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Kolumne: Didi Hamann über Favre, BVB-Kapitän Reus, BMG, Leipzig und Real Madrid

Hamann zu Favre: "Frage mich, ob und wann es besser wird"

30.10.2020 | 18:04 Uhr

Sky Experte Dietmar Hamann spricht in seiner Kolumne über die Geschehnisse in der Champions League.
Image: Sky Experte Dietmar Hamann spricht in seiner Kolumne über die Geschehnisse in der Champions League. © Getty

In seiner Kolumne analysiert Sky Experte Dietmar Hamann die Leistungen der deutschen Champions-League-Teilnehmer und sieht vor allem den Auftritt des BVB kritisch.

TOP 1: Der BVB muss anders auftreten

Die Dortmunder haben jetzt zweimal gewonnen, zu Null gespielt und fünf Tore geschossen, aber man muss auch sehen, gegen wen sie gespielt haben. Gegen eine Mannschaft wie Schalke, die im Moment nicht tiefer am Boden sein könnte und gegen Zenit, die international bestenfalls Mittelmaß sind.

Die Spielweise der Dortmunder war gegen Schalke okay, aber gegen St. Petersburg einfach zu wenig. Sie haben in dieser Saison acht Spiele gemacht, aber sie sind in Augsburg, in Rom und gegen Zenit sehr pomadig aufgetreten. Sie haben im Moment auch keine großen Verletzungssorgen, sondern haben alles an Bord: Und trotzdem hat ihnen die Intensität im Spiel gefehlt. Das kann ich mir einfach nicht erklären.

2:59
Champions League, 2. Spieltag: Dortmund schlägt St. Petersburg mit 2:0 (Videolänge: 2:59 Min).

Wenn ich weiß, dass ich das Spiel gewinnen muss, dann muss ich von Beginn an brennen, muss versuchen, ein Zeichen zu setzen, die Zweikämpfe zu gewinnen und dem Gegner den Schneid abkaufen. Aber sie haben die Russen lediglich begleitet, wie sie es auch in Rom gemacht haben. Es war auch eher glücklichen Umständen und Fehlern des Gegners geschuldet, dass sie gestern gewonnen haben. Wenn sie nicht gewonnen hätten, würden wir heute wahrscheinlich eine ganz andere Diskussion führen.

Für Marco Reus war es gestern schwer. Ich würde ihn aus der Kritik rausnehmen und ihn in Schutz nehmen. Wenn die ganze Mannschaft so einen blutleeren Auftritt hinlegt, ist es für einen Einzelnen schwer, ein Spiel zu entscheiden. Marco ist nicht bei 100 Prozent, das wird er wahrscheinlich auch so sehen. Ich möchte hier auch noch einmal klarstellen, dass ich Marco Reus nicht kritisiert habe. Ich habe ihm weder seine spielerischen, noch seine Führungsqualitäten abgesprochen.

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Fakt ist, dass er im Moment sehr mit sich selbst beschäftigt ist, weil er nach einer Verletzung wieder zurückgekommen ist. Das Kapitänsamt ist für ihn momentan mehr Bürde als Inspiration. Als Kapitän hast du die Aufgabe, deine Nebenleute anzuspornen und zu inspirieren. Der Aufgabe kann er im Moment nicht gerecht werden. Das ist kein Vorwurf oder Kritik. Im Gegenteil: Ich habe selbst das größte Interesse, dass ein Marco Reus gut spielt. Wenn er gut spielt, dann spielt auch Dortmund gut, und er würde auch der Nationalmannschaft helfen, wenn sie zur Europameisterschaft fährt.

Was den Trainer und mögliche Nachfolger angeht, will ich nicht spekulieren. Aber Fakt ist, dass die Dortmunder anders auftreten müssen als in den letzten Wochen. Lucien Favre hat seine Art und es macht keinen Sinn, zu versuchen, ihn zu ändern. Er ist ein Stratege und kein Brandredner. Er ist kein Trainer, der die Leute mitzieht. So war er noch nie und das darf man von ihm nicht erwarten. Nur ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem ich mir die Frage stelle, ob und wann es besser wird.

