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Schalke 04 News: Amine Harit bleibt die ewige Wundertüte

Nach Gala-Auftritt: Harit sorgt für Freude und Frust

Robin Schmidt

11.01.2021 | 12:24 Uhr

Amine Harit zeigt gegen die TSG Hoffenheim seine beste Leistung im Trikot des FC Schalke 04. Das löst einerseits Freude, andererseits aber auch Frust bei den Anhängern der Königsblauen aus.

Plötzlich waren sie wieder da. Diese feinen, klugen Pässe zum richtigen Zeitpunkt in die Schnittstelle der gegnerischen Abwehr.

Amine Harit bediente auf diese Art und Weise gegen Hoffenheim gleich drei Mal Matthew Hoppe, jedes Mal fiel ein Tor. Der Marokkaner krönte seine Gala-Vorstellung mit dem Treffer zum 4:0-Endstand und zauberte den Fans damit nach fast einjähriger Tristesse wieder ein Lächeln auf die Lippen.

Harit: Leistungsschwankungen sind zu extrem

Trainer Christian Gross geriet im Anschluss ins Schwärmen und sprach von einem "überragenden Spiel" seines Offensiv-Akteurs. "Er hat das spielerische Element in sich. Im Spiel hat er enorm hart gearbeitet, ist viel gelaufen und konnte sich durch die Assists belohnen", lobte der Schweizer. Kann Harit also doch Abstiegskampf?

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Schalke-Trainer Christian Gross über Amine Harit. (Videolänge: 29 Sekunden)

Daran gab es bis zuletzt große Zweifel, und auch aktuell lässt sich diese Frage nicht so einfach bejahen. Harit funktioniert, wenn er wie gegen Hoffenheim Räume und Freiheiten für sein technisch hochveranlagtes Spiel vorfindet. Allerdings ist er nicht der Typ, der sich im Spiel durchbeißt und gegen Widrigkeiten stemmt. Und obwohl es in den vergangenen Monaten in vielen Situationen nicht angebracht war, versuchte er teilweise immer noch, Hackenpässe zu spielen - jedoch ohne Effektivität.

Nichtsdestotrotz sind vier Scorerpunkte in einem Spiel außergewöhnlich. Zum Vergleich: Im kompletten Jahr 2020 standen bei ihm eine Vorlage und kein einziges Tor zu Buche. Und genau hier liegt das Dilemma, das für Frust bei den Anhängern sorgt. Die Leistungsschwankungen des sensiblen Mittelfeldspielers sind zu extrem.

Harit als Sinnbild des Schalke-Absturzes

Seit seiner Ankunft im Sommer 2017 wandelt er zwischen Genie und Wahnsinn. Mal ist er der große Hoffnungsträger, mal das große Sorgenkind. Wurde der Dribbelkünstler nach seiner Debüt-Saison noch zum "Rookie des Jahres" gewählt, fiel er anschließend in ein tiefes Leistungsloch und leistete sich zusätzlich außerhalb des Platzes zahlreiche Verfehlungen.

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Lothar Matthäus hebt den Stellenwert von Amine Harit bei Schalke hervor und Friedhelm Funkel glaubt, dass Trainer Christian Gross den Spieler händeln kann. (Video: 01:57 Minuten)

Erst unter David Wagner blühte der 23-Jährige wieder richtig auf. Auf eine starke Hinrunde folgte die von den Fans gefeierte Vertragsverlängerung, die ihn zu einen der Top-Verdiener aufsteigen ließ. Die Euphorie wandelte sich allerdings schnell in Frustration und Harit wurde zum Sinnbild des Schalker Absturzes.

Tiefpunkt war sein Lustlos-Auftritt im November gegen Wolfsburg, als er bereits nach 39 Minuten ausgewechselt wurde und anschließend eine zweiwöchige Denkpause erhielt. Sportvorstand Jochen Schneider betonte damals, dass man den Feingeist nicht fallen lassen und gemeinsam alles daran setzen werde, ihn wieder dahin zu bringen, dass er seine Qualitäten einbringen könne.

Gross und Kolasinac nehmen sich Harit zur Seite

Möglicherweise hat es Gross mit seiner langjährigen Erfahrung und Menschenführung nun geschafft, einen Zugang zu dem diffizilen Charakter zu finden. Zugute kommt dem 66-Jährigen auch seine Sprachgewandtheit, denn er spricht fließend französisch und redet nach eigenen Angaben fast täglich mit Harit. Und Sead Kolasinac dürfte ebenfalls einen Anteil an dessen Leistungsexplosion haben.

Kolasinac. 1:52
Sead Kolasinac ist zurück beim FC Schalke 04. Bei seinem ersten Training führte er das Team auf den Platz und schleppte ein Ballnetz (Video-Länge: 1:52 Minuten).

Es war im Training unter der Woche auffällig zu beobachten, wie oft der Rückkehrer sich Harit zur Seite genommen hat. Dabei könnten beide Akteure vom Körperbau und der Spielweise konträrer kaum sein: Zum einen Kraftpaket Kolasinac, der kämpft, malocht und rennt. Zum anderen der schmächtige Harit, der mit seiner technischen Raffinesse zumeist die spielerische Lösung bevorzugt.

Am Samstag hat diese Kombination funktioniert, doch auf Schalke wartet noch ein langer, harter Weg bis zum Klassenerhalt. Nun liegt es an Harit, kontinuierlich annähernd solche Leistungen wie gegen die TSG abzurufen. Dann lässt sich die Frage, ob er für den Abstiegskampf geeignet ist, auch leichter beantworten.

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