Wer wird im Sommer neuer Trainer bei Real Madrid? - Hamann schätzt Situation ein
Bei Real Madrid herrscht nicht erst nach der Trainerentlassung von Xabi Alonso Unruhe.
16.01.2026 | 13:05 Uhr
Das Aus von Xabi Alonso zeigt, wie schwer es ein Trainer mit dem Starensemble in Madrid hat. Ein Real-Insider und Sky Sport Experte Didi Hamann ordnen die Situation bei den Königlichen ein.
"Real Madrid ist untrainierbar". Diesen Satz hört man häufig von Fußball-Fachleuten. Und diese Erfahrung musste auch Xabi Alonso machen. Nach nur einem halben Jahr wurde der ehemalige Real-Star am Montag vor die Tür gesetzt und durch Alvaro Arbeloa ersetzt.
Arbeloa, Alonsos ehemaliger Teamkollege in Madrid und in Spaniens Nationalmannschaft, blamierte sich bei seinem Einstand und schied am Mittwochabend mit Real bei Zweitligist Albacete aus dem Pokal aus.
Real verliert Finale gegen Barcelona
Nach der 2:3-Niederlage im Supercup gegen den FC Barcelona, die Alonsos Aus besiegelte, war es die zweite Pleite innerhalb weniger Tage und die zweite Titelchance, die in der laufenden Saison bereits verspielt wurde.
"Letztes Jahr hat man schon nichts gewonnen, eine weitere Saison ohne Titel wäre eine Katastrophe", sagt der in Madrid lebende Real-Insider Miguel Gutierrez. Nur wenn Arbeloa es schaffe, den Kader in den Griff zu bekommen und die Königlichen wieder in die Spur zu führen, dürfe der Ex-Profi, der zuletzt Reals zweite Mannschaft trainiert hatte, auf eine Zukunft als Chefcoach hoffen.
Wer auch immer im Sommer auf der Bank der Königlichen sitzt, es wird keine leichte Aufgabe sein. "Real Madrid ist eigentlich untrainierbar", sagt auch Gutierrez. "Die Mannschaft ist keine Einheit, Spieler sind Ich-AGs, sie meinen, dass sie schon alles können," erklärt der Spanien-Experte.
Daran sei auch Alonso gescheitert. "In Leverkusen war er für die Spieler eine Lichtgestalt. Wenn Xabi in Madrid den Profis etwas erklären wollte, ist er oft auf taube Ohren gestoßen."
Real lebt von Automatismen
Auch Didi Hamann lässt kein gutes Haar an den Königlichen. "Jürgen Klopp hat es nach Alonsos Aus richtig gesagt: Wenn die heißeste Aktie im Trainermarkt nach sechs Monaten bei Real Madrid verbrannt wird, dann weiß man, dass im Verein oder in der Mannschaft etwas nicht stimmt", sagt der Sky Sport Experte.
Hamann glaubt, dass die Trennung von Alonso selbst ausging, weil er gesehen habe, dass die Mannschaft nicht trainierbar sei.
"Sie lebt von ihren Automatismen. Carlo Ancelotti hat sie mehr oder weniger einfach spielen lassen, seine Trainingseinheiten waren lasch", erzählt Gutierrez über Alonsos Vorgänger, der mit Real drei Mal die Champions League gewann, zuletzt 2024, als Real auch den Titel in der spanischen Liga holte.
An diese Erfolge wollen die Königlichen wieder anknüpfen. In der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Barcelona vier Punkte. Das Team von Trainer Hansi Flick wirkt deutlich stabiler als die Hauptstädter.
Dirigenten Kroos & Modric fehlen Real
"Das nächste Auswärtsspiel bei Villarreal könnte schon vorentscheidend sein", glaubt Gutierrez. In der Champions League ist Real vor dem Heimspiel gegen Monaco zwar auf Achtelfinalkurs, aber in der Königsklasse waren die Madrilenen in der vergangenen Saison im Viertelfinale gegen Arsenal klar unterlegen.
Seit die Mittelfeld-Dirigenten Toni Kroos und Luka Modric den Verein verlassen haben, läuft Real international der Musik hinterher.
Fachleute und Medien werfen dem Klub vor, nach den Abschieden von Kroos und Modric keinen zentralen Mittelfeldspieler geholt zu haben, der den Taktstock in die Hand nimmt.
Die beiden argentinischen Weltmeister Alexis Mac Alister (Liverpool) und Enzo Fernandez (Chelsea) werden als Kandidaten für das Mittelfeld gehandelt. "Im Sommer muss etwas auf dem Transfermarkt passieren", ist sich Gutierrez sicher.
"Klopp ist in Spanien beliebt"
Für Hamann muss sich bei Real grundsätzlich etwas ändern. "Wenn du die Szenen nach dem letzten Clasico siehst, als die Spieler Alonsos Anweisungen nicht gefolgt sind, weißt du, dass die Mannschaft ein verwöhnter Haufen von Individualisten ist. Alle kennen ihre Rechte, aber keiner seine Pflichten, die du hast, wenn du bei Real Madrid spielst", erklärt der ehemalige Mittelfeldspieler, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewann.
"Den letzten Funken Anstand hat dieser Verein verloren, nachdem Kroos und Modric aufgehört haben. Mit dem Abgang der beiden hat der Verein komplett den Verstand verloren", urteilt Hamann.
"Klopp ist in Spanien beliebt, aber die Frage ist, ob Präsident Florentino Perez ihn will und ob sich Klopp sich ein solches Himmelfahrtskommando antun würde", meint Real-Insider Gutierrez.
Alonso zurück in die Bundesliga?
"Dass Klopp Madrid als Trainer übernimmt, kann ich mir nicht vorstellen", sagt Hamann: "Es würde mich noch mehr überraschen als sein Wechsel zu Red Bull."
Dass Alonso wieder einen guten Verein finden wird, davon ist der Sky Sport Experte überzeugt. "Vielleicht wäre auch eine Rückkehr nach Deutschland eine Option für ihn. Er hat großen Respekt vor der Bundesliga, sie ist ein gutes Produkt und ich würde eine Rückkehr nicht ausschließen. Es gibt im Moment keine Vakanz, aber das kann sich ändern."
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