Zum Inhalte wechseln

FC Barcelona News: Xavi wohl neuer Trainer nach Koeman-Aus

Nach Koeman-Aus: Barca mit Xavi zurück in die Zukunft?

Robert Gherda

28.10.2021 | 21:04 Uhr

XAVI HERNANDEZ: Derzeit als Trainer von Al-Sadd SC tätig, Vertrag bis 2023.
Image: Xavi Hernandez soll neuer Trainer des FC Barcelona werden.  © Imago

Der FC Barcelona hat die Geduld mit Ronald Koeman endgültig verloren und den umstrittenen Coach entlassen. Eine überfällige Entscheidung, die dafür sorgen dürfte, dass eine Ikone zurückkehrt - und dass sich Geschichte wiederholt?

Rückblickend betrachtet liest es sich wie blanker Hohn, was Koeman noch im September dem niederländischen TV-Sender NOS berichtete: Der bereits damals äußerst umstrittene Coach erklärte, er sei "offen" für einen längerfristigen Verbleib in Barcelona und lobte sich anschließend selbst: "Ich habe hier eine gute Zeit, und dank mir hat dieser Verein eine Zukunft."

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Du willst personalisierte Sport-Nachrichten als Push auf dein Handy? Dann hol Dir die Sky Sport App und wähle Deine Lieblingssportarten- und wettbewerbe aus. So funktioniert's.

Verpasst Barca die Champions League?

Wie diese Zukunft bei den Katalanen aussieht, ist unklar, aber sicher ist: Koeman spielt darin keine Rolle mehr. Noch in der Nacht nach der blamablen Niederlage bei Rayo Vallecano zog Barca die Notbremse und trennte sich von seinem vor allem bei den Fans äußerst unbeliebten Coach. Die vierte Niederlage in der letzten sechs Pflichtspielen waren zuviel für den finanziell arg gebeutelten Klub.

Zwischenzeitlich schien es so, dass eine fällige Abfindung Koeman den Job retten könnte, aber das drohende Verpassen der Champions League - aktuell liegt Barcelona mit 15 Zählern auf Platz neun bereits sechs Punkte hinter Platz vier - wurde dem 58-Jährigen zum Verhängnis.

Koeman integriert junge Spieler

Nicht alles in der etwas mehr als einjährigen Amtszeit des ehemaligen Bondscoaches war jedoch schlecht. Mit Koeman an der Spitze wollte Barca einen Neuanfang starten nach der historischen 2:8-Schmach in der Champions League gegen den FC Bayern und tatsächlich gelang es dem Coach zwischenzeitlich in seiner Premierensaison so etwas wie Aufbruchstimmung zu erzeugen. Weil er auf die Jugend setzte.

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

In unserem täglichen Liveblog halten wir Euch über alle Gerüchte und fixe Transfers auf dem Laufenden.

Der damals noch 17-jährige Pedri entwickelte sich unter Koeman zu einem Weltklasse-Mittelfeldspieler und die jungen Abwehrspieler Ronald Araujo und Oscar Mingueza schafften den Sprung von der zweiten Mannschaft in den Profikader und zeigten dort durchaus starke Leistungen. Nach holprigem Beginn blieben die Blaugrana in LaLiga zwischenzeitlich 19 Partien in Folge ungeschlagen und auch wenn es am Ende nur zu Rang drei reichte, konnten sich die Katalanen immerhin mit dem Triumph in der Copa del Rey trösten.

Auch in dieser Saison verhalf er vielversprechenden Talenten wie Linksverteidiger Alejandro Balde oder Mittelfeldspielern Nico Gonzalez, Yusuf Demir und vor allem Gavi zum Profidebüt und sorgte somit dafür, dass Barca-Fans vielleicht von einer neuen goldenen La-Masia-Generation träumen dürfen.

Mehr Fußball

Koeman begeht viele Fehler

Und man muss Koeman auch zugute halten, dass mit Philippe Coutinho und vor allem Ansu Fati zwei potenzielle Unterschiedsspieler fast während seiner kompletten Amtszeit verletzungsbedingt fehlten. Und auch die Abgänge von Antoine Griezmann und vor allem von Lionel Messi sind natürlich nicht Koemans Schuld.

Dennoch hat Koeman auch viele Fehler gemacht: Sein Umgang mit Luis Suarez, als dieser verkauft wurde, sorgte für ähnlich viel Aufsehen in den Medien wie auch seine skurrile und nicht abgestimmte Pressekonferenz vor wenigen Wochen, als er keine Fragen zuließ. Zudem spricht die aktuell hartnäckige Verletzung von Pedri nicht für den Übungsleiter. Es werden immer wieder Vorwürfe laut, Koeman habe den Youngster, der in vergangenes Jahr zu 73 (!) Einsätzen kam, verheizt.

Du willst kein Detail verpassen?

Du willst kein Detail verpassen?

