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Bundesliga: Wann geht es weiter? Fragen und Antworten zum Corona-Gipfel der DFL

Pause bis Ende April! Fragen & Antworten zum DFL-Corona-Gipfel

Sky Sport / Sport-Informations-Dienst (SID)

01.04.2020 | 20:01 Uhr

49:29
Bis mindestens 30. April wurde die Zwangspause in der Bundesliga und der 2. Liga ausgedehnt, die Bosse der 36 Profiklubs folgten auf der ersten virtuellen Mitgliederversammlung wie erwartet einstimmig dem Vorschlag des DFL-Präsidiums.

Das Coronavirus legt derzeit den Fußball auf der ganzen Welt lahm. Auch in der Bundesliga ruht der Ball. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Corona-Gipfel der DFL.

Was wurde beschlossen?

Die Zwangspause in der Bundesliga und der 2. Liga verlängert sich wie erwartet bis mindestens 30. April. Einen entsprechenden Vorschlag des DFL-Präsidiums beschlossen am Dienstag die Bosse der 36 Profiklubs bei der ersten virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) einstimmig. Alle Vereine sollen außerdem bis zum 5. April auf Mannschaftstraining verzichten.

"Die Maßnahmen machen absolut Sinn. Wichtig war, dass auch beim Trainingsbeginn ein Konsens gefunden wurde. Das hat in den letzten Tagen teilweise für Unmut gesorgt und hier hätte man auch früher etwas beschließen können", schätzt Sky Reporter Marc Behrenbeck die Situation ein.

7:04
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert über die Beschlüsse auf der Sitzung der 36 Bundesligaklubs.

Was wurde zudem entschieden?

Im Lizenzierungsverfahren für die kommende Saison soll die Überprüfung der Liquidität bei den Vereinen entfallen. Man wolle ihnen damit die Möglichkeit geben, "die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bewältigen", sagte DFL-Boss Christian Seifert.

Zudem wird eine medizinische Task Force eingerichtet, sie soll unter anderem die "engmaschige, unabhängige Testung von Spielern und weiterem Personal unter anderem unmittelbar vor den Spieltagen" durchführen. Zuletzt werden für alle 36 Standorte Konzepte entwickelt, um Spiele "mit einem möglichst geringen Personalaufwand in den Bereichen Sport, Medien und allgemeine Organisation" zu organisieren.

Wie ist die Resonanz auf das Krisenmanagement der DFL?

Sehr positiv! So erklärte Karl-Heinz Rummenigge im Exklusiv-Interview mit Sky Sport News HD beispielsweise: "Man muss der DFL ein großes Kompliment machen. [...] Alle konnten den Vorträgen, speziell von Herrn Seifert, der da auch gerade einen tollen Job innerhalb der DFL macht zum Wohle der Bundesliga und 2. Liga, folgen. Und es wurden, glaube ich, auch wichtige, interessante Beschlüsse am Ende des Tages gemeinsam entschieden."

8:36
Im exklusiven Skype-Interview mit Sky Sport spricht Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge über die große Solidarität der 36 Bundesligaklubs und die Hoffnung, dass im Mai der Ball wieder rollt.

"Das Krisenmanagement von Christian Seifert ist vorbildlich - nicht umsonst gibt es dafür Lob aus der Politik und man merkt trotz dieser schwierigen Zeit, dass die Bundesliga alles im Griff hat", ergänzt Behrenbeck.

Mehr dazu

Wer erhält Geld aus dem Solidartopf, in den Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen 20 Millionen Euro eingezahlt haben?

Das dafür zuständige DFL-Präsidium werde "in einer der nächsten Sitzungen" darüber beraten, sagte Seifert. Dabei helfen dürften die "Worst-Case-Szenarien", die alle Vereine erarbeitet hatten und aus denen ersichtlich wird, wie gefährdet sie tatsächlich sind.

Karl-Heinz Rummenigge ergänzte im Gespräch mit Sky Sport News HD, dass die vier Klubs, die das Geld zur Verfügung stellten, sich völlig raushalten werden: "Wir wollen auch ganz zielbewusst, dass die DFL das macht. Wir wollen da nicht als Klub eingreifen und irgendwelche Summen verteilen, sondern das ist ausschließlich der DFL vorbehalten", erklärte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern.

