High Noon am Millerntor: St. Pauli vor Showdown im Abstiegskampf
Zwischen Enttäuschung, Erwartungsmanagement und purem Überlebensmodus kämpft der FC St. Pauli weiter um den Klassenerhalt. Vor dem möglichen Showdown mit Wolfsburg setzt das Management klar auf Trainer Alexander Blessin.
29.04.2026 | 20:27 Uhr
Der Abstiegskampf zwingt den FC St. Pauli zur schonungslosen Einordnung der eigenen Lage. Nach der Niederlage in Heidenheim zählt nur noch das Ergebnis – sportliche Schönheit ist dabei zweitrangig.
Die Sache mit dem Erwartungsmanagement ist beim FC St. Pauli bereits am 2. Spieltag der laufenden Saison zu einer echten Herausforderung geworden. Der Derby-Sieg mit Glanz und Gloria - ein Fanal im Volkspark und auf der Heimfahrt Richtung Kiez die Erkenntnis bei vielen Fans - und nicht nur bei denen: Mit dem Abstieg dürfte diese Mannschaft ja wohl wenig bis gar nichts zu tun haben.
„So ehrlich muss man sein", räumt Sportchef Andreas Bornemann ein, „nach dem tollen Start ist es nicht nur von außen zu optimistisch bewertet worden. Auch innen wurde unser Basis-Thema ein Stück weit vernachlässigt: Mit allem, was wir haben, unser Tor zu verteidigen." In der Tat hat das Team von Alexander Blessin jetzt genauso viele Tor erzielt, wie zum selben Zeitpunkt der Vorsaison (26), aber 17 Treffer mehr schlucken müssen - die vielstimmig geführte Stürmer-Debatte am Millerntor schießt also offenbar am Ziel vorbei.
Erwartungsmanagement im Abstiegskampf
Die Erwartungen, die die Kiezkicker auf die Reise nach Heidenheim begleitet hatten, waren gleichwohl auch nach inzwischen 17 Saison-Niederlagen um ein Vielfaches höher als das, was am Ende herausgekommen ist. 0:2 beim Letzten - auf der Zielgeraden im Abstiegskampf. Ein Offenbarungseid?
Bornemann: „Ich finde, man muss dem Gastgeber den entsprechenden Respekt zollen. Die haben ähnliche Möglichkeiten wie wir und sind in den vergangenen vier Spielen dreimal ungeschlagen gewesen." Erwartungs-Management! „Mit dem Blick darauf, dass wir es - wie gegen Köln - nicht geschafft haben, die Lücke zum direkten Klassenerhalt zu schließen, verstärkt das natürlich die Enttäuschung", ergänzt der Sportchef.
Fußball-Ästhetik zweitrangig
So lange es rechnerisch möglich ist, arbeiten sie auf dem Kiez alle miteinander daran, den Klub noch irgendwie über den Strich zu wuchten. Wird schwer! Ein Sieg gegen Mainz ist bei dieser Zielvorgabe derweil alternativlos - das Team von Urs Fischer kommt aber natürlich keineswegs als Underdog ans Millerntor.
„Wenn wir unsere Qualitäten aufs Feld gekriegt haben - Laufbereitschaft, Intensität, kompaktes Verteidigen - haben wir es oft geschafft die Spiele eng zu gestalten. Das wird auch gegen Mainz wieder notwendig sein," glaubt Bornemann. Klingt nicht gerade so, als seien am Sonntag B-Noten für ästhetische Abläufe besonders präsent im Fokus der Hamburger. Es geht um Ursprüngliches - der sportliche Überlebens-Modus ist gefragt.
Showdown-Thriller in Hamburg
Der Spekulations-Modus ergibt währenddessen bei vielen Beobachtern dasselbe Resultat: Das Fern-Duell mit dem VfL Wolfsburg um Platz 16 wird am letzten Spieltag im direkten Showdown-Thriller in Hamburg entschieden - High noon am Millerntor. In diesem spektakulären Drehbuch wird Alexander Blessin übrigens bis zur letzten Klappe seine Hauptrolle behalten dürfen. Bornemann: „Alex hat weiterhin die Power, die man braucht und die Mannschaft spürt die Energie. Wir sind überzeugt, dass wir das große Ziel - den Klassenerhalt - am ehesten mit Alex Blessin schaffen." Manche Beobachter haben nach dem Saisonverlauf auch in der Trainerfrage andere Erwartungen - aber die Entscheidungen trifft und verantwortet nun mal das Management.
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