Entdecke jetzt beste Bildqualität für besten Live-Sport! Ob rauchende Motoren oder haarscharfe Tore - mit UHD erlebst Du Deine Sportmomente hautnah.

Fatale Bilanz gegen starke Gegner

Und natürlich ist seine miserable Bilanz gegen starke Gegner nicht zu entschuldigen: Sämtliche Clasicos gegen Real hat Barca unter Koeman verloren. Zweimal mit 1:2, einmal mit 1:3. Auch gegen Atletico und Diego Simeone konnte Koeman keine Partie für sich entscheiden - nicht einmal ein eigener Treffer gelang Barca. Vergangene Saison unterlag man in Madrid mit 0:1 und spielte zu Hause 0:0, diese Saison setzte es im Wanda Metropolitano eine 0:2-Niederlage.

Hinzu kommen blamable Auftritte in der diesjährigen Königsklasse, als man gegen den FC Bayern und bei Benfica jeweils mit 0:3 unterging und dabei nicht einmal einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abfeuern konnte. Die Offensive war aber nur ein Teil des Problems, denn Koeman gelang es fast während seiner gesamten Amtszeit für defensive Stabilität zu sorgen.

Koeman offenbart taktische Defizite

Der Niederländer versuchte viel: Mal agierte Barca in einer Viererkette, mal standen drei Innenverteidiger auf dem Platz. Die Abstände waren aber in sämtlichen Systemen einfach zu groß und Koemans taktische Defizite wurden vor allem gegen starke Gegner schonungslos aufgedeckt.

Nicht nur deshalb forderten die Culers schon länger den Rauswurf des Übungsleiters. Diese Rufe wurden nun erhöht.. Top-Favorit auf die Nachfolge ist Vereinslegende Xavi Hernandez. "Alle Wege führen zu Xavi", schreibt beispielsweise die katalanische Tageszeitung Diario Ara. Die Mundo Deportivo spricht sogar schon davon, dass ein Deal "beschlossene Sache" sei. Auch Sport berichtet von einer Einigung.

DAZN-Spiele ganz einfach über SkyQ schauen

DAZN-Spiele ganz einfach über SkyQ schauen

DAZN jetzt über Sky buchen und alle Bundesliga-Spiele mit SkyQ auf einer Plattform und Rechnung genießen. Alle Infos.

Unklar ist demnach nur, wann Xavi das Ruder übernimmt. Laut Mundo Deportivo ist nicht mit einer schnellen Verkündung zu rechnen, denn die Vertragsauflösung von Xavis bis 2023 gültigen Arbeitspapiers bei seinem aktuellen Arbeitgeber Al-Sadd dürften sich hinziehen.

Wann kommt Xavi?

Realistisch soll demnach sein, dass der 41-Jährige in der nächsten Länderspielpause im November übernimmt. Passend dazu stellte Barca noch am Donnerstag eine Interimslösung vor. In den kommenden Spielen gegen Deportivo Alaves, Dynamo Kiew und Celta Vigo wird Sergi Barjuan, Trainer der zweiten Mannschaft, das Team betreuen, ehe Xavi dann in rund zwei Wochen übernehmen könnte.

Xavi wäre eine logische Wahl, denn Laporta wurde in den vergangenen Wochen und Monaten nicht müde zu betonen, dass er die Barca-DNA wieder in den Klub holen will. Vor allem deshalb buhlt Barca auch um Leipzigs Dani Olmo, der in der Jugendakademie Barcas groß wurde. Und wer verkörpert Barca und sein Tiki Taka besser als Xavi, der in Barcas goldenen Jahren unter Pep Guardiola der Dirigent des Orchesters auf dem Platz war.

Allerdings ist es auch eine mutige Wahl, denn der ehemalige Weltklassespieler verfügt kaum über Erfahrung als Trainer. Bei Al-Sadd ist Xavi seit 2019 angestellt und konnte dort auch schon die Liga und den Pokal gewinnen, aber Europa ist für Xavi als Trainer völliges Neuland.

Zurück in die Zukunft?

Dass eine solche Konstellation dennoch erfolgreich sein kann, bewies ausgerechnet Barca selbst vor etwas mehr als 13 Jahren: Es ist sozusagen eine Reise zurück in die Zukunft! Zur Erinnerung: Präsident Laporta trennte sich 2008 von einem niederländischen Coach und installierte eine Vereinsikone ohne nennenswerte Erfahrung als neuen Chefcoach.

Die Rede ist natürlich von Guardiola, der seinerzeit Frank Rijkaard ablöste. Nun könnte Xavi auf Koeman folgen und wenn er auch nur ansatzweise an die Erfolge des aktuellen Cheftrainers von Manchester City herankommt, würde auch Koeman schnell vergessen werden. Und mit ihm auch seine fast schon bizarre Aussage, dass der Verein dank ihm eine Zukunft habe...

Mehr zum Autor Robert Gherda

Weiterempfehlen: