"Wir müssen uns schämen“: Hütter und Burkardt rechnen nach Frankfurt-Debakel ab
Eintracht Frankfurt erlebt bei RB Leipzig ein Debakel und kassiert sechs Gegentore. Trainer Adi Hütter spart nach dem 0:6 weder mit Kritik an der Mannschaft noch an seinen Führungsspielern.
10.10.2026 | 22:53 Uhr
Nach der deutlichen Pleite in Leipzig zeigen sich die Frankfurter schonungslos selbstkritisch. Hütter spricht von einer Leistung zum Schämen, kritisiert das Defensivverhalten scharf und erklärt die Auswechslung von Kapitän Robin Koch. Auch Sportvorstand Markus Krösche und die Spieler finden klare Worte.
Martin Demichelis (Trainer RB Leipzig) ...
… zum Druck auf seine Person und die Mannschaft: "Ein großer Verein hat immer große Ziele. Der Druck ist immer da. Ich weiß genau, welche Ziele dieser Verein hat. Wenn man nicht gewinnt oder nicht gut spielt, ist die Kritik da. Ich akzeptiere das und versuche jeden Tag, meine Jungs weiterzuentwickeln. Das ist meine Aufgabe. Wir haben heute von Anfang bis Ende ein gutes Spiel gemacht. Am Schluss konnte ich viel rotieren. Ich bin sehr zufrieden."
… zu den unterschiedlichen Heim- und Auswärtsleistungen: "Das ist eine gute Frage, auf die ich keine richtige Antwort habe. Wir müssen versuchen, auswärts genau das Gleiche zu machen wie in unseren letzten drei Heimspielen. Mit der gleichen Überzeugung, dem gleichen Mut und der gleichen Gier. Zuerst haben wir am Dienstag das Spiel gegen Eindhoven. Danach wartet Bayern München. Es ist nicht einfach, dort zu gewinnen. Aber wir werden dafür arbeiten und mit Selbstvertrauen und Mut in dieses Spiel gehen."
Marcel Schäfer (Geschäftsführer Sport RB Leipzig) ...
… zum 6:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt: "Wir sind super happy. Wir sind mit dem Ziel ins Spiel gegangen, eine gute Leistung abzuliefern. Mit dem Doppelschlag sind wir gut gestartet. Danach haben wir in der ersten Halbzeit 20 bis 25 Minuten die Spielkontrolle verloren. Frankfurt hatte Möglichkeiten, vielleicht nicht die hochkarätigsten Chancen, aber sie hätten verkürzen können. Dann haben wir vor der Halbzeit erneut einen Doppelschlag erzielt. Mit dem 4:0 war das Spiel so gut wie entschieden. Über 90 Minuten war es eine sehr gute Leistung. Wir sind sehr zufrieden."
… zum offensiven Spielstil der Leipziger: "Wir haben nach der 4:0-Führung versucht, immer weiter nach vorne zu spielen. Das habe ich vor dem Spiel schon gesagt: RB steht für attraktiven Fußball. Wir wollen mit hoher Intensität nach vorne spielen. Das ist uns heute größtenteils gelungen, wenn auch nicht komplett."
… zum Druck und den Ambitionen von RB Leipzig: "Wir wollen dauerhaft in der Champions League spielen und in allen Wettbewerben maximal erfolgreich sein. Wir haben große Ambitionen und möchten denen gerecht werden. Es ist immer Druck drauf. Wir wissen, dass wir gerade in unseren Heimspielen liefern müssen. Wir stehen alle unter Beobachtung."
Christopher Nkunku (Dreifachtorschütze RB Leipzig) ...
… zum deutlichen Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht und sehr gut angefangen. Wir haben offensiv und defensiv zusammengearbeitet. Die drei Wochen Pause haben uns geholfen, uns auf dieses Spiel vorzubereiten. Es war eine gute Art, heute Abend zu gewinnen. Wir sind alle glücklich."
… zu seiner Rückkehr zu alter Stärke: "Wir hatten drei Wochen Zeit, um uns gut vorzubereiten. Aber die Mannschaft ist eine andere als damals, als ich hier gespielt habe. Wir sollten das nicht miteinander vergleichen. Diese Saison ist ganz anders. Aber wir verfolgen die gleichen Ziele und versuchen, sie am Ende der Saison zu erreichen."
… zu seinen drei Toren gegen Frankfurt: "Es ist nicht einfach. Man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein und das Gefühl dafür haben, wann die Bälle kommen. Dann muss man bereit sein. Heute bin ich glücklich, dass die Bälle immer auf meinem linken Fuß gelandet sind und ich drei Tore erzielen konnte."
… zu den kommenden Spielen gegen Eindhoven und Bayern München: "Zunächst haben wir ein wichtiges Spiel gegen die PSV Eindhoven in der Champions League. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Danach haben wir drei Tage Zeit, um uns auf Bayern München vorzubereiten. Wir wissen alle, dass Bayern die beste Mannschaft der Bundesliga ist. Wir müssen bereit sein, gegen sie zu kämpfen."
Adi Hütter (Eintracht Frankfurt)
… zur 0:6-Niederlage gegen RB Leipzig: "Wenn du auswärts in der Bundesliga mit 0:6 verlierst, musst du dich dafür schämen. Besonders gegenüber unseren Fans. Es geht auch um den Klub. Wir können nicht einfach 0:6 verlieren. Trotzdem hatten wir unsere Möglichkeiten. Leipzig hat aus zehn Torschüssen sechs Tore gemacht, wir hatten neun und haben keines erzielt. Zwischendurch waren wir gut im Spiel, gerade nach der Chance von Ritsu Doan. Aber wenn man sich die Gegentore anschaut, waren sie viel zu einfach und viel zu billig. Das ist nicht bundesligatauglich. Ich bin sehr enttäuscht. Teilweise hat mir unser Offensivspiel gefallen, aber wir müssen zehnmal besser verteidigen."
… zur Auswechslung von Kapitän Robin Koch: "Ich habe Robin Koch auch deshalb ausgewechselt, weil mir die Leistung eines Führungsspielers nicht gereicht hat. Wir diskutieren immer über Dreier- und Viererkette. Aber für einen Führungsspieler war mir das heute zu wenig. Deshalb habe ich ihn herausgenommen. Das muss ein Führungsspieler auch einmal aushalten."
… zu den fehlenden Zweikämpfen und der mangelnden Leidenschaft: "In Mainz haben wir viel leidenschaftlicher verteidigt. Wir haben uns in die Schüsse geworfen und füreinander gekämpft. Das haben wir heute vermissen lassen. Natürlich hat Leipzig individuell noch mehr Qualität als mancher andere Gegner. Aber es geht um unsere Einstellung zum Verteidigen. Da waren wir heute nicht gut genug."
Markus Krösche (Sportvorstand Eintracht Frankfurt) ...
… zur deutlichen 0:6-Niederlage in Leipzig: "Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir heute verloren haben, vor allem in dieser Höhe. Wir sind total schlecht ins Spiel gestartet, haben nach 40 Sekunden das erste Tor bekommen und relativ schnell das zweite. Danach haben wir uns etwas erholt, kassieren aber kurz vor der Halbzeit wieder einen Doppelschlag. Wir haben heute einfach nicht gut verteidigt. Das sechste Tor ist symbolisch dafür: Ein Spieler kann 60 Meter über den Platz laufen, keiner attackiert ihn und am Ende kann er sogar noch abschließen. Da fehlen uns Konsequenz und Aggressivität. Gerade in den Eins-gegen-eins-Duellen haben wir es nicht gut gemacht."
… zu den 16 Gegentoren nach fünf Bundesligaspielen: "Das ist deutlich zu viel. Wenn man sich die Gegentore anschaut, erkennt man immer wieder das gleiche Muster. Uns fehlen noch die Aggressivität und die Aktivität im Verteidigen. Daran müssen wir arbeiten, als Mannschaft und individuell."
… zur Unterstützung durch die Frankfurter Fans: "Unsere Fans unterstützen uns immer bis zum Schluss. Auch heute wieder: Hut ab vor ihnen. Wir haben wirklich kein gutes Spiel gemacht und trotzdem haben sie uns bis zum Ende unterstützt. Das ist eine große Stärke unseres Vereins. Jetzt müssen wir mit der Mannschaft arbeiten, die Dinge verbessern und vor allem aggressiver und aktiver verteidigen."
… zur Entwicklung der jungen Frankfurter Mannschaft: "Wir haben eine junge Mannschaft mit vielen guten Spielern, die noch lernen müssen und auch Fehler machen werden. Das ist der Weg, den wir gegangen sind und weitergehen wollen. Wir müssen akzeptieren, dass Spieler Fehler machen. Entscheidend ist aber, daraus zu lernen. In den nächsten Wochen müssen wir die Dinge, die wir als Mannschaft und individuell nicht gut gemacht haben, deutlich verbessern. Wir brauchen eine ganz andere Aggressivität und Aktivität im Verteidigen."
… zu den Schwierigkeiten des Frankfurter Transfermodells: "Wir geben immer wieder unsere besten Spieler ab. Das gehört dazu, das müssen 90 Prozent der europäischen Vereine auch. Wenn du Qualität verlierst, musst du sie ersetzen. Das dauert und hat mit Geduld zu tun. Dazu haben wir jetzt einen neuen Trainer, eine neue Spielidee und einen neuen Ansatz. Auch das braucht Zeit. Wir haben in den vergangenen Jahren immer Geduld gehabt und die Spieler haben sich entwickelt. Das werden wir auch in diesem Jahr so machen."
Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt) ...
… zum schlechten Spielbeginn und der 0:6-Niederlage: "Das war ein katastrophaler Start und das ganze Spiel war für uns heute zum Vergessen. Wir hatten unfassbare Abstände und haben total sorglos verteidigt. Das fängt vorne an. Wir schieben nicht mehr auf die zweiten Bälle. Leipzig hat uns häufig mit einfachen Doppelpässen überspielt und wir sind überhaupt nicht dazwischengekommen. Wenn du so schnell mit 0:2 zurückliegst, musst du dich erst einmal zurückziehen und sammeln. Nicht einmal das haben wir einheitlich geschafft. Das war schon krass heute."
… zu den fehlenden Absprachen und der Verantwortung der Spieler: "Das ist kein Kommunikationsproblem. Das Problem ist, dass jeder seinen eigenen Kopf hat und es an Verantwortung fehlt, die jeder für sich übernimmt. Wenn das fehlt, sieht es so aus wie heute in der ersten Halbzeit."
… zur Enttäuschung über die eigene Leistung: "Mir tut es sauleid für die Fans, die hierhergekommen sind. Mir tut es auch leid für meine Eltern, die extra nach Leipzig gefahren sind und sich so eine Scheiße anschauen mussten. Das tut heute richtig weh."
… zur Rolle der Führungsspieler: "Die Führungsspieler haben heute ganz klar versagt. Das muss man ehrlich sagen. Wir verlieren 0:6 und genau dann sind die Jungs gefragt, die den Laden zusammenhalten sollen. Das haben wir wieder nicht geschafft. Wir haben phasenweise mitgespielt und hatten auch ganz gute Chancen. Aber am Ende ist alles schiefgelaufen. Das ist extrem bitter."
… zu den defensiven Problemen der Eintracht (vor dem Spiel): "Wir sind noch nicht perfekt in die Saison gestartet, aber auch nicht sehr schlecht. Man muss sehen, dass wir im Sommer einen großen Umbruch hatten. Das große Thema ist unsere Balance zwischen Offensive und Defensive. Hoffentlich haben wir das heute besser im Griff. Daran müssen alle mitarbeiten, nicht nur die Defensive. Das fängt schon vorne an."
Noah Atubolu (Torwart Eintracht Frankfurt) ...
… zur 0:6-Niederlage und den 16 Gegentoren nach fünf Spielen: "Ich muss aufpassen, dass ich die richtigen Worte finde, weil ich so viel gleichzeitig im Kopf habe und gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. 16 Gegentore nach fünf Spielen sind ein Brett. So kann es auf keinen Fall weitergehen. Wir müssen ganz schnell etwas ändern. In diese Richtung wollen wir nicht gehen."
… zur Verantwortung gegenüber Verein und Fans: "Die Art und Weise, wie wir heute sechs Tore kassiert haben, geht überhaupt nicht. Wir spielen alle für Eintracht Frankfurt, einen der größten Vereine Deutschlands. Hier kommen dreieinhalbtausend Frankfurter Fans nach Leipzig und wir verlieren 0:6. Dafür müssen wir uns schämen. So darf es nicht weitergehen. Wir müssen darüber sprechen, das Spiel analysieren und dann zu Hause eine Reaktion zeigen."
… zum frühen 0:2-Rückstand und dem gescheiterten Matchplan: "Die Fans haben absolut recht. Wir bereiten uns die ganze Woche auf dieses Spiel vor. Jeder Einzelne von uns arbeitet unglaublich viel, auch wenn das draußen keiner sieht. Wir verbringen viel Zeit im Kraftraum und haben eine gute Atmosphäre in der Mannschaft. Dann kommen wir hierher und nach fünf Minuten steht es 0:2. Unser kompletter Matchplan ist über den Haufen geworfen. Das ist für jeden Einzelnen abartig, weil wir das, was wir unter der Woche erarbeiten, auf dem Platz nicht zeigen. Wir enttäuschen die Fans, den Trainer und uns selbst."
… zur notwendigen Selbstkritik innerhalb der Mannschaft: "Wir können uns jetzt nicht selbst anlügen. Wenn wir solche einfachen Gegentore kassieren, müssen wir uns gegenseitig die Wahrheit sagen. Ich hatte in der zweiten Halbzeit zeitweise das Gefühl, dass wir mit zwei Mann weniger auf dem Platz stehen. Man muss sich nur das letzte Gegentor anschauen, wie einfach das war. Dabei waren die Chancen zwischenzeitlich relativ ausgeglichen. Wir erzielen kein Tor und kassieren sechs. Leipzig musste sich bei manchen Angriffen gar nicht besonders anstrengen, um zu Chancen zu kommen. Trotzdem will ich nicht alles schlechtreden. Wir müssen uns jetzt alle ehrlich ins Gesicht schauen."
Sky Experte Lothar Matthäus ...
… zum beeindruckenden Leipziger Heimsieg: "Die Leipziger waren von Anfang an fokussiert und konzentriert. Frankfurt hat es ihnen bei einigen Gegentoren sehr einfach gemacht, aber es war trotzdem ein beeindruckender Sieg. Besonders die Art und Weise, wie Leipzig selbst nach dem 4:0 weiter nach vorne gespielt hat. Nicht nur die Tore, auch die Präsenz in und um den Strafraum war sensationell. Das hat Spaß gemacht."
… zur Rückkehr von Christopher Nkunku nach Leipzig: "Da sieht man, dass nicht immer nur der Name oder die Station wichtig ist, sondern wo man sich wohlfühlt, wo man geschätzt wird und seine Einsätze bekommt. Auch wenn man einmal zwei schlechtere Spiele hat oder eine schwächere Phase nach einer Verletzung. Hier bekommt Nkunku die Wertschätzung, die er bei Chelsea oder Milan nicht in dieser Form bekommen hat. Dort hat er vor allem die Chancen nicht bekommen. Jetzt gibt man einem Spieler mit dieser Qualität wieder die Möglichkeit, sich zu zeigen. Das gibt er dir mit Leistung und Toren zurück."
… zur katastrophalen Frankfurter Defensivleistung: "Ich habe heute die Einstellung vermisst. Drei Frankfurter Spieler stehen zusammen, jeder sagt dem anderen, was er zu tun hat, aber keiner greift den Ballführenden an. Wenn du deinen Gegenspielern so viel Platz in und um den Strafraum lässt, kassierst du automatisch Tore. Da hilft dir keine Fünfer-, Dreier- oder Viererkette. Du musst in die Zweikämpfe gehen und kompakt stehen, damit man sich gegenseitig unterstützen kann. Das war heute über weite Strecken des Spiels nicht der Fall."
… zur fehlenden Verantwortung der Frankfurter Führungsspieler: "Die Mannschaft war nicht organisiert. Dafür sind Spieler wie Robin Koch und Jonathan Burkardt verantwortlich, aber auch Ansgar Knauff und Nnamdi Collins, die mittlerweile genügend Bundesliga-Erfahrung haben. Sie müssen Verantwortung übernehmen, gerade wenn eine Mannschaft nicht funktioniert. Dann muss man erst einmal kompakt stehen und Gemeinsamkeit zeigen. Das ist den Frankfurtern heute vor allem in der Defensive überhaupt nicht gelungen. Auch der Torhüter muss da Verantwortung übernehmen."
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