Bundesliga: Die neuen Hoffnungsträger von Bayern, BVB, RB und Co. im Titelkampf
Plötzlich wichtig: Die neuen Hoffnungsträger im Bundesliga-Titelkampf
10.02.2023 | 23:16 Uhr
Der Meisterkampf in der Bundesliga ist in dieser Saison so spannend wie schon seit Jahren nicht mehr. Speziell nach der WM-Pause ist die Spitzengruppe nicht nur gefühlt, sondern auch tabellarisch enger zusammengerückt. Dies liegt u.a. an den neuen X-Faktoren bei den Titelkandidaten.
FC Bayern München - Joao Cancelo
Der Re-Start nach der Weltmeisterschaft verlief für den FC Bayern alles andere als zufriedenstellend. Neben den Unruheherden abseits des Platzes (Stichworte: Gucci-Gnabry, Neuer-Tapalovic-Thematik) stimmte es auch auf dem Rasen nicht. Drei 1:1-Remis in Folge gegen RB Leipzig, 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt ließen den Vorsprung der Münchner an der Tabellenspitze von Spieltag zu Spieltag schmelzen.
Der deutliche Sieg im Pokal-Achtelfinale beim FSV Mainz (4:0) könnte aber einen Wendepunkt in der bayrischen Rest-Saison darstellen - und dieser ist maßgeblich mit dem Namen Joao Cancelo verbunden. Der überraschende Last-Minute-Transfer des FCB benötigte überhaupt keine Anlaufzeit in München. Trainer Julian Nagelsmann brachte den Portugiesen, der von Manchester City bis Saisonende ausgeliehen ist, sowohl in Mainz also auch im Liga-Duell beim VfL Wolfsburg (4:2) von Beginn an.
Cancelo zahlte das Vertrauen umgehend mit Leistung und Scorerpunkten zurück. In Mainz legte der 28-Jährige das 1:0 durch Eric Maxim Choupo-Moting auf, in Wolfsburg assistierte der portugiesische Nationalspieler Kingsley Coman beim Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Kein Wunder, dass Cancelo bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft in der bayrischen Landeshauptstadt reichlich Lob zu hören bekam.
Durch seine Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit - Cancelo kann in verschiedenen Systemen sowohl rechts als auch links verteidigen - gibt der Portugiese Nagelsmann und den Bayern weitere Optionen und avanciert damit zu einem wichtigen Puzzlestück im Münchner Spiel. Neben den bekannten Leistungsträgern wie Jamal Musiala und Thomas Müller hat Bayern im Meisterkampf mit Cancelo nun für viele unerwartet einen weiteren, neuen X-Faktor hinzubekommen, der für den einen oder anderen Titel an der Säbener Straße sorgen soll. Dafür ist der 28-Jährige schließlich nach München gekommen.
1. FC Union Berlin - Kevin Behrens
Nach 19 Spieltagen steht Union Berlin für viele überraschend auf dem zweiten Tabellenrang. Die Köpenicker sind damit Bayern-Jäger Nummer eins - mit nur einem Zähler Rückstand auf den Rekordmeister. War vor der WM vor allem das Sturm-Duo Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu für zahlreiche Berliner Punkte verantwortlich, heißt der neue Erfolgsgarant und Hoffnungsträger seit dem Jahreswechsel Kevin Behrens.
Der gebürtige Bremer kommt im Jahr 2023 wettbewerbsübergreifend in fünf Spielen auf drei Tore - zwei davon waren dabei sogar die entscheidenden Treffer (das 2:1 in Bremen und das 2:1 im DFB-Pokal gegen Wolfsburg). Zum Vergleich: In seinen bisherigen 57 Spielen für Union gelangen dem Angreifer lediglich neun Treffer.
In der Bundesliga kam Behrens zuletzt sogar dreimal in Folge von Beginn an zum Einsatz - ein Umstand, der in dieser Saison bislang noch nicht zu beobachten war. So verwundert es auch nicht, dass Behrens' Leistungen zuletzt mit einer Vertragsverlängerung belohnt wurden. Gut möglich, dass diese dem Angreifer noch mehr Aufschwung verleiht. Union würde dies im Meisterkampf sicherlich freuen.
Borussia Dortmund - Emre Can & Sebastien Haller
Der BVB ist aktuell neben Union Berlin die heißeste Mannschaft in den Top 5 der Bundesliga. Seit dem Re-Start hat die Borussia alle vier Bundesliga-Spiele gewonnen - mit einem Torverhältnis von +8. Da kann aus der Spitzengruppe nur Union mit ebenfalls zwölf Punkten im Jahr 2023 mithalten (Torverhältnis von +6).
Dementsprechend ist dem BVB im Kampf um die Meisterschaft in diesem Jahr bislang der größte Sprung in der Tabelle gelungen. Standen die Schwarz-Gelben vor der WM noch abgeschlagen auf Platz sechs mit neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayern München, sind Marco Reus, Mats Hummels & Co. mittlerweile Dritter - lediglich drei Zähler hinter der Spitze.
