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Werder Bremen startet im Kellerduell bei Fortuna Düsseldorf in die Rückrunde

Nach schwarzem Dezember: Werder vor wichtigsten Halbserie der Vereinsgeschichte

Sven Töllner

17.01.2020 | 19:07 Uhr

Florian Kohfeldt und Werder Bremen stehen vor der wichtigsten Rückrunde der Vereinsgeschichte
Image: Florian Kohfeldt und Werder Bremen stehen vor der wichtigsten Rückrunde der Vereinsgeschichte © Getty

Werder Bremen steht nach einer schwachen Hinrunde auf dem 17. Tabellenplatz. Zum Auftakt geht es zum Kellerduell nach Düsseldorf. Für die Bremer ein Start in eine schwere Rückrunde.

Als habe das Schicksal kurz vor Beginn der wichtigsten Halbserie der Vereinsgeschichte noch eine besondere Pointe setzen wollen. 17 Spiele haben die Bremer - nach dem katastrophalen Hinrunden-Finale gramgebeugt und verletzungsgeplagt - Zeit und Gelegenheit, den Abstieg zu verhindern. Der Abzug für den Startschuss ist quasi gespannt, alle vorhandene Energie gebündelt - da macht die Lokomotive schlapp.

Trainer Kohfeldt mit Fußverletzung

Wegen einer schmerzhaften Fußverletzung fällt Florian Kohfeldt mindestens zwei Arbeitstage aus. Dabei ist es vor allem der junge Trainer, auf dem die Hoffnungen eines ganzen Vereins ruhen.

Im Unterschied zu seinen Spielern Bargfrede, Augustinsson, Füllkrug, Gebre Selassie, und wohl auch Bittencourt, soll Kohfeldt allerdings am Samstag in Düsseldorf auf der Bank sitzen. "Wahrscheinlich mehr, als man es von ihm gewohnt ist", witzelte Sport-Geschäftsführer Frank Baumann bei der letzten Pressekonferenz vor dem Auftakt zu einer Rückrunde, in der es für ihn und seinen Klub ums sportliche Überleben gehen wird.

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Klar, dass dem Auftritt des Tabellen-17. beim Tabellen-16. eine erhebliche Bedeutung beizumessen ist. Vor allem für Werder. Der Absturz ins muffige Kellergewölbe der Tabelle hat viele Beobachter überrascht - vor allem aber die Bremer selbst.

Pleiten gegen Paderborn, Mainz und Köln

Entsprechend interessant wird es sein, zu beobachten, ob die abstiegskampferprobten Düsseldorfer auf adäquate Gegenwehr treffen werden. Im schwarzen Dezember, als die Werder-Verantwortlichen die prekäre Lage (ganz sicher nicht zu früh) auch öffentlich anerkannt hatten, hatte die Mannschaft eines überdeutlich unter Beweis gestellt: Für den Kampf um den Klassenerhalt fehlt ihr Alles.

Pleiten gegen die direkten Konkurrenten Paderborn, Mainz (0:5 daheim!) und Köln hatten den Auftrag für die Winterpause ohne Interpretationsspielraum definiert: Es geht ausschließlich darum, das Rüstzeug für die Rettung anzulegen.

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Werder Bremen: Kohfeldt mit Lobeshymne auf Vogt

Für Kohfeldt, seit Amtsantritt als Liga-Überflieger mit brillanten Zukunftsperspektiven unterwegs, beginnt nun die schwerste Prüfung seiner jungen Profi-Karriere. Mittlerweile nur noch körperlich angeschlagen, hat der 37-jährige die kurze Verschnaufpause offenbar nutzen können, um wieder Zuversicht zu spüren - und auszustrahlen! Der Trainer muss die Trendwende initiieren, seine Spieler für die unangenehme Aufgabe begeistern.

