Bayern-Patron Uli Hoeneß kritisiert DFB und Bundestrainer Jürgen Klopp
Der Ehrenpräsident des FC Bayern München spricht im exklusiven Interview mit RTL & Sky Sport über die deutsche Nationalmannschaft und Jürgen Klopp.
20.08.2026 | 10:01 Uhr
Hoeneß übt deutliche Kritik an den Strukturen des DFB und dem Einfluss von Klopps Berater Marc Kosicke. Zudem äußert er sich zum Scheitern der Nationalmannschaft bei der WM und zu FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Uli Hoeneß über ...
... Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer: "Ich persönlich halte Jürgen Klopp für einen sehr guten Trainer, wirklich einen sehr guten Trainer. Aber ich bin kein großer Freund der Heldenverehrung. Er kriegt jetzt schon so einen Status, als wenn er über Wasser gehen kann. Er kann auch nicht per Handauflegen alles verändern. Er wird, wie man ihn kennt, sehr hart arbeiten. Er wird auch vieles anders machen. Und es wird vieles besser werden. Aber man muss ihm Zeit geben und man darf vor allem nicht glauben, dass er der Messias ist. [...]
Was mir in der Geschichte nicht gefällt, ist, dass sein Berater Marc Kosicke mit eingekauft wurde. Ich weiß nicht genau, was er da machen soll. Das halte ich für ein Problem. Mir kommt die ganze Geschichte vor wie ein "friendly takeover". Klopp und Co. haben den DFB übernommen und das halte ich für falsch."
... die Zukunft des DFB: "Ich glaube, das Wichtigste im deutschen Fußball ist die Nachwuchsarbeit. Ich bin sehr glücklich, dass Per Mertesacker das jetzt übernimmt. Ich glaube, er macht erstens vernünftige Kommentare im Fernsehen. Zweitens hat er selbst auf hohem Niveau Fußball gespielt. Drittens hat er bei Arsenal acht Jahre lang die Akademie geleitet. Wenn er es nicht kann, wer sonst? Ich verspreche mir da einen ganz neuen Wind. [...]
Ich bin sowieso der Meinung, dass der DFB die Nationalmannschaften, die Frauen, die Männer, die U23 und die U19 ausgliedern müsste. In eine GmbH, die eine eigene Geschäftsführung hat mit einem Gewinnabführungsvertrag für den DFB. Es kann doch nicht sein, dass Landesfürsten darüber entscheiden sollen, wer Bundestrainer wird. Die haben ja keine Ahnung davon. [...] Der Fußball ist so hochprofessionell, da müssen Profis ran. Ich rate dem DFB also dringend, darüber nachzudenken, die Nationalmannschaften auszugliedern. Dann könnte ich mir vorstellen, kriegen wir eine neue Ära."
... die Fehler des DFB bei der WM 2026: "Ich finde, die Vorstellung unserer Mannschaft war eine einzige Katastrophe. Es war eine Blamage für unser Land. Das hat aber verschiedene Gründe. [...] Über Julian Nagelsmann ist genug gesagt worden. Ich glaube, er ist nicht alleine schuld. [...] Wir haben keine super Qualität, aber man kann trotzdem eine gute WM spielen. Die Argentinier haben es bewiesen. Sie haben keine gute Mannschaft, aber sie haben reingehauen wie verrückt. Das habe ich bei unserer Mannschaft vermisst.
Ich bin kein Freund, der sagt: Foul spielen. Aber von hart spielen und sich reinhauen bis zur letzten Konsequenz. [...] Ich habe vor der WM gesagt: Wir brauchen, wenn wir schon keine super Mannschaft haben, eine eingespielte Mannschaft. Und wir hatten keine eingespielte Mannschaft. Es war alles kreuz und quer, immer wieder was Neues probiert. Das ist Aufgabe der Vorbereitung und nicht der WM."
... FIFA-Präsident Gianni Infantino und dessen Einfluss auf sportliche Entscheidungen: "Herr Infantino hat in seinem Leben im Fußball einige Fehler gemacht, aber das war einer seiner größten. Wenn man einen Mann wie Donald Trump entscheiden oder beeinflussen lässt, ob ein Spieler gesperrt wird oder nicht, ist das der Anfang vom Ende, vom Wettbewerb. Und wenn wir so etwas akzeptieren, dann ist es nicht mehr mein Sport. Das ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit gewesen."
... Infantinos WM-Pläne: "Ich habe nicht für möglich gehalten, dass man auf so eine Idee kommen kann. Auch die ganze Entwicklung, die von Infantino nach vorne getrieben wird: Jetzt waren es 48 Mannschaften, demnächst werden es 64 sein. Wir haben unsere Spieler jetzt schon sechs Wochen zur Verfügung gestellt und dann wird das vielleicht noch länger. Das ist unglaublich. Ich bin wirklich für die kleinen Verbände, aber eine Weltmeisterschaft muss eine Eliteveranstaltung sein. [...] Sonst gibt es noch mehr Fernsehsender, die Geld bezahlen, aber eines bleibt dabei auf der Strecke: der Fußball."
... Infantinos Zukunft bei der FIFA: "Ich kann ihm nur raten, auf die UEFA zuzugehen und eine Lösung zu finden. Bei dem, was ich so höre, wird es sonst sehr eng für ihn im Frühjahr, wenn er überhaupt zur Wahl antreten kann."
... eine mögliche Vertragsverlängerung von Harry Kane: "Ich weiß, dass Max Eberl und Jan Dreesen einen sehr engen Kontakt zur Familie haben. Vater und Bruder sind die Berater, und die haben schon vor einiger Zeit begonnen, erste Gespräche zu führen. Das ist für mich nichts Neues. Diese Gespräche dauern in der Regel immer ein paar Wochen, ein paar Monate, aber die werden auf einem sehr guten persönlichen Niveau geführt. Ich bin ziemlich optimistisch, dass Harry bei uns verlängern wird, was für uns natürlich ein Segen wäre."
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