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Die beiden Sky Reporter Marc Behrenbeck und Max Bielefeld sprechen über die DFL-Sitzung zur Coronakrise (Videolänge 1:43 Minuten).

Welchen Vereinen könnte die DFL helfen müssen?

"Besonders kleinere Vereine aus der 2. Bundesliga trifft die aktuelle Situation natürlich hart, aber auch Klubs der Bundesliga könnten betroffen sein - da darf man nicht denken, dass die auf Rosen gebettet sind", erklärt Sky Reporter und Transfer-Experte Max Bielefeld.

Ein guter Indikator sei immer das Eigenkapitalkonto - also wie viel Rückstellung man habe, ergänzt Behrenbeck. "Kleinere Klubs in der Bundesliga wie Paderborn oder Düsseldorf sind natürlich nicht so gut ausgestattet, aber grundsätzlich ist die Liga im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht aufgestellt", so der DFL-Insider und ergänzt:

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Die Sky Reporter Max Bielefeld und Marc Behrenbeck schätzen ein, welche Teams besonders unter der aktuellen Situation leiden und welche Mittel die Klubs habe (Videolänge 3:01 Minuten).

"Der Mittelstand - Vereine wie Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg - haben ordentlich gewirtschaftet in den letzten Jahren und gute Transfererlöse gehabt. Daher geht ihnen nicht ganz so schnell die Kohle aus. Aber Mitte Mai oder im Juni kann kaum ein Verein - außer die ganz großen Klubs - länger ohne frische Einnahmen auskommt."

Welche Mittel haben die Vereine bei Liquiditätsengpässen noch?

Klar ist: Die 20 Millionen alleine werden nicht reichen, um alle 36 Klubs zu retten. Vor allem Gehaltseinsparungen, die die meisten Klubs ohnehin schon kommuniziert haben oder zumindest in Verhandlungen stecken, könnten dann noch weiter ausgebaut werden, vermutet Bielefeld:

"Der große FC Barcelona hat es vorgemacht. 70-80 Prozent wird dort auf Gehalt verzichtet. Das ist natürlich eine enorme Zahl. Dagegen sind die 20 Prozent, die hier noch Gang und gäbe sind, natürlich gering. Die großen Spielergehälter sind die Haupt-Ausgabe-Punkte der Vereine und es kann gut sein, dass in den nächsten Wochen noch etwas nachjustiert werden muss."

Kommt durch die aktuelle Situation neue Dynamik in die Diskussion um die 50+1-Regel?

Unwahrscheinlich. Die DFL will an der aktuellen Regelung festhalten. Das bestätigte auch Seifert: "Jetzt die 50+1-Regel aufzuheben - unabhängig davon, ob das überhaupt ginge, und bisher hat noch niemand diesen Antrag gestellt - ich weiß nicht, ob das der richtige Ansatz wäre", sagte Seifert bei Sport1: "Genau in dieser Phase über Investoren-Modelle zu sprechen, ist vielleicht nicht der richtige Ansatz."

Behrenbeck schließt sich an: "Problematisch ist ohnehin, dass die meisten potenziellen Investoren auch Unternehmer sind und durch die Coronakrise finanzielle Probleme haben. Auf der Gegenseite sollte man aber auch niemals in Krisenzeiten neue Investoren ins Boot holen, weil die Gefahr besteht, dass man sich jemanden reinholt, der viel Macht bekommt", so der Sky Reporter:

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Marc Behrenbeck schätzt die Situation bezüglich der umstrittenen Regel in Zeiten der Coronakrise ein. (Videolänge 1:33 Minuten).

Und weiter: "50+1 wird bestehen bleiben, da bin ich mir sicher. Die Bundesliga hat sich da klar positioniert und ich kann mir nicht vorstellen, dass wegen der Coronakrise daran gerüttelt wird."

Was droht bei einem Saisonabbruch?

Chaos in jeglicher Hinsicht. Ohne die TV-Einnahmen in Millionenhöhe bricht den Klubs der Großteil ihrer Einnahmen weg, nicht wenige dürften angesichts von Einbußen von insgesamt rund 750 Millionen Euro vor dem freien Fall stehen. "Einige könnten in eine existenzbedrohende Situation geraten, sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden", sagte Seifert.