Der Aufschwung beim BVB ist besonders an zwei Namen festzumachen, die im ersten Teil der Saison keine oder nur eine Nebenrolle eingenommen haben: Emre Can und Sebastien Haller. Can fiel beim ersten Spiel nach dem Re-Start noch aufgrund von muskulären Problemen aus, danach stand der Mittelfeldspieler jedoch in jeder weiteren Partie von Beginn an auf dem Feld - dreimal über 90 Minuten. Vor dem WM-Break war dies in der Bundesliga in dieser Saison nur einmal der Fall. Im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfL Bochum gelang ihm zudem ein traumhaftes Volleytor aus knapp 50 Metern. Can sorgte zudem in den jüngsten Spielen für eine gute Balance im Dortmunder Spiel und stabilisierte damit vor allem die Defensive.
Kassierte der BVB in den ersten 15 Spielen noch 1,4 Gegentore pro Partie, sank dieser Wert in den vergangenen drei Bundesliga-Spielen mit Can in der Startelf auf 0,66.
Am anderen Ende des Feldes sorgt Sebastien Haller für einen Formanstieg bei den Schwarz-Gelben. Seit Jahresbeginn erzielte der BVB in fünf Spielen 15 Tore - also genau drei im Schnitt. In allen Partien wirkte Haller mit - wenn auch nie über die vollen 90 Minuten. Dabei gelangen dem Ivorer ein Treffer und ein Assist.
An den Zahlen per se ist sein Input also noch ausbaufähig, doch allein die Präsenz des wuchtigen Angreifers sorgt für ein verändertes, wuchtigeres Offensivspiel der Borussia. Hinzu kommt der Faktor Wille und Einsatz. Haller versprüht nach seinem langen Ausfall (Hodenkrebs inklusive Chemotherapie) Einsatz- und Spielfreude. Dies überträgt sich auch auf seine Mitspieler. Aus diesem Grund traue Sky Experte Dietmar Hamann dem BVB auch den Meistertitel zu, wie er jüngst bei Sky90 erklärte.
Eintracht Frankfurt - Aurelio Buta
Viele neutrale Beobachter der Frankfurter Spiele dürften sich nach dem Re-Start sicherlich die Augen gerieben haben. Auf der rechten Außenbahn tauchte auf einmal der Spieler Aurelio Buta auf. Der Portugiese, der vor der Saison ablösefrei von Royal Antwerpen in die Main-Metropole gewechselt war, verpasste die gesamte erste Saisonhälfte nach einer Knie-OP. Beim Re-Start gegen Schalke 04 feierte der 25-Jährige sein 20-minütiges Debüt für die SGE und erzielte prompt den Treffer zum 3:0-Endstand. "Ich war jeden Tag positiv und habe so viel wie möglich gearbeitet. Meine Familie und der Club haben mir sehr geholfen. Es ist jetzt ein überwältigendes Gefühl. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen", zeigte sich Buta nach seinem Debüt euphorisch. Es folgte ein weiterer Kurzeinsatz über 26 Minuten beim 1:1 gegen Freiburg.
Beim anschließenden Topspiel gegen den FC Bayern München (1:1) feierte Buta seinen ersten Startelfeinsatz und war seitdem immer in der ersten Elf der Eintracht zu finden. Neben einem weiteren Treffer beim 3:0-Sieg gegen Hertha BSC assistierte er auch einmal beim 4:2-Pokal-Triumph gegen Darmstadt. Eintracht-Coach Oliver Glasner bezeichnete Buta ob seiner starken Form als "unsere heißeste Aktie im Toreschießen neben Kolo". Buta habe "einen Lauf [und] er hat die totale Euphorie in sich", führte Glasner weiter aus.
Große Laufbereitschaft - mit 40 Sprints gegen Hertha hatte er den Bestwert aller Frankfurter inne - und gefährliche Flanken auf den im Zentrum lauernden Kolo Muani zeichnen Buta außerdem aus. Der Portugiese steigt mit seiner Spielweise und seinem Input damit wie Phoenix aus der Asche zu Frankfurts neuem Hoffnungsträger im Titelkampf auf.
RB Leipzig - das Kollektiv
Anders als bei den restlichen Spitzenteams findet sich bei RB Leipzig kein wirklich überraschender, neuer Hoffnungsträger wieder. Die Sachsen haben unter Marco Rose weiterhin einen sensationellen Lauf (18 Spiele ungeschlagen), bei dem sich die Leistungsträger immer wieder in puncto Matchwinner abwechseln.
Christopher Nkunku, Dani Olmo, Dominik Szoboszlai, Timo Werner - die Liste könnte fast beliebig weitergeführt werden. Da Leipzig nicht nur über einen hochwertigen, sondern auch breiten Kader verfügt, konnten die Sachsen im bisherigen Saisonverlauf auch Ausfälle wie den von Nkunku, Werner oder Olmo stets kompensieren.
Fünf Spieler haben bereits mindestens drei Tore auf dem Konto und auch in der Defensive können kurzzeitige Formschwächen durch personelle Umstellungen umgangen werden, da man auf jeder Position einen mindestens gleichwertigen Back-up besitzt.
Auch mit Leipzig ist also im Titelrennen zu rechnen - zumal mit Nkunku der beste Torschütze nach Verletzung wieder auf dem Weg zurück in die Mannschaft ist ...
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