw und Co. eine ernsthafte Alternative?

Soforthilfe oder Perspektivspieler? Der S04-Nachwuchs im Check

Robin Schmidt

14.07.2020 | 14:52 Uhr

Schalke setzt große Hoffnungen in Can Bozdogan.
Image: Schalke setzt große Hoffnungen in Can Bozdogan. © Imago

Der FC Schalke 04 will – auch aus finanziellen Gründen – künftig wieder verstärkt auf Spieler aus der hoch angesehenen Knappenschmiede setzen. Wie weit sind die Talente und wer besitzt das Potenzial, um in der kommenden Spielzeit überhaupt schon eine Soforthilfe zu sein? Sky Sport macht den Check.

Clemens Tönnies ist weg, die Kassen sind leer, die Rückrunde mehr als verkorkst - der FC Schalke 04 steht auf allen Ebenen am Anfang einer kompletten Neuausrichtung und zugleich vor einer immensen Herausforderung.

Sportlich wird es in absehbarer Zeit keine Transfers in Form von gestandenen Topspielern geben. Das stellte Sportvorstand Jochen Schneider zuletzt klar. Stattdessen wollen die finanziell arg gebeutelten Knappen den Blick wieder verstärkt auf den eigenen Nachwuchs richten und Stammspieler aus der eigenen Akademie schmieden.

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Schauspieler und Schalke-Fan Peter Lohmeyer empfindet den Tönnies-Rücktritt als ''Befreiung'' für den Verein. Zudem hofft er auf eine ''Zukunfts-Elf'', die neu aufgestellt werden muss (Videolänge: 45 Sek.).

Für dieses Vorhaben hat sich Schalke von internationalen Ansprüchen zunächst verabschiedet und vier hoffnungsvolle Talente verpflichtet, die zunächst in der U19 bei Schalkes Diamanten-Schleifer Norbert Elgert reifen sollen.

Einige Nachwuchskräfte wie Ahmed Kutucu oder Malick Thiaw kamen dagegen bereits in der abgelaufenen Saison bei den Profis zum Einsatz, doch wer besitzt das Potenzial, um schon in der kommenden Saison eine Verstärkung darzustellen? Sky Sport nimmt sechs Youngster unter die Lupe.

Can Bozdogan

Der 19-Jährige war einer der ganz, ganz wenigen Lichtblicke einer völlig misslungenen Rückrunde. Zum Ende der Saison feierte er sein Bundesliga-Debüt und stellte bei seiner Startelf-Premiere gegen Leverkusen (1:1) gleich seine technischen Fähigkeiten unter Beweis. Den erfahrenen Kerem Demirbay ließ er mit einer gekonnten Hacken-Ballmitnahme ins Leere laufen.

Wenn er ohne Verletzungen durch die Vorbereitung kommt und in Ruhe aufgebaut wird, könnte er im Mittelfeld die Position von Weston McKennie einnehmen, falls der US-Amerikaner verkauft werden sollte. Mit entsprechenden Spielern an seiner Seite wie den zuletzt verletzten Suat Serdar und Amine Harit könnte Bozdogan ein großer Entwicklungssprung bevorstehen.

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Ahmed Kutucu

Schalkes Sturm-Hoffnung kann zwar die meisten Bundesliga-Einsätze in der vergangenen Spielzeit (25 Spiele und drei Tore) vorweisen, allerdings wurde er davon 22 Mal eingewechselt. Viele Fans wünschen sich den 20-Jährigen häufiger in der Startelf, doch wenn der in Gelsenkirchen geborene Angreifer die Chance von Beginn an erhielt, konnte er sich nicht nachhaltig empfehlen.

Aktuell scheint er noch überfordert mit der Situation, Schalkes Stürmer Nummer eins zu sein. Kutucu benötigt für seine weiteren Schritte noch Zeit und ist noch keine Soforthilfe. Auch deshalb sind die Königsblauen im Sommer bestrebt, Verstärkung für den Angriff zu holen.

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Malick Thiaw

Der Deutsch-Finne sorgte zuletzt mit seiner langfristigen Vertragsverlängerung bis 2024 für positive Neuigkeiten. Das Innenverteidiger-Talent wurde bereits von einigen Klubs wie dem FC Liverpool umworben und kam in der vergangenen Saison auf vier Bundesliga-Spiele.

Bei seinem ersten längeren Einsatz über 45 Minuten im letzten Spiel gegen den SC Freiburg (1:4) war das Grün hinter seinen Ohren in einigen Situationen allerdings noch deutlich erkennbar. Dem 18-Jährigen gehört sicherlich die Zukunft und Schalke hat den Vorteil, ihn behutsam aufbauen zu können.

Denn in der Innenverteidigung ist der S04 mit Ozan Kabak, Salif Sane, Matija Nastasic und eventuell Benjamin Stambouli (Vertrag ist ausgelaufen) ordentlich besetzt. Im Schatten derer kann sich Thiaw entwickeln und Schritt für Schritt herangeführt werden.