Und sportlich?

Auch der sportliche Aspekt muss berücksichtigt werden, schließlich gibt es im Falle eines vorzeitigen Endes noch keine Regelung über den Auf- sowie Abstieg, die Meisterschaft oder die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe.

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Rummenigge schlägt bei Sky Sport ähnliche Töne an: "Es geht ja hier um sportliche Meriten, es geht ja darum: Wer wird Deutscher Meister? Wer qualifiziert sich für die Champions League? Für den Europapokal? Und wer muss in den sauren Apfel beißen und absteigen? Wer steigt aus der 2. Bundesliga auf?"

Seifert betonte deshalb immer wieder das große Ziel, die Saison zu beenden - im Idealfall sogar bis zum 30. Juni.

Muss die Spielzeit tatsächlich bis zu diesem Tag beendet sein oder gibt es einen Puffer?

Darüber scheiden sich die Geister. "Wir sitzen nur auf dem Beifahrersitz und haben das nicht selbst in der Hand", hatte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic, einflussreiches Mitglied der DFL-Kommission Fußball, bei Sky zuletzt gesagt: "Vielleicht spielen wir auch erst im Juni."

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte einen "Restart" bis spätestens Ende Juni gefordert, für Bayern Münchens Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zählt dagegen nur, dass die Saison zu Ende gespielt wird - zur Not auch in den Herbst. Im exklusiven Interview mit Sky Sport News HD erklärte er dazu:

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"Selbst wenn im Mai der Ball noch nicht rollen darf, weil ganz einfach die Politik oder die gesundheitliche Problematik uns so begleitet, dass man das nicht darf oder kann, selbst dann müssen wir auf jeden Fall die Saison zu Ende spielen", so der Bayern-Boss. Und weiter: "Weil es ganz einfach wichtig ist, dass wir die Saison nicht abbrechen. Ich glaube, wenn wir die Saison abbrechen werden muss, dann werden alle 36 Bundesligaklubs große finanzielle Leiden haben und die gilt es ja zu verhindern."

Gesundheitliche Bedenken sind aber nicht von der Hand zu weisen, wenn die Liga im Schnelldurchgang zu Ende gespielt werden würde, findet Bielefeld: "Die Spieler sind komplett runtergefahren und haben seit zweieinhalb Wochen keinen Ball am Fuß mehr gehabt. Man braucht also eine gewisse Vorlaufzeit. Ich finde, wir brauchen keinen Druck. Es wäre Wahnsinn, wenn man Ende Mai erst beginnen könnte und dann alles in den Juni packt. Jede Woche eine englische Woche beim aktuellen Zustand der Spieler, ist diesen auch unverantwortlich gegenüber", so der Sky Reporter.

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Natürlich gäbe es rechtlichen Hürden bei Sponsoren oder auch Verträgen, aber Bielefeld ist sicher, dass man dies alles hinbekommen würde. Das höre man auch von Entscheidungsträgern aus dem Fußball. Priorität habe für ihn demnach, dass die Wettbewerbe zu Ende gespielt würden und nicht, wann dies geschieht.

Und falls noch beschlossen wird, dass definitiv Ende Juni alles abgewickelt sein muss?

"Die Saison muss auf jeden Fall zu Ende gespielt werden - auch wenn man nur vier Wochen Zeit hat", erklärt Behrenbeck. Einig sind sich alle Beteiligten also nur, dass ein Abbruch auf jeden Fall verhindert werden muss.

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Wie geht es weiter in der Bundesliga? Die Sky Reporter Max Bielefeld und Marc Behrenbeck schätzen die Situation ein (Videolänge 2:29 Minuten).

Wie geht es nun weiter?

Seifert sprach auch immer wieder davon, dass es nun um Flexibilität gehe und man die Entwicklungen der Pandemie berücksichtigen müsse. "Es gibt nicht diesen einen Plan, wir brauchen strategische und flexible Ideen", sagte er. Auch deshalb wird am 17. April die nächste DFL-Mitgliederversammlung stattfinden.

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