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Deutschland schlägt Niederlande - ein Kommentar zum DFB und Nagelsmann

Nagelsmanns Risiko-Plan ging auf!

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Image: Laut Sky Reporter Patrick Berger hat Julian Nagelsmann beim DFB alles richtig gemacht.  © Imago

Die deutsche Nationalmannschaft schlägt nach den Franzosen auch die Niederlande. Julian Nagelsmann ging Risiko und wurde belohnt, meint Sky Reporter Patrick Berger.

2:0 gegen Frankreich, 2:1 gegen die Niederlande! Das DFB-Team setzt zweieinhalb Monate vor der Heim-EM zwei Ausrufezeichen und dreht zum richtigen Zeitpunkt die Stimmung im Land.

"Wir tun gut daran, jetzt nicht in völliger Euphorie auszubrechen", sagte Holland-Siegtorschütze Niclas Füllkrug noch etwas zurückhaltend. Völlig richtig, dass der BVB-Profi mit Blick auf die Krisenjahre mahnt.
Ein bisschen mehr Euphorie darf es dann aber doch sein. Die Fans zumindest dürfen träumen von einem Sommermärchen 2.0.

Der Länderspiel-Lehrgang hat viele Gewinner (Robert Andrich, Maximilian Mittelstädt oder Jonathan Tah) hervorgebracht und folgende Erkenntnisse gezeigt:

Nagelsmanns Risiko-Plan ging auf

Mit der mutigen Kaderauswahl (sechs Neulinge, kein Hummels, Goretzka, Gnabry, Süle etc.) hat Nagelsmann einen Volltreffer gelandet. Der Bundestrainer ist All-in gegangen, hat alles auf die "Form- und Momentum"-Karte gesetzt und die aktuell besten Spieler nominiert - der Plan ging auf! Der im November noch heftig kritisierte DFB-Coach hat den Spielern zudem in so genannten Rollengesprächen ihre klare Aufgabe mitgeteilt, sie in einer Ansprache emotional angezündet ("Wir können Europameister werden!") und ihnen zudem das defensive Denken eingehaucht.

Selbst die Zauberfüße Florian Wirtz und Jamal Musiala arbeiteten fleißig nach hinten mit. "Es ist in der letzten Woche auf jeden Fall etwas entstanden, das vorher nicht da war", sagte Rückkehrer Toni Kroos. Und Musiala befand: "Es ist ein guter Vibe im Team!"

Die DFB-Noten gegen die Niederlande:

  1. MARC-ANDRE TER STEGEN:
    Image: MARC-ANDRE TER STEGEN: In seinem 40. Länderspiel weitgehend beschäftigungslos. Konnte sich nicht auszeichnen. Beim Gegentor ohne Chance. In der zweiten Halbzeit souverän gegen Malen und Xavi. – Note: 2 © Imago
  2. JOSHUA KIMMICH:
    Image: JOSHUA KIMMICH: Hinten nichts zugelassen. Schaltete sich immer wieder vorne ein. Das Zusammenspiel mit Musiala und/oder Wirtz passte. So kann es auch bei der EM als Rechtsverteidiger funktionieren. – Note: 3 © Imago
  3. ANTONIO RÜDIGER:
    Image: ANTONIO RÜDIGER: Köpfte ein, zwei Bälle gut weg. Hielt den Laden als Abwehrchef zusammen. Gab von hinten immer wieder lautstarke Ansagen. Rettete in der 49. Minute per starker Grätsche vor dem einschussbereiten Depay. – Note: 2 © Imago
  4. JONATHAN TAH:
    Image: JONATHAN TAH: Agierte genauso stabil wie in Lyon. Gab Mittelstädt nach dessen wilder Anfangsphase die nötige Sicherheit und trug maßgeblich zu dessen Stabilisierung bei. Zeigte sich unbeeindruckt von Holland-Star Depay. – Note: 2 © Imago
  5. Ticker
    Image: MAXIMILIAN MITTELSTÄDT: Leitete mit einem zu kurz geratenen Rückpass das 0:1 ein. Machte seinen Fehler sehenswert wett. Traumhaftes erstes Länderspieltor. Schmiss sich voll rein, Leistungskurve ging im Anschluss stetig nach oben. – Note: 2 © DPA pa
  6. ROBERT ANDRICH:
    Image: ROBERT ANDRICH: Der "Worker" blieb unauffällig. Oftmals erste Anspielstation für Rüdiger und Tah. Konnte aber aufgrund der engen Räume im Zentrum seine Qualitäten als Überbrückungsspieler kaum zur Schau stellen. – Note: 4 © Imago
  7. TONI KROOS:
    Image: TONI KROOS: Einmal mehr Ballverteiler aus der Tiefe sowie im letzten Drittel. Drückte dem Spiel ähnlich wie in Lyon den Stempel auf. Trat erneut als Dirigent und Boss auf. Übernahm nach Gündogans Auswechslung die Kapitänsbinde. – Note: 2  © Imago
  8. FLORIAN WIRTZ:
    Image: FLORIAN WIRTZ: Einige seiner Ideen fanden nicht den richtigen Abnehmer. Diesmal gegen die Holländer weniger auffällig. – Note: 4 © Imago
  9. ILKAY GÜNDOGAN:
    Image: ILKAY GÜNDOGAN: Ihm fehlte auch gegen die Niederlande der entscheidende Esprit im Spiel nach vorne. Fiel jedoch durch eine hohe Laufleistung und ständiges Coaching seiner Nebenmänner positiv auf. – Note: 4 © Imago
  10. Ticker
    Image: JAMAL MUSIALA: Hatte in der ersten Halbzeit mehr Probleme mit dem rutschigen Untergrund. Oft in vielversprechenden Situationen, zögerte allerdings zu lang. Bereitete aber den Ausgleichstreffer vor. Insgesamt ein Aktivposten. – Note 3. © DPA pa
  11. KAI HAVERTZ:
    Image: KAI HAVERTZ: War bemüht. Kam aber gegen die Abwehrmonster van Dijk, de Ligt und Ake nicht durch. Blieb diesmal - anders als in Lyon - ohne Tor und fast ohne nennenswerte Aktion. – Note: 4 © Imago
  12. PASCAL GROß:
    Image: PASCAL GROSS: Fügte sich nach seiner Einwechslung für Andrich im Zentrum gut ein. Stopfte die Löcher. Rettete in der 91. Minute stark per Kopf. Schaltete sich auch mit nach vorne ein. – Note: 2 © Imago
  13. CHRIS FÜHRICH:
    Image: CHRIS FÜHRICH: Wurde erneut früh eingewechselt. Hatte Anteil daran, dass die Deutschen noch einmal mit Geschwindigkeit kamen. – Note: 3 © Imago
  14. JULIAN NAGELSMANN:
    Image: Bundestrainer Julian Nagelsmann wechselte nach der 70. Minute auch noch Thomas Müller, Niclas Füllkrug, Benjamin Henrichs und David Raum ein. Füllkrug traf zum Sieg. © Imago

Für die Aussortierten ist die EM-Tür zu

Mit der Nicht-Nominierung der BVB-Stars Süle, Schlotterbeck, Hummels Brandt und Co. sowie von Goretzka und Gnabry sorgte Nagelsmann für eine Überraschung. Gibt es keine Verletzungen mehr, werden die Aussortierten wohl nicht mehr auf den EM-Zug aufspringen. "Wenn alle fit sind, dann werden wir im Sommer keinen zehn Spieler austauschen", sagte Nagelsmann auf Sky Nachfrage. "Auch keine fünf. Vielleicht nur ein bis zwei. Die, die jetzt nicht dabei waren, müssen besser sein als die jetzt."

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Leroy Sane ist zur Nationalmannschaft trotz einer eigentlichen Sperre nachgereist. In Frankfurt testet Deutschland gegen die Niederlande. Bei Sky spricht der Bayernstar exklusiv über die Heim-EM und eine besondere Nagelsmann-Unterhaltung.

Kroos ist der heimliche Kapitän

Die DFB-Rückkehr von Toni Kroos nach knapp 1000 Tagen war eine erfolgreiche. Sofort trat der Real-Star als Lenker und Denker im Mittelfeld auf und machte seine Nebenleute mit seiner Genialität automatisch besser. Auf dem Rasen und in der Kabine ist der 34 Jahre alte Routinier der heimliche Kapitän.

Von Gündogan muss mehr kommen

Die Binde trägt allerdings Ilkay Gündogan. Der Barca-Star zeigte aber - anders als seit vielen Jahren im Verein - wieder mal zwei durchwachsene Leistungen im DFB-Dress und fiel im Vergleich zu den anderen Spielern ab. Seine Rolle hat der Ex-Dortmunder, der als eine Art "Zehner" vor Kroos und Robert Andrich auflief und für Klarheit und Struktur sorgen sollte, offenbar noch nicht gefunden. Vom Kapitän muss mehr kommen!

UEFA EURO 2024

  • Datum: 14. Juni - 14. Juli 2024
  • Ort: Deutschland (zehn Austragungsorte)
  • Eröffnungsspiel: München Fußball Arena (14. Juni)
  • Finale: Olympiastadion Berlin (14. Juli)
  • Teilnehmer: 24 Länder, Deutschland in Gruppe A
  • Spielmodus: Rundenturnier (6 Gruppen à 4 Teams), K.-o.-System
  • Austragungsorte: München, Berlin, Dortmund, Stuttgart, Hamburg, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Leipzig, Köln, Frankfurt
  • Ticketverkauf: Ab 3. Oktober 2023

Füllkrug muss starten

Der einzige BVB-Star im DFB-Kader betrieb Eigenwerbung - gegen die Holländer gelang ihm als Joker der 2:1-Siegtreffer. Auch wenn Kai Havertz gegen die Franzosen ebenfalls traf, haben die beiden Spiele gezeigt, dass es einen klassischen "Neuner" als Ziel- und Wandspieler vorne drin braucht. Füllkrug macht Bälle fest, setzt seinen Körper clever ein und ist immer für ein Tor gut. Er muss bei der EM starten!

Deutschland hat wieder ein Top-Abwehrduo

Antonio Rüdiger und Jonathan Tah zeigten zwei Top-Leistungen. Endlich hat Deutschland wieder ein starkes Abwehr-Duo. Das letzte richtig gut funktionierende Paar bildeten Mats Hummels und Jerome Boateng. Rüdiger und Tah treten als Bodyguards auf, die hinter Kroos alles wegräumen und sich in hitzigen Phasen auch mal mit den Gegenspielern anlegen, sollten sie einem Kollegen an den Kragen wollen. Das sind die richtigen Zeichen!

Nur noch 69 Tage sind es bis zum EM-Eröffnungsspiel in München gegen Schottland. Die beiden Auftritte der deutschen Mannschaft haben Lust auf das Heim-Turnier gemacht und eine vorsichtige Euphorie entfacht.

Mehr zum Autor Patrick Berger