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Kolumne: Didi Hamann über Lionel Messi und möglichen Wechsel zu Bayern

Hamann: Messi-Transfer macht für Bayern keinen Sinn

14.09.2020 | 13:46 Uhr

Dietmar Hamann analysiert für skysport.de das Geschehen in der Bundesliga.
Image: Dietmar Hamann analysiert für skysport.de den Restart in der Premier League. © DPA pa

In seiner Kolumne spricht Sky Experte Dietmar Hamann über das Messi-Beben, prognostiziert dem FC Barcelona eine düstere Zukunft und erklärt, warum der FC Bayern den Superstar nicht braucht.

Top 1: Messi wurde im Stich gelassen

Paukenschlag beim FC Barcelona! Lionel Messi will also wirklich den Klub verlassen. Überrascht hat mich die Nachricht vom Wechselwunsch aber nicht wirklich. Ich hatte mit nach dem 2:8-Debakel gegen die Bayern schon damit gerechnet, dass etwas passieren könnte. Denn so weit wie im Moment war Barca schon lange nicht mehr vom Champions-League-Triumph entfernt.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Messi nicht gern diese Entscheidung getroffen hat. Seine erste Option war immer ein Karriereende bei den Katalanen. Er ist seit seiner Kindheit in Barcelona, lebt dort mit seiner Familie und wird in der Stadt und von den Anhängern verehrt.

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Champions League, Viertelfinale: Der FC Bayern setzte sich im Viertelfinale der Champions League mit 8:2 (4:1) gegen den FC Barcelona durch und steht zum 13. Mal in der Runde der letzten Vier. (Videolänge: 3:04 Min).

Messi musste ein Zeichen setzen

Ich denke eher, dass er diesen Schritt geht, weil er einfach das Gefühl hat, er muss jetzt ein Zeichen setzen. Er ist einfach ungern Zweiter oder noch schlechter. Sein Ziel werden immer Titel und vor allem noch ein Triumph in der Königsklasse sein. Und wenn er das noch mal schaffen will, dann muss er weg aus Barcelona. Das scheint er auch für sich erkannt zu haben.

Er war bei allen Erfolgen zwar immer das Gesicht des Erfolgs, aber nie war das Team so abhängig von ihm, wie es jetzt der Fall ist. Beim letzten CL-Titel 2015 hatte er Xavi, Iniesta oder Neymar an seiner Seite, die ihn entlasten konnten. Diese Hilfe hat er in dieser Form nicht mehr bekommen. Er musste die ganze Last und den Druck alleine schultern.

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Premier League als wahrscheinlichste Option

Die Frage wird nun sein, wer kann und will sich Messi leisten? Für mich stehen die Chancen momentan noch 50/50. Im Verein werden sie nun alles dafür tun, dass es nicht zu diesem Worst-Case-Szenario kommt. Sollte ein Führungswechsel oder eine Umstrukturierung in der Chefetage nötig sein, wird Barcas Führung auch das in Betracht ziehen müssen.

Sollte dies jedoch nicht vollzogen werden und für Messi nicht genug sein, sehe die Premier League als wahrscheinlichste Option an. Es werden auf jeden Fall sehr spannende Zeiten in Barcelona.

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Spanische Journalisten sprechen über Messis Situation beim FC Barcelona und geben einen Tipp ab, zu welchem Klub er wechseln könnte (Videolänge: 50 Sekunden).

Top 2: Darum braucht Bayern Messi nicht

Spannend wird auch sein, was der FC Bayern nun macht. Wenn ein Verein einmal die Möglichkeit bekommen kann, den besten Spieler der Welt zu verpflichten, dann musst du dich wenigstens mit der Personalie beschäftigen.

Und wenn es einen günstigen Zeitpunkt gibt, dann jetzt nach dem CL-Triumph. Alle sind happy und ich glaube, jeder Spieler würde verstehen, dass der Klub es wenigstens versucht.

Flick mit Bayern-Kader sehr zufrieden

Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass Hansi Flick mit der aktuellen Situation und seiner Mannschaft sehr zufrieden ist und möglicherweise sogar sein Veto einlegen würde. Der Trainer hat eine geschlossene sowie funktionierende Truppe und zudem sind alle Positionen quasi doppelt besetzt. Es stößt nun noch Leroy Sane zum Team. Dann hast du mit ihm, Serge Gnabry und Kingsley Coman schon drei der besten Flügelspieler der Welt zusammen. Dazu ist Bayern-Ikone Thomas Müller wieder in Topform und nahezu unverzichtbar für das Team.

Als Fan würde ich mir Messi beim FC Bayern wünschen, aber für mich ist es einfach nicht realistisch. Denn so dumm es sich anhören mag: ein Messi-Transfer würde für den FC Bayern momentan wenig Sinn machen!

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Top 3: Barcelona ist ein zerstrittener Klub

So gut alles bei Bayern auch ohne Messi funktioniert, so wenig läuft bei Barcelona zusammen. Es ist ein in sich zerstrittener Verein. Denn in den letzten Jahren ist dort sehr viel passiert. Prägende Figuren wie Xavi, Iniesta oder Puyol sind gegangen, ehemalige Leistungsträger wie Busquets oder Pique können nicht mehr an ihre Glanzzeiten anknüpfen und es wurde für Spieler wie Dembele, Coutinