Jamal Musiala und Florian Wirtz bereiten Sorgen - fünf Erkenntnisse zum DFB-Team
Die WM kann kommen! Mit den beiden Siegen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) hat die deutsche Nationalelf die Vorbereitung auf das Turnier positiv gestaltet.
07.06.2026 | 23:12 Uhr
Am Montag reist der Tross um Bundestrainer Julian Nagelsmann aus dem Zwischenquartier Chicago ins WM-Camp nach Winston-Salem, um den letzten Feinschliff vor dem Start der Gruppenphase am Sonntag gegen Curacao vorzunehmen.
Aus Chicago berichtet Kerry Hau
Was läuft gut? Was muss noch besser werden? Auf wen ist Verlass? Wer muss sich steigern? Sky Sport liefert fünf Erkenntnisse zur bisherigen Vorbereitung!
1. Kein Torhüterproblem
Auch wenn seit der Rückkehr von Manuel Neuer viel über die "Wade der Nation" diskutiert wurde: Nagelsmann hat unabhängig vom Gesundheitszustand der Nummer eins kein Problem zwischen den Pfosten. Oliver Baumann hat sich sowohl gegen die Finnen als auch gegen die US-Amerikaner von einer souveränen und zuverlässigen Seite präsentiert.
Vor allem beim Duell mit Mitgastgeber USA in Chicago betrieb der Keeper der TSG Hoffenheim mit mehreren starken Paraden Werbung in eigener Sache. Neuer soll nach Angaben von Nagelsmann zwar zu Beginn der Woche ins Mannschaftstraining einsteigen und dann auch gegen Curacao starten, aber im Zweifelsfall könnte er bedenkenlos auf Baumann setzen, der neben seinen sportlichen Fähigkeiten auch echte Teamplayerqualitäten zeigt. Er stellt seine Degradierung, obwohl sie für ihn "nicht cool" war, hinten an und unterstützt die Mannschaft. Das rechnen ihm seine Teamkollegen hoch an.
2. Sorgen um "Wusiala"
Auf Kai Havertz ist Verlass. Leroy Sane hat zumindest gegen die USA ein paar Pluspunkte gesammelt. Aber die beiden wichtigsten deutschen Offensivspieler, Florian Wirtz und Jamal Musiala, laufen vor dem Turnierstart ihrer Topform noch ein gutes Stück hinterher. Wirtz traf zwar gegen die Finnen, konnte bis dato aber nicht an seine starken Auftritte im März anknüpfen, als er zwei Traumtore gegen die Schweiz erzielte. Und auf Musialas Rückkehr zu alter Stärke wird nun schon länger gewartet. In puncto erster Kontakt, Entscheidungsfindung, Passgenauigkeit und Abschluss besteht bei ihm noch Handlungsbedarf. Deutschland braucht allen voran "Wusiala" bei 100 Prozent, um realistische Chancen auf den fünften Stern zu haben.
3. Steigerungsbedarf im Spiel ohne Ball
Für den WM-Titel, das haben mehrere Situationen gegen die USA gezeigt, braucht es auch eine bessere Abstimmung beim Verteidigen. Der flexiblen Viererkette mit dem immer wieder ins Mittelfeld ziehenden Joshua Kimmich fehlte häufiger die Unterstützung der Sechser. Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha präsentierten sich stark am Ball, wurden aber häufiger relativ simpel von den US-Amerikanern überspielt.
Kapitän Kimmich sagte schon nach dem Finnland-Test, bei den herausfordernden Temperaturen in den Staaten, Kanada und Mexiko "auch mal im tiefen Block" besser und enger verteidigen zu müssen. Gegen Curacao, dem 82. der FIFA-Weltrangliste, dürften die teils doch etwas zu großen Abstände im Spiel ohne Ball kein Problem darstellen. Für den weiteren Verlauf des Turniers sind Anpassungen allerdings unabdingbar.
4. Raum und Goretzka die Vorbereitungs-Verlierer
David Raum und Leon Goretzka reisten mit klaren Stammplatzambitionen zum ersten Vorbereitungsstandort Herzogenaurach. Die beiden Testspiele haben gezeigt, dass sie aktuell erst einmal in den Plänen von Nagelsmann hinten dran sind. Während Nathaniel Brown als Linksverteidiger überzeugt, ist der rechtzeitig wieder genesene Nmecha direkt ins Mittelfeld an die Seite von Pavlovic gerückt. Kein Spieler wurde in den vergangenen beiden Wochen so oft gelobt wie der BVB-Profi. Leader Kimmich sagte zum Beispiel: "Felix ist einer unserer talentiertesten Burschen. Wenn er fit ist, ist er sehr wichtig. Er macht es richtig, richtig gut."
5. Gute Chemie: Das DFB-Team lebt
Richtig, richtig gut ist auch die Team-Chemie, was nicht nur Baumanns Umgang mit seiner Rolle als Neuer-Vertreter zeigt. Die Spieler verstehen sich untereinander sehr gut und haben besonders in Chicago große Teile ihrer Freizeit gemeinsam gestaltet - mal in kleinen Grüppchen, mal als gesamtes Team. Von Spaziergängen am Lake Michigan oder Cafe-Hopping und kleine Shoppingtouren in Chicago Downtown: Das DFB-Team hat Spaß und lebt. Deutliche bessere Voraussetzungen als 2022 in Katar, als die Mannschaft sehr gespalten war - auch wegen der vielen Diskussionen um die Regenbogen-Binde.
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