Flügelspieler Leo Scienza brilliert beim 1. FC Heidenheim mit starken Statistiken
Der Brasilianer überzeugt im Playoff-Rückspiel gegen Kopenhagen. Durch seine Leistungen weckt er mittlerweile sogar Begehrlichkeiten bei internationalen Klubs.
23.02.2025 | 11:11 Uhr
Immer wieder begeistert Leo Scienza die Heidenheimer Fans mit sehenswerten Dribblings und Toren - wie zuletzt in den Playoffs der Conference League gegen den FC Kopenhagen (1:3 n.V.). Mittlerweile wird Scienza durch seine Leistungen sogar mit Top-Stars wie Omar Marmoush und Vinicius Jr. verglichen.
Von Patrick Berger und Niklas Korzendorfer
Doch ist er wirklich so gut? Über einen Brasilianer, der es aus der fünften schwedischen Liga auf die europäische Bühne schaffte.
Enköping wird gelegentlich auch "Schwedens nächstgelegene Stadt" genannt. In ihrem Umkreis von 120 Kilometern liegen sage und schreibe 38 (!) Städte, darunter auch die Hauptstadt Stockholm, die ungefähr eine Stunde entfernt ist. Hier hat Heidenheims Leo Scienza einst Fußball gespielt. In der schwedischen fünften Liga verbrachte der beidfüßige Linksaußen bei Fanna BK mehr als anderthalb Jahre (von Januar 2019 bis September 2020) seiner Karriere.
Im Knappen-Nachwuchs überzeugt
Über Umwege landete der Brasilianer, der auch die luxemburgische Staatsbürgerschaft besitzt, beim FC Schalke 04. Vor allem in seinem zweiten Jahr gehörte der damals 23-Jährige mit elf Tore und starke zwölf Vorlagen in 36 Spielen in der Regionalliga West zum Stammpersonal im Knappen-Nachwuchs. Trotzdem gelang Scienza auf Schalke nie der Durchbruch, weil sein Spielertyp bei den Königsblauen trotz guter Statistiken schlichtweg durchs Raster fiel.
Es ist ein Umstand, der die Schalker Verantwortlichen bis heute verärgert - vor allem, weil der ballverliebte Brasilianer mittlerweile genau in jener Liga angekommen ist, von der er einst im Kreise der Schalke-Bubis geträumt hatte. Scienza spielt mittlerweile in der Bundesliga sowie in der Conference League vor.
In Ulm eines der Erfolgsgesichter
Über Stationen in Magdeburg und Ulm, mit denen er in der vergangenen Spielzeit den historischen Zweitliga-Aufstieg feierte, landete der 1,75 Meter große Angreifer im beschaulichen Heidenheim. Die Ostalbstädter erkannten prompt den Wert des 26-Jährigen, der im Ulmer Aufstiegsjahr mit zwölf Toren und 15 Vorlagen zu den Erfolgsgesichtern gehörte. Heidenheim zog im Juli 2024 dann Scienzas Ausstiegsklausel, überwies lediglich rund 500.000 Euro an die Spatzen. Ein Schnäppchen, das sich längst mehr als nur ausgezahlt hat.
"Sein Weg in die Bundesliga über Schweden, die Regionalliga und 3. Liga nach Heidenheim sowie seine technischen Fähigkeiten und seine Individualität machen ihn besonders. Er ist ein Spieler, der auch mal ein Spiel allein entscheiden kann", schwärmt sein Trainer Frank Schmidt exklusiv gegenüber Sky.
In Heidenheim gehört Scienza zu den auffälligsten Offensivakteuren, zumal er in dieser Saison nicht zu den gesetzten Stammspielern zählt. Bislang absolvierte er zwar 29 Pflichtspiele für den FCH in der Bundesliga (19), im DFB-Pokal (2) und der Conference League (8), allerdings wird Scienza immer wieder ein- und ausgewechselt, kam in dieser Bundesliga-Spielzeit allein achtmal von der Bank - weil sein Spielstil nicht immer mit Schmidts Idee im harten Abstiegskampf harmoniert.
Kann Scizena mit Weltstars wie Marmoush und Vinicius Jr. mithalten?
Trotzdem gibt es Datenexperten wie Spencer Mossman (auf X), die ihn in Bezug auf seine Effektivität im Herausspielen von Torchancen und seiner Erfolgsquote im Dribbling, sogar in eine Reihe mit Citys Omar Marmoush und Real Madrids Vinicius Junior stellen. Doch kann der quirlige Brasilianer von der Brenz statistisch gesehen wirklich mit diesen Weltstars mithalten?
Zugegebenermaßen, nicht ganz. Scienza ist im Dribbling überaus gefährlich, bringt die gegnerischen Verteidiger oftmals in Schwierigkeiten. Er wird binnen 90 Minuten im Schnitt knapp 4,5-mal gefoult. Das ist der zwölfbeste Wert im Vergleich der europäischen Top-5-Ligen und deren zweiten Ligen. Marmoush (5.83) und der Ex-Hoffenheimer Georginio Rutter (8.47), heute für Brighton & Hove Albion in der Premier League unterwegs, kommen auf deutlich höhere Werte.
In puncto erfolgreicher Dribblings gehört der Brasilianer indes zu den 25 besten Spielern in Europa. Pro Partie absolviert Scienza im Durchschnitt knapp über drei erfolgsversprechende Laufspiele. Damit liegt er zwar im ligainternen Vergleich hinter Leverkusens Florian Wirtz, Bayerns Jamal Musiala oder Jamie Gittens von Borussia Dortmund, reiht sich aber dennoch in eine Liste mit ganz europäischen Topstars ein.
Auf beiden Flügeln variabel einsetzbar
Durch seine Beidfüßigkeit ist der 26-Jährige vielseitig einsetzbar. Immer wieder weicht der Linksaußen mit trickreichen Dribblings auch auf den rechten Flügel aus. Dort kann er beinahe genauso - nur in niedrigerer Frequenz - für Unruhe sorgen, was ihn für die gegnerischen Defensivakteure in vielen Situationen unberechenbar macht.
Schmidt: "Er hat noch Luft nach oben"
In dieser Spielzeit sind dem Heidenheimer Zauberfuß wettbewerbsübergreifend in 29 Pflichtspielen bislang fünf Tore und vier Vorlagen gelungen - viele davon waren nicht nur äußerst sehenswert, sondern vor allem spielentscheidend. Schmidt findet Scienza Scorer-Bilanz "in Ordnung, er muss aber weiter hart an sich arbeiten", sagt Heidenheims Kultcoach und führt aus:
"Er hat noch sehr viel Potential - vor allem taktisch, im Defensiv-Verhalten und in der Widerstandsfähigkeit hat er noch Luft nach oben. Dieses Jahr in der Bundesliga mit dem FCH wird ihn in seiner Persönlichkeit voranbringen."
Scienzas Variabilität, seine temporeichen Dribblings und die bilderbuchreifen Tore - wie der Freistoßtreffer (zum 1:2, 73. Minute) in der Conference-Playoff-Partie gegen Kopenhagen (1:3) - bleiben aber jetzt schon nicht unbemerkt.
Scienzas Qualitäten wecken Begehrlichkeiten im In- und Ausland
Nach Sky Informationen zeigten bereits im vergangenen Winter mehrere Vereine aus den Inland Interessen an Scienza - unter anderem der FC Augsburg. Auch Klubs aus Brasilien haben sich nach ihm erkundigt, da er immer wieder bekundet hat, dass er seine Heimat und seine Familie vermisse. Auch der FC Sevilla spielte zuletzt mit dem Gedanken, ihn nach Andalusien zu lotsen.
In Heidenheim wollen sie ihren Brasilianer von der Brenz ursprünglich nicht abgeben. Trotzdem wäre der Bundesligist aus Ostwürttemberg bei einer Summe von vier bis fünf Millionen Euro wohl gesprächsbereit. Scienzas Vertrag in Heidenheim läuft noch bis 2027.
Er selbst fühlt sich an der Brenz wohl, weil er sich in Heidenheim wertgeschätzt fühlt und dort seinen Traum von der Bundesliga leben kann. Ein Traum, der vor fünf Jahren in einem kleinen schwedischen Provinzstädtchen nahe Stockholm noch unendlich weit entfernt schien.
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