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Werder Bremen nach Pleite gegen Paderborn wieder im Tabellenkeller

Ohne Abstiegskampf unten drin: Kohfeldts Balance-Akt bei Werder

Robert Gherda

11.12.2019 | 21:00 Uhr

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Sky Reporter Sven Töllner schätzt die Situation an der Weser ein (Videolänge: 3:08 Minuten).

Die Heimniederlage in letzter Minute gegen Aufsteiger SC Paderborn war der Tiefpunkt einer bislang verkorksten Saison bei Werder Bremen. Trotz des Rückschlags wollen die Bremer ihren Prinzipien allerdings treu bleiben. Eine Strategie, die sinnvoll ist - aber auch Gefahren birgt

Eigentlich glaubten die Werder-Verantwortlichen, dass Florian Kohfeldt und sein Team die Talsohle in dieser Spielzeit bereits durchschritten hätten. Die Bremer beendeten gerade erst eine Sieglosserie von acht Spielen durch einen späten Treffer von Milot Rashica beim 3:2-Erfolg am 13. Spieltag beim VfL Wolfsburg.

Kohfeldt nach Paderborn-Pleite sauer

Mit diesem Dreier im Gepäck wollten die Hanseaten gegen die bis dahin auswärts noch sieglosen Paderborner nachlegen, um mit dem nötigen Selbstvertrauen am kommenden Samstag zum FC Bayern München (ab 14:00 Uhr live und exklusiv bei Sky) zu reisen. Doch gegen den Aufsteiger lief bei Werder wenig zusammen und am Ende unterlag die Kohfeldt-Elf nach einem Last-Minute-Treffer sogar noch mit 0:1. Der Aufschwung aus dem Wolfsburg-Spiel war dahin und der Coach bedient:

"Es ist natürlich schon so, dass du letzte Woche das Gefühl hattest, jetzt können wir bis Weihnachten noch mal einen Schritt machen und dann bekommst du heute wieder richtig einen auf den Deckel", ärgerte sich der 37-Jährige im Interview nach dem Spiel bei Sky Sport.

Vor allem die Art und Weise sorgte für schlechte Laune bei Kohfeldt: "Es war heute nicht gut. Wir haben es nicht so erzwungen, wie wir es wollten. In der ersten Halbzeit war es nicht gut, dann ist es natürlich fast schon dramatisch, kurz vor Schluss das Gegentor zu kriegen", so der gebürtige Siegener. Und weiter: "Aber wir haben nicht genug dafür getan, um zu gewinnen. Deshalb bin ich enttäuscht und sauer. Wir sind in einer schweren Situation. Wir müssen da jetzt durch."

Werder und Abstiegskampf - klappt das?

Auch die Spieler zeigten sich nach der ideenlosen Vorstellung gegen die Ostwestfalen selbstkritisch: "Ich denke, wir waren heute zu schlampig in unseren Ballbesitzphasen. Wir haben klar das Spiel dominiert, aber wir haben heute keine guten Pässe gespielt, zu einfache Fehler gemacht", bemängelte Leonardo Bittencourt und ergänzte:

"Das war einfach mangelnde Qualität im Passspiel. Wenn du das sauberer ausspielst, kreierst du noch mehr Torchancen. Wir hatten Chancen, die man auch hätte machen können, aber letztendlich ist das einfach zu wenig. Dann verlierst du zu Hause und steckt mitten im Abstiegskampf."

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4:13
Das Problem von Werder Bremen ist laut Coach Florian Kohfeldt derzeit die fehlende Balance zwischen Offensivfußball und Defensivarbeit. Gegen Schalke soll das besser werden (Videolänge: 4:13 Min.).

Werder mitten im Abstiegskampf? Bei Tabellenplatz 14 und nur 14 Zählern nach 14 Spieltagen eine durchaus berechtige Feststellung, aber Kohfeldt will diesen Begriff zumindest öffentlich nicht in den Mund nehmen. "Sein Punkt ist, dass das Wort 'Abstiegskampf' Dinge mit sich führt wie 'kratzen', 'beißen' oder 'lange Bälle schlagen'. Dafür ist diese Mannschaft aber nicht zusammengestellt. Das weiß auch Kohfeldt, deshalb wehrt er sich auch mit Händen und Füßen gegen dieses Emblem", erläutert Sky Reporter und Werder-Insider Sven Töllner.

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Kohfeldt will "unseren Fußball weiterspielen"

Tatsächlich erklärte der Werder-Coach nach dem Paderborn-Spiel, dass man sich zwar schon bewusst sein müsse, dass man in einer "schweren Situation" sei, forderte aber gleichzeitig, dass das Team "mit unseren Qualitäten da rauskommen" müsse. "Wir müssen unseren Fußball weiterspielen. Das ist sehr wichtig. Das haben wir heute nicht getan und deshalb haben wir heute verloren. Das ist sehr ärgerlich", erläuterte Kohfeldt am Sky Mikro.

Kohfeldt und Werder wollen sich also treu bleiben und mit spielerischen Mitteln aus der aktuellen Misere befreien. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass diese Strategie auch schief gehen kann. Erst in der vergangenen Spielzeit fanden sich beispielsweise mit dem VfB Stuttgart und dem FC Schalke 04 zwei Teams mit einem völlig anderem Selbstverständnis im Abstiegskampf wieder. S04 schaffte die Rettung, die Schwaben mussten über den Umweg Relegation den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

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Werder-Bosse vom Coach überzeugt

An der Weser sind die Bosse jedoch überzeugt, dass dies Werder unter Kohfeldt nicht passieren wird. Der Coach steht - im Gegensatz zu seinen Vorgängern in ähnlichen Situationen - nicht zur Diskussion. Im Gegenteil: "Die Verantwortlichen schätzen die Situation immer noch so ein, dass sie ein überragendes Trainertalent bis 2023 unter Vertrag haben. Kohfeldt hat bereits Akzente gesetzt, die auf darauf hoffen lassen, dass in dieser Kombination an vergangene glorreiche Tage angeknüpft werden kann", skizziert Töllner die Überlegungen bei den Norddeutschen.

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Dazu muss Kohfeldt aber die bedrohliche Situation in der Gegenwart möglichst schnell in den Griff bekommen. Am besten schon im nächsten Spiel beim FC Bayern, sonst wird der Weg durch die Talsohle dieser Spielzeit doch einiges länger, als sich die Verantwortlichen vorgestellt hatten.

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