Es gibt nichts mehr zu gewinnen - nur die Spielberechtigung für die Bundesliga in der Saison 20/21. Für einen, der den Deutschen Meister von 2004 mit ästhetischer Leichtigkeit endlich zurück nach Europa navigieren wollte, muss sich das anfühlen, als würde man Paul McCartney damit beauftragen, den Song fürs DJ-Ötzi-Comeback zu komponieren. Irgendwie unwürdig.

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Neuzugang Vogt als Hoffnungsträger

Und doch hat Kohfeldt sich die Veränderung der Anforderungen bewusst gemacht. Seine Spieler müssen die Aufgabe ebenso verinnerlichen. Dafür hat der Trainer zu sorgen. Ob die Arbeit auf Mallorca die gewünschten Früchte tragen wird, lässt sich vor der wegweisenden Partie in Düsseldorf nicht belastbar bewerten.

Leise Zweifel würden aber wohl selbst eingefleischteste Grün-Weiße nicht als Schwarzmalerei deklarieren. Verkürztes Trainingslager, weil ein Testgegner absagte - Pech. Dosierte Intensität als Konsequenz aus der absurden Verletzungswelle während der Hinrunde - okay. Anderthalb freie Tage in einem sechstägigen Vorbereitungscamp - ungewöhnlich. Trotz alledem neue Verletzte und ein dürftiger Auftritt gegen den italienischen Drittligisten AC Monza (2:2) - alarmierend.

Als ausgesprochen anspruchsvoll gestaltete sich zudem die Suche nach den dringend benötigten neuen Impulsgebern. Mit wenig Geld auf dem komplizierten Wintermarkt shoppen zu gehen, ist kein Vergnügen. Aber eben notwendig, wenn man im Sommer zu oft danebengegriffen hat.

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Kevin Vogt spricht über die Gründe seines Wechsels von der TSG Hoffenheim zu Werder Bremen. (Videolänge: 00:45 Minuten)

Eine glückliche Fügung zauberte Chefeinkäufer Frank Baumann allerdings eine Top-Option auf den Tisch. Dubiose interne Auseinandersetzungen vertrieben Kevin Vogt aus seiner Hoffenheimer Wahlheimat und machten den Weg frei für einen Leih-Transfer an die Weser. Charakterlich und fußballerisch ist der 28-jährige Ex-TSG-Kapitän wohl der Spieler, den Kohfeldt und Baumann sich gebacken hätten, um die verzwickte Gesamtlage zum Positiven zu beeinflussen.

Schwächephasen nicht erlaubt

Gemeinsam mit den genesenen Moisander und Toprak soll der neue Abwehrchef mit Anführerpotenzial der bröckeligen Statik ein stabiles Fundament geben. Die Defensive gewinnt Meisterschaften - oder verhindert Abstürze. So hoffen die Bremer zumindest - und setzen darauf, dass sich dadurch auch in der Vorwärtsbewegung mehr Esprit und Effektivität entwickeln.

Rashica und Sargent sind Profis mit überdurchschnittlichem Potenzial. Der alte Pizarro (41) und der junge Woltemade (17) möglicherweise Spieler für ein paar besondere Momente. Die Führungskräfte Klaassen und Eggestein müssen für Balance sorgen und verlässlich den angemessenen Takt finden.

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Schwächephasen darf sich die Bremer Mannschaft angesichts der Tabellensituation in der Rückrunde nicht mehr erlauben. Ein Fehlstart in Düsseldorf könnte fatale Folgen haben, ein Sieg bei der Fortuna hingegen Blockaden lösen.

Am Samstag in der Merkur Spiel-Arena müssen die Bremer jedenfalls von der ersten Minute an zeigen, dass sich alle Beteiligten dem Ernst der sportlichen Lage bewusst sind. Ein erfolgreicher Auftakt würde wohl auch dazu beitragen, dass Florian Kohfeldts Fußschmerzen ein wenig gelindert würden - egal, ob der Trainer das Spiel von der Bank aus verfolgen wird oder von der heimischen Couch.

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