Transfer-Politik des FC Bayern im Vergleich
Mega-Transfer = Mega-Erfolg?
12.08.2018 | 13:31 Uhr
Der FC Bayern übt sich auf dem Transfermarkt in diesem Sommer in großer Zurückhaltung. Eine Strategie, die mit viel Skepsis beäugt wird. Aber zurecht?
Gerade einmal zehn Millionen Euro* investierten die Münchner in diesem Transferfenster bisher - und das für den 17-jährigen Alphonso Davies, der erst im Winter zum deutschen Rekordmeister stoßen wird. Weniger Geld gab der FC Bayern zuletzt in der Saison 2008/09 aus. Damals investierte man keinen einzigen Cent!
Anstatt große Summen für Superstars hinzublättern, setzen die Bayern vermehrt auf junge Talente mit Entwicklungspotential - und zumindest auf dem Papier zahlt sich das aus:
Joshua Kimmich kam 2015 für 8,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart und hat inzwischen einen Marktwert von 55 Millionen Euro. Eine ähnliche Entwicklung nahmen auch Serge Gnabry (8 Mio. Ablöse, 20 Mio. Marktwert), Niklas Süle (20 Mio. Ablöse, 45 Mio. Marktwert) und Kingsley Coman (28 Mio. Ablöse (inkl. Leihgebühr), 50 Mio. Marktwert).
United investiert doppelt so viel wie Bayern
Eine völlig andere Transfer-Strategie fährt zum Beispiel Manchester United. Der Premier-League-Klub gab in den vergangenen fünf Jahren mehr als doppelt so viel Geld auf dem Transfermarkt aus als die Bayern. Der Kaufrausch der Red Devils gipfelte 2016 in dem damaligen Rekord-Transfer von Paul Pogba für 105 Millionen Euro.
Sportlich haben sich die investierten Millionen für United bisher aber kaum ausgezahlt. Bis auf den Europa-League-Triumph 2017 und den Pokalsieg 2016 waren große Titel in den vergangenen fünf Jahren Mangelware. In der Champions League kam das Team aus Manchester zuletzt nie über das Viertelfinale hinaus.
Geld schießt keine Tore
Über diese Erfolgslosigkeit kann inzwischen auch die Finanzkraft der Engländer nicht mehr hinwegtäuschen. Spieler wie zum Beispiel Jerome Boateng schlossen zuletzt einen Wechsel zu Manchester United aufgrund der fehlenden sportlichen Perspektive aus.
Beim Stadtrivalen Manchester City ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Skyblues gaben seit 2013 eine unfassbare Summe von einer Milliarde Euro für Transfers aus, sportlich bleibt City aber weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar wurde City in den vergangenen fünf Jahren zweimal Meister, aber in der Champions League steht nur ein Halbfinale zu Buche.
Bayern warten auf den großen Coup
Allerdings: Auch die Strategie des FC Bayern scheint nicht das Nonplusultra zu sein. Zwar holten die Münchner in den vergangenen fünf Jahren immer den Meistertitel und standen in vier von fünf Jahren im Halbfinale der Champions League, aber zum ganz großen Coup reichte es seit 2013 nicht mehr.
Grundsätzlich zeigt sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß bereit, für einen Transfer auch mal tiefer in die Tasche zu greifen: "Wenn wir auf einer Position Probleme sehen, werden wir auch mal einen Transfer für 50, 60 oder 80 Millionen machen", sagte der 66-Jährige kürzlich: "Aber das wird die Ausnahme bleiben. Eines ist ganz sicher: So lange wir verantwortlich sind, kann ich verrückte Dinge wie 200 Millionen Euro Ablöse ausschließen."
Aktuell sehen die Bayern dafür aber offenbar keinen Bedarf. Ob die Low-Budget-Taktik in diesem Jahr aufgeht oder nicht, wird sich wohl erst am Ende der Saison herausstellen.
*alle Angaben zu Transfersummen Quelle: transfermarkt.de