ZUM DURCHKLICKEN: Diese Talente aus der Knappenschmiede haben Schalke verlassen

  1. Manuel Neuer
    Image: TOR: Manuel Neuer - von 2005 bis 2011 bei den S04-Profis - für 30 Millionen Euro zum FC Bayern München © Imago
  2. ABWEHR - Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain): 2012 wechselte der Verteidiger von der U17-Mannschaft des VfB Stuttgart in die, des FC Schalke. Drei Jahre nach dem Sprung von der U19 zu den Profis wechselte der 23-Jährige 2018 zu PSG.
    Image: ABWEHR: Thilo Kehrer - von 2015 bis 2018 bei den S04-Profis - für 37 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain © Imago
  3. Benedikt Höwedes
    Image: ABWEHR: Benedikt Höwedes - von 2007 bis 2017 bei den S04-Profis - für 3,5 Millionen Euro an Juventus ausgeliehen, 2018 für fünf Millionen Euro zu Lokomotive Moskau © Imago
  4. Joel Matip (FC Liverpool): Der Innenverteidiger kam im Sommer 2000 von der Jugend des VfL Bochum. Im Jahr 2009 unterschrieb Matip seinen ersten Profi-Vertrag und blieb noch sieben Jahre bei Schalke. Dann zog es ihn ablösefrei zum FC Liverpool.
    Image: ABWEHR: Joel Matip - von 2009 bis 2016 bei den S04-Profis - ablösefrei zum FC Liverpool © Imago
  5. ABWEHR: Kaan Ayhan - von
    Image: ABWEHR: Kaan Ayhan - von 2013 bis Januar 2016 bei den S04-Profis - Leihe zu Eintracht Frankfurt, im Sommer 2016 für 500.000 Euro zu Fortuna Düsseldorf © Imago
  6. Sead Kolasinac
    Image: ABWEHR: Sead Kolasinac - von 2012 bis 2017 bei den S04-Profid - ablösefrei zum FC Arsenal © Imago
  7. MITTELFELD - Max Meyer (Crystal Palace): Im Sommer 2018 wechselte der 24-Jährige mit einigen Nebengeräuschen in die Premier League. Zuvor galt Meyer, der 2009 in die Jugend der Schalker kam, ein Musterbeispiel für die Arbeit in der Knappenschmiede.
    Image: MITTELFELD: Max Meyer - von Januar 2013 bis 2018 bei den S04-Profis - ablösefrei zu Crystal Palace © Imago
  8. Zwischen 2013 und 2015 lief Schalke im internationalen Wettbewerb mit einem Trikotsatz auf, das ist in den Stadtfarben von Gelsenkirchen gehalten war: grün, schwarz und weiß.
    Image: MITTELFELD: Julian Draxler - Januar 2011 bis 2015 bei den S04-Profis - für 43 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg © Imago
  9. Von Gelsenkirchen in die weite Fußball-Welt: Mesut Özil trug zwischen 2006 und 2008 39 Mal das Trikot des FC Schalke 04, ehe er zum SV Werder Bremen wechselte. Nach seinem Transfer zu Real Madrid landete er anschließend beim FC Arsenal.
    Image: MITTELFELD: Mesut Özil - von 2006 bis Januar 2008 bei den S04-Profis - für fünf Millionen Euro zum SV Werder Bremen © Imago
  10. Philipp Max (FC Augsburg): Der Linksverteidiger, der zuvor bei 1860 München und dem FC Bayern in der Jugend kickte, kam 2010 zur U19 der Schalker. Dort durfte er später zwar für die zweite Mannschaft ran, verpasste aber den Sprung zu den Profis.
    Image: MITTELFELD: Philipp Max - 2014 bei den S04-Profis - für 750.000 Euro zum Karlsruher SC © Imago
  11. Leroy Sane
    Image: STURM: Leroy Sane - von 2015 bis 2016 bei den S04-Profis - für 52 Millionen Euro zu Manchester City © Imago

Timo Becker

Unverhofft kommt oft: Der 23-Jährige war eigentlich für die Regionalliga-Mannschaft eingeplant, doch aufgrund der beispiellosen Verletzungsmisere kam der Defensiv-Spezialist zu zehn Bundesliga-Einsätzen. Sowohl als Innen- und Außenverteidiger füllte er seinen Part zumeist solide aus.

Sein Vertrag ist am 30. Juni ausgelaufen, dürfte aber verlängert werden, denn er hat sich als zuverlässige Alternative für Trainer David Wagner erwiesen.

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Levent Mercan

Der 19-Jährige ist im zentralen Mittelfeld angesiedelt und kam in der Bundesliga bislang fünf Mal zum Einsatz. Um dauerhaft eine ernsthafte Alternative für die Profis zu sein, muss er körperlich unbedingt noch robuster werden.

Nassim Boujellab

Wagner hat für den 21-jährigen Deutsch-Marokkaner noch nicht die ideale Position gefunden, zum Saisonende kam der Mittelfeldspieler notgedrungen sogar im Sturm zum Einsatz. Er muss noch an seinen spielerischen sowie taktischen Defiziten arbeiten.

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Fazit

Bozdogan, Kutucu & Co. sind jung, hungrig und günstig. Allein mit Akteuren aus der Knappenschmiede wird der neue Schalker Weg aber nicht funktionieren, denn dazu fehlt es einigen noch an Qualität.

Der positive Aspekt ist, dass es im Sommer - Stand jetzt - keinen großen Ausverkauf geben wird. McKennie und Nastasic könnten den Verein bei entsprechenden Angeboten verlassen, doch zunächst lautet das Ziel, mit dem Verkauf der zuletzt ausgeliehenen Spielern Geld zu generieren.

Mit Kabak und Sane in der Innenverteidigung, Omar Mascarell auf der Sechs, Serdar und Harit im offensiven Mittelfeld sowie Benito Raman und Rabbi Matondo im Angriff und eventuell Stambouli als Führungsspieler besäße Schalke ein solides Gerüst, in dem sich die oben genannten Nachwuchskräfte in Ruhe entwickeln könnten.

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