Der Nationalmannschaft fehlt ein echter Mittelstürmer
Wirft man einen Blick auf den Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Spiele in der Schweiz und gegen Ghana, fällt etwas auf:
26.03.2026 | 21:28 Uhr
Unter der Überschrift "Offensive" stehen zehn Namen, aber es fehlt ein Neuner. Einen echten Mittelstürmer sucht man vergebens.
Nick Woltemade und Kai Havertz sind die beiden Kandidaten für einen Platz in der vordersten Angriffslinie, aber beide sind keine klassischen Stoßstürmer. Leon Goretzka spielt auf der Acht, Chris Führich und Kevin Schade sind auf den Flügeln zuhause.
Deniz Undav, Serge Gnabry, Florian Wirtz oder Leroy Sane sind torgefährlich, spielen aber lieber als hängende Spitze, als Zehner oder als Außen. Gleiches gilt für Lennart Karl oder Jamal Musiala, der nicht im Kader steht und in München an seinem Comeback arbeitet.
Zwei Neuner-Kandidaten: Nagelsmann plant Überraschung
Zwei, die ganz vorne drin spielen können und genau diesen Typus verkörpern, sind Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst. Beide sind klassische Wandspieler, die mit ihrer Kopfballstärke, Physis und Mentalität besonders in Schlussphasen wichtig sein können.
Nach Informationen von Sky Sport plant Julian Nagelsmann, beiden bis zuletzt eine WM-Chance offenzuhalten. "Ich bin sicher, dass der Bundestrainer beide weiterhin im Auge hat, denn er braucht vorne einen Brecher", sagt Nationalmannschaftsreporter Uli Köhler.
Füllkrug hat Qualitäten auf und neben dem Platz
Füllkrug war bei der Heim-EM 2024 der einzige Neuner im DFB-Kader, wurde in allen fünf Spielen eingewechselt und erzielte zwei Tore. Doch der mittlerweile 33-Jährige kommt bei seinem Klub AC Mailand nur sporadisch zum Einsatz und kämpfte zuletzt immer wieder mit Verletzungen. Der ehemalige Dortmunder bringt aber nicht nur seine Joker-Qualitäten ein.
Füllkrug ist in der Nationalmannschaft sehr hoch angesehen und "einer, der die Gruppe zusammenhalten kann", erklärt Köhler. Eine Qualität, die gerade bei einem Turnier hoch einzuschätzen ist. Sein letztes Länderspiel absolvierte Füllkrug am 8. Juni vergangenen Jahres beim 0:2 im kleinen Finale der Nations League gegen Frankreich.
Letztes Kleindienst-Länderspiel vor über einem Jahr
Kleindiensts letzter DFB-Einsatz liegt bereits mehr als ein Jahr zurück: Am 23. März 2025 erzielte der Gladbacher beim 3:3 gegen Italien ein Tor selbst und bereitete einen Treffer vor.
Seit Mai vergangenen Jahres warfen ihn Knieverletzungen immer wieder zurück. In der laufenden Bundesligasaison kommt er auf nur zwei Spielminuten, nach einer Knie-OP ist er gerade erst auf dem Weg zurück. Dennoch bleibt er für Nagelsmann eine Option.
Nicola Tresoldi (FC Brügge) machte in der Champions League auf sich aufmerksam, aber die WM dürfte für den U21-Nationalspieler noch zu früh kommen. "Dennoch hat ihn Nagelsmann sicher auch auf dem Schirm", meint DFB-Reporter Köhler.
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Havertz ist erfahren und vielseitig
Am Freitagabend in der Schweiz muss der Bundestrainer ohne einen Neuner auskommen. Woltemade, der bei Newcastle United seit Dezember nicht mehr getroffen hat, aber in der WM-Qualifikation vier Tore erzielte, und Havertz sind im Angriff auch mit Blick auf die WM gesetzt - wenn sie fit sind.
Havertz kommt bei Arsenal nach verschiedenen Verletzungen seit einigen Wochen wieder regelmäßig zum Einsatz. "Ich hoffe, wenn es auf das Turnier zugeht, vorne wegzumarschieren und den Jungs zu helfen, um bestmöglich auf dem Platz abzuliefern", sagte er am Mittwoch auf der DFB-PK.
Der 26-Jährige, der das letzte seiner bislang 55 Länderspiele im November 2024 beim 1:1 gegen Ungarn bestritt, bringt als Trümpfe seine große internationale Erfahrung und seine Flexibilität ("Fühle mich offensiv auf fast allen Positionen sehr wohl") mit.
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Undav will sich für die WM empfehlen
Undav ist mit 36 Scorerpunkten für Stuttgart der zahlenmäßig formstärkste Angreifer. Der 29-Jährige hat in sechs Länderspielen drei Treffer erzielt, bei der EM 2024 kam er einmal zum Einsatz. Nun will er sich für einen Platz im WM-Kader empfehlen.
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Beim VfB bildete er in der vergangenen Saison zusammen mit Woltemade ein erfolgreiches Gespann. Ein Modell, das auch in der Nationalmannschaft und bei der WM funktionieren könnte.
Ob er als Zehner oder als verkappter Neuner auflaufen wird, dürfte ihm dabei relativ egal sein.
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