Borussia Dortmund News: Wie kompensiert Rose den Sancho-Abgang?
Sancho-Abgang bei Rose-Ankunft: Rückschritt & Chance zugleich
02.07.2021 | 15:06 Uhr
Kaum losgelegt, geht es schon Schlag auf Schlag: Mit dem bevorstehenden Transfer von Jadon Sancho zu Manchester United verliert Borussia Dortmund den Erfolgsgaranten und ein Aushängeschild der vergangenen Jahre. Eine Lücke, die es für den neuen BVB-Trainer Marco Rose nun zu schließen gilt.
Es war der Paukenschlag am Donnerstagmorgen: Eine Minute vor Beginn der Vorstellungs-Pressekonferenz des neuen BVB-Trainers Marco Rose bestätigte der börsennotierte Klub per ad-hoc-Mitteilung die grundsätzliche Einigung über einen Transfer ihres Superstars Jadon Sancho.
Der englische Edeltechniker wird demnach unter Vorbehalt des Medizinchecks für eine "fixe Transferentschädigung von 85 Millionen Euro" in Richtung Manchester United wechseln. Außerdem teilten die Red Devils auf ihrer Vereinsseite mit, dass es noch um Vertragsinhalte gehen würde.
Watzke und Rose bedauern Sancho-Verlust
Der Blockbuster-Transfer hatte sich in den letzten Tagen konkretisiert. Zwar konnte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke noch keinen Vollzug vermelden, der Wechsel wird jedoch aller Voraussicht nach über die Bühne gehen. "Es war sein Wunsch, letztes Jahr hat es ja nicht geklappt", erklärte Watzke und führte aus:"Jadon hat sich fantastisch verhalten und uns in der Rückrunde nach vorne gebracht."
Dennoch bedauert er vor allem den sportlichen Verlust: "Wir freuen uns nicht über das Geld, sondern sind traurig, dass er weg ist." BVB-Trainerneuzugang Rose, dessen Vorstellung folglich ein wenig in den Hintergrund gerückt ist, sieht dies ähnlich: "Die Qualitäten von Jadon waren unberechenbar genug. Jeder Trainer hat gerne einen Spieler wie Sancho im Team."
Dass der quirlige Flügelflitzer ein Ausnahmekönner ist, belegen auch die Zahlen. In vier Jahren erzielte der 21-Jährige in 137 Einsätzen 50 Treffer und legte 57 weitere auf. Insgesamt kommt das damalige Acht-Millionen-Euro-Schnäppchen von Manchester City wettbewerbsübergreifend alle 93 Minuten auf eine Torbeteiligung - eine beeindruckende Quote, die es für Dortmund nun zu ersetzen gilt.
Kreative Lösungen gesucht
Die BVB-Führung um Sportdirektor Michael Zorc und seinem designierten Nachfolger Sebastian Kehl ist nun gefordert, den Markt zu sondieren und Ersatz-Lösungen zu finden. Zu den Kandidaten zählen sowohl namhafte als auch unbekanntere Spieler: Eine Gemeinsamkeit: Alle sind schnell, technisch versiert und torgefährlich, aber dennoch weiß der neue BVB-Coach: "Wir werden keinen Jadon Sancho bekommen", betonte Rose und weiter: "Aber wir werden versuchen, kreative Lösungen zu finden."
ZUM DURCHKLICKEN: Die potenziellen Sancho-Nachfolger
Mit der Sockelablöse von 85 Millionen Euro dürfte zwar der ein oder andere Neuzugang finanziert werden können, einen adäquaten Ersatz für einen "Überspieler" wie Jadon Sancho kann allerdings niemand garantieren. Der englische Nationalspieler ist seit Beginn der Datenerfassung der jüngste Spieler, der die Marke von 45 Bundesliga-Assists geknackt hat - benötigte für den Meilenstein zudem mit nur 103 Einsätzen die wenigsten Spiele.
Dribbler, Torjäger und Vorlagenkönig
Auch seine Dribbelkünste sind in der Bundesliga unantastbar. Sancho kommt seit seinem Bundesliga-Debüt im Oktober 2017 auf 203 Take-Ons (Dribblingversuche eines angreifenden Spielers, Anm. d. Red.) und führt die Rangliste damit souverän an. Außerdem ist er der einzige Spieler, der in diesem Zeitraum mehr als 100 erfolgreiche Take-Ons ausgeführt hat.