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Die Sondersituation durch Corona nimmt dabei zwar etwas Feuer aus der ganzen Sache, die Vereine wissen im Moment nicht, welche finanziellen Auswirkungen das Ganze hat. Dennoch müssen sich die Dortmunder früher oder später bekennen. Klar ist aus meiner Sicht: Umso öfter solche Auftritte wie in Rom oder gegen Zenit sind, umso unwahrscheinlicher wird ein Verbleib von Favre.

Sollte man sich trennen, muss man auf Alternativen schauen. Marco Rose und Jesse Marsch wurden gehandelt, auf einen dieser Namen wird es wahrscheinlich hinauslaufen. Aber dafür müssten diese Trainer und ihre Vereine mitspielen. Ein Wechsel könnte eine kostspielige Sache werden. Julian Nagelsmann hat auch noch Vertrag. Sollte er sich einmal entscheiden, Leipzig zu verlassen, werden einige europäische Top-Vereine um seine Dienste buhlen, das steht außer Frage.

TOP 2: Gladbach geht noch enttäuschter in Duell gegen RB

Leipzigs 0:5 in Manchester war eine Niederlage, die so nicht passieren sollte. Ich würde das Spiel aber als Ausrutscher abtun, denn bisher haben die Leipziger den deutschen Fußball hervorragend vertreten. Ich hoffe, dass sie die richtigen Lehren aus der Niederlage ziehen und ich glaube, sie werden zurückkommen. Was die Situation in der Gruppe angeht, war das 0:5 natürlich schlecht. Über das Torverhältnis wirst du dich gegenüber United wahrscheinlich nicht qualifizieren.

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Ich glaube aber nicht, dass die Niederlage große Auswirkungen auf das Spiel am Samstag in Mönchengladbach haben wird. Die Gladbacher werden nach den Unentschieden in Mailand und gegen Madrid noch enttäuschter sein. Das Unentschieden gegen Real hat einen bitteren Beigeschmack. Die zwei Punkte hätten sie wahrscheinlich vor dem Start der Champions League gerne genommen, aber normalerweise müssten sie mindestens vier Punkte haben, vielleicht sogar sechs. Mit einem Sieg hätten sie Madrid fast schon aus der Gruppe herausnehmen können. Es ist schade, dass sie sich mit Unachtsamkeiten in beiden Spielen um den Lohn ihrer harten Arbeit gebracht haben.

3:07
Champions League, 2. Spieltag: Gladbach und Real Madrid trennen sich 2:2. (Videolänge: 3:07 Min)

Das müssen sie aber mit Blick auf das Spiel gegen Leipzig am Samstag und in Donezk nächste Woche schnell abhaken. Sie haben immer noch eine riesen Chance in der Champions League und es gibt keinen Grund zum Schwarzmalen. Ich glaube auch, dass sie gefestigt genug sind, um gegen Leipzig am Samstag ein ordentliches Spiel abzuliefern.

TOP 3: Real steht zu Recht auf Platz vier

Noch kurz zur Leistung von Real Madrid: Sie stehen zu Recht auf Platz vier. Sie waren an den ersten beiden Spieltagen mit Abstand die schwächste Mannschaft in der Gruppe und können froh sein, dass sie noch im Rennen sind. Sie spielen behäbigen, langsamen Fußball. Zudem stimmt es in der Mannschaft nicht, das zeigt die Szene mit Benzema, der offenbar in der Halbzeitpause zu Mendy gesagt hat, er solle Vinicius nicht mehr anspielen. Real hat elf Einzelspieler mit herausragenden Qualitäten, aber keine Mannschaft. Und so spielen sie auch.

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Ganz anders der FC Bayern: Die Münchner haben die Messlatte in den letzten Monaten sehr hoch gelegt, sodass die Leute vielleicht enttäuscht sind, wenn du mal etwas niedriger springst. Aber solche Spiele wie in Moskau hast du auch mal und dann musst du versuchen, sie rumzureißen. Die Belastung ist immens, da kann es mal einen Schlenker nach unten geben. Das zeichnet die Bayern aus, dass sie, auch wenn sie mal nicht so gut spielen, einen Weg finden, um zu gewinnen.

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