Was Karim Adeyemis Überraschungstransfer zum FC Barcelona für alle Parteien bedeutet
Nach den überraschenden Meldungen über das Interesse des FC Barcelona an Karim Adeyemi ging es am Ende schnell: Der Offensivspieler verlässt Borussia Dortmund und schließt sich den Katalanen an.
15.07.2026 | 08:53 Uhr
Es ist ein Transfer, von dem auf den ersten Blick alle Beteiligten profitieren könnten - der FC Barcelona, Borussia Dortmund und nicht zuletzt auch Adeyemi selbst.
Von Fabio Desiderio
Auch wenn Borussia Dortmund zuletzt - zumindest in der Bundesliga - eine erfolgreiche Saison spielte, verlief die Spielzeit für Adeyemi persönlich nicht immer nach Wunsch. Unter Trainer Niko Kovac fand sich der Flügelspieler phasenweise häufiger auf der Bank wieder und konnte nie dauerhaft den Status eines unumstrittenen Stammspielers festigen.
Das lag allerdings nicht nur an den Leistungen auf dem Platz. Immer wieder sorgte Adeyemi auch abseits des Rasens für Unruhe. So bekam der Spieler im vergangenen Jahr etwa wegen illegalen Waffenbesitzes Ärger mit der Justiz.
Nach Bekanntwerden des Falls Ende 2025 folgte harsche Kritik, "Sozialstunden" in einem Fußball-Projekt - und einen Monat später direkt der nächste Eklat. Auf seine Auswechslung gegen Borussia Mönchengladbach reagierte Adeyemi mit einem Wutausbruch und geriet unter anderem mit Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl und Coach Kovac aneinander. Diese Negativschlagzeilen flossen schließlich am Ende auch in die Bewertung einer möglichen Verlängerung ein. Der BVB ging nicht an die absolute Schmerzgrenze.
Barcelona kommt Adeyemis Spielstil entgegen
In Barcelona erwartet den 24-Jährigen nun ein sportliches Umfeld, das deutlich besser zu seinen Stärken passt. Das Team von Hansi Flick setzt auf intensives Gegenpressing, hohe Laufbereitschaft und schnelle Umschaltmomente - Elemente, die Adeyemi wie auf den Leib geschneidert sind. Flick schätzt die Qualitäten des Flügelspielers seit Jahren. Bereits 2021, als er noch Bundestrainer war und Adeyemi zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft verhalf, sagte er über den Angreifer: "Er hat ein enormes Tempo und einen sehr guten ersten Kontakt. Offensiv ist er ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann."
Hinzu kommt die grundsätzliche Spielidee der Katalanen. Das ballbesitzorientierte System mit Kreativspielern wie Pedri, Gavi und Dani Olmo lebt von Pässen in die Tiefe hinter die gegnerische Abwehrkette. Genau dort liegen Adeyemis größte Stärken. Seine explosiven Tiefenläufe und seine Geschwindigkeit könnten dem Barca-Spiel zusätzliche Variabilität verleihen.
Auch Flicks flexibles Angriffsspiel dürfte dem ehemaligen Nationalspieler entgegenkommen. In Barcelonas Offensive wird selten positionsgetreu gespielt, stattdessen rotieren die Angreifer regelmäßig. Adeyemi, der nahezu alle Offensivpositionen bekleiden kann, passt ideal in dieses Profil.
Ein Stammplatz erscheint angesichts der starken Konkurrenz um Lamine Yamal zunächst zwar unwahrscheinlich. Allerdings soll Adeyemi insbesondere dabei helfen, den 19-Jährigen zu entlasten, der in der vergangenen Saison immer wieder mit kleineren muskulären Problemen zu kämpfen hatte.
Borussia Dortmund mit neuen finanziellen Mitteln
Nach Sky Sport Informationen unterschreibt Adeyemi einen Fünfjahresvertrag und bringt dem BVB eine Ablösesumme in Höhe von 22 Millionen Euro sowie weitere neun Millionen Euro an möglichen Boni ein. Damit geht Adeyemi für weniger Geld, als er Borussia Dortmund damals an Ablöse kostete.
Allerdings sicherten sich die Schwarz-Gelben eine Weiterverkaufsbeteiligung in Höhe von 35 Prozent. Hilfreich für den erfolgreichen Transfer war dabei die gute Verbindung zwischen dem Star-Berater Jorge Mendes, der den Flügelflitzer vertritt, und Barca-Präsident Joan Laporta.
Adeyemi verdiente in Dortmund inklusive Boni rund sieben Millionen Euro brutto pro Jahr. Bei den Katalanen wird er sechs Millionen Euro netto einnehmen. Mehr Geld wäre da bei einem Verbleib geflossen: Ein Angebot zur Verlängerung beim BVB mit einem deutlichen Gehaltsanstieg hatte Adeyemi jedoch ausgeschlagen. Nun hat Dortmund einen Topverdiener weniger auf der Gehaltsliste und besitzt mehr Handlungsmöglichkeiten auf dem Transfermarkt.
Erstes Wunschziel ist Konstantinos Karetsas vom KRC Genk, der in Dortmund die Brandt-Nachfolge antreten soll. Die letzte BVB-Offerte lag im Gesamtpaket zwar über dem bisherigen Genker Rekordtransfer von Tolu Arokodare zu den Wolverhampton Wanderers für 26 Millionen Euro, blieb jedoch unter den von Genk geforderten 35 Millionen Euro.
Dagegen bekommt der FC Barcelona mit Adeyemi einen Spieler, der sich auf den ersten Blick hauptsächlich über seine Geschwindigkeit definieren lässt. Unvergessen bleibt etwa sein Solo-Tor gegen den FC Chelsea im Achtelfinale der Champions League, als er nach einem Konter die komplette Defensive abschüttelte und eiskalt vollendete. Auch bei Spitzengeschwindigkeiten behält er durch seine Technik den Ball eng am Fuß - schwer zu verteidigen für Abwehrspieler in der Defensivbewegung.
Löst Adeyemi sein Versprechen ein?
Dass Adeyemi das Potenzial zum internationalen Topspieler besitzt, steht seit Jahren außer Frage. Gleichzeitig war seine Karriere bislang immer wieder von Leistungsschwankungen und einigen Eklats geprägt. Auf herausragende Auftritte folgten häufig längere Phasen, in denen er sein Niveau nicht konstant halten konnte.
Dennoch hat der Angreifer mehrfach gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Besonders sein Dreierpack gegen Celtic Glasgow in der Champions League, den er bereits nach 42 Minuten perfekt gemacht hatte, zählt zu den denkwürdigsten Vorstellungen seiner Dortmunder Zeit.
Nun liegt es an Adeyemi selbst, die Erwartungen bei einem der größten Klubs der Welt dauerhaft zu erfüllen und den nächsten Schritt in seiner Karriere zu gehen.
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