Bundesliga: Wiederbeginn nur unter Mithilfe der Politik möglich
DFL-Sitzung vertagt: So geht es weiter, daran hängt der Neustart
15.04.2020 | 23:32 Uhr
Auch Fußball-Deutschland blickt gebannt nach Berlin. Wenn die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten über Lockerungen der Corona-Einschränkungen diskutiert, wird das maßgeblichen Einfluss auf die nächste DFL-Mitgliederversammlung nehmen. Die findet aber erst am 23. April statt.
Die wichtigsten Worte für ganz Fußball-Deutschland verbergen sich weit oben auf Seite drei. Schwarz auf weiß steht dort als Empfehlung der renommierten Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, dass "sportliche Veranstaltungen nach und nach wieder ermöglicht werden" sollten. Bundesliga also schon im Mai? Wahrscheinlich, aber noch nicht entschieden. Der Rat der Experten enthält nämlich einen Zusatz.
Denn die in Aussicht gestellten Lockerungen der Corona-Einschränkungen sollen "in Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten" geprüft werden. Auslegungssache also für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten, die am Mittwoch ihren weiteren Krisenplan diskutieren werden - und dabei auch ganz sicher den von Merkel als "sehr wichtig" eingestuften Rat der Leopoldina berücksichtigen.
DFL arbeitet an Szenarien
Wenn mit den "Beteiligten" vor allem Zuschauer und Personen gemeint sind, die den Ablauf des Spielbetriebs gewährleisten, darf mehr denn je gehofft werden. Denn für Spiele unter solch einem Szenario arbeitet die Deutsche Fußball Liga (DFL) Tag und Nacht an einem Plan.
"Wir werden bereit sein", versprach DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, er stellte allerdings klar: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität." Diese wird vor allem von den politischen Entscheidungsträgern geformt. Spiele unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit, das wurde zuletzt immer wieder deutlich, sind hierbei das Höchste der Gefühle.
Der DFL und allen Verantwortlichen der 36 Profiklubs geht es bei der virtuellen Mitgliederversammlung, die für Freitag geplant war und kurzfristig auf den 23. April verschoben wurde, in erster Linie um die reine Fortsetzung der Saison.
Von Spielorten bis Sicherheitsvorkehrungen
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht den Ball "vielleicht absehbar" wieder rollen und hofft dabei auf einen Konsens der Bundesländer mit Blick auf die angestrebten "Geisterspiele".
Mitentscheidend dürfte sein, wie der Fußball garantieren kann, dass durch die Ausführung der Spiele keine Gefahren einer Ansteckung bestehen, dass es keinen negativen Effekt in der Gesellschaft geben wird. DFL-Präsidiumsmitglied Alexander Wehrle verwies dabei auf die DFL-Taskforce unter der Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer. "Sie muss sich genau mit diesen systemkritischen und gesellschaftsrelevanten Fragestellungen auseinandersetzen", sagte Wehrle.
Für tragfähige Lösungen (Stichwort: Schnelltests) stehen derzeit noch Fragen im Raum. Diese reichen von den vorrangigen Gesundheitsaspekten über die Auswahl von Spielorten bis hin zu den Sicherheitsvorkehrungen. Diesen Themen nimmt sich der Verband auf der kommenden Sitzung an.
Schrittweise Öffnung der Schulen
Und sowieso: Alles steht und fällt mit den Vorgaben der Politik, die in erster Linie über die schrittweise Öffnung von Schulen und weitere Lockerungen auf regionaler Ebene nachdenken dürfte. Auch wenn der Sport schon auf Seite drei erwähnt wird. Ganz weit oben. Auch die Politiker dürften in der tristen Zeit auf ein wenig Ablenkung und Unterhaltung hoffen.
Einen Silberstreif am Horizont sieht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Für ihn ist sogar vorstellbar, dass bereits im Herbst wieder in vollen Stadien gespielt wird. "Ich hoffe sehr, dass wir dann insgesamt eine Gesundheitssituation hinbekommen, mit der das auch wieder möglich ist", sagte er im Bayerischen Rundfunk.