Bei den Torvorlagen schneidet Sancho ebenfalls überragend ab. Seit 2018/19 übertrumpfen den pfeilschnellen Engländer in den europäischen Top-5-Ligen nur Thomas Müller und Lionel Messi. Außerdem ist der 21-Jährige einer Three-Lions-Legende auf der Spur: Mit mindestens zehn Assists in den vergangenen drei Spielzeiten macht Sancho David Beckhams Mega-Serie von 1997 bis 2001 Konkurrenz. "Becks" kam vier Jahre in Folge auf zehn oder mehr Vorlagen. Eine Serie, die seitdem kein Engländer erreichen konnte.
Neben sensationellen Dribbel- und Assistquoten können sich jedoch auch seine Vollstreckerwerte sehen lassen. Sancho erzielte bis zu seinem 21. Geburtstag 36 Bundesliga-Tore, wird in der Statistik nur von seinem BVB-Teamkollegen und Norwegens Wunderkind Erling Haaland getoppt.
Große Bewährungsprobe für Rose
Zahlen, die sich auf dem Transfermarkt nicht einfach erkaufen lassen. Folglich steht der neue BVB-Trainer vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Neben klugen Transfers der Vereinsführung gilt es für Rose nun vor allem, die Lücke des Offensiv-Stars im Team-Gefüge zu schließen: "Wir haben darüber geredet, wie wir die Qualitäten ersetzen können. Wir sehen darin die Chance, uns auf gewissen Positionen umzustellen."
Seine Vorstellungen hat der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach bereits bei seiner Antritts-Pressekonferenz unterstrichen. ''Die Art und Weise habe ich schon klar im Kopf. Ich denke, hier nach Dortmund passt Arbeiterfußball." Man wolle viel investieren, viel laufen, viel gegen den Ball arbeiten und schnell umschalten. "Es ist ein großes Paket, das wir vorhaben. Wir wollen Tore schießen und daran werden wir fleißig arbeiten", betonte Rose.
Liegt die Lösung im System?
Ohne Jadon Sancho, dafür aber mit kreativen Lösungen. Ein Ansatz könnte das Spielsystem sein, das Rose bei seiner Vorstellung noch offen ließ. "Wir wollen versuchen, flexibel zu sein - ob Dreier, - oder Viererkette oder Raute. Wir werden entscheiden, in welchen Positionen die Spieler am besten zur Entfaltung kommen", erklärt Rose.
Die Qualitäten sind auch ohne einen Sancho zweifelsohne vorhanden - vor allem in der Offensive. Mit Erling Haaland, Marco Reus, Thorgan Hazard, Raphael Guerreiro - um nur ein paar Namen zu nennen - stehen dem 44-jährigen Trainer zahlreiche Offensiv-Optionen von absolutem Top-Format zur Verfügung. On top wird auf dem Transfermarkt noch die ein oder andere Verstärkung dazukommen.
Nächstes Puzzle-Stück wohl im Anmarsch
Die Achillesferse der Schwarz-Gelben lag in der Vergangenheit ohnehin in der Defensive. Ein erster Ansatzpunkt für Rose: "Jetzt stehen Leistungstests an und dann werden wir direkt in Inhalte gehen. Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Wir werden daran arbeiten, die Defensive zu stabilisieren." Eine erste Abhilfe könnte Marcel Halstenberg leisten.
Der Linksverteidiger von RB Leipzig und EM-Fahrer mit dem DFB-Team lehnte nach Sky Informationen ein Angebot zur Vertragsverlängerung ab, wird die Roten Bullen spätestens im kommenden Sommer verlassen. Wie die Bild am Donnerstagabend berichtete, soll Dortmund konkretes Interesse hinterlegt haben. Die Westfalen möchten den 29-Jährigen demnach für kolportierte acht Millionen Euro in den Signa Iduna Park locken, RB fordert allerdings zwölf Millionen Euro.
Auch ohne Superstar Jadon Sancho scheint der Trainer einen klaren Plan zu verfolgen - möchte mit seiner Handschrift neue Impulse setzen und den Verlust des Youngsters im Kollektiv vergessen machen. Klar ist jedoch: Sanchos Abgang zu kompensieren, wird Roses erste große Herausforderung beim BVB.
Eine Herausforderung, an der er sich messen lassen wird und messen lassen muss.
Datenquelle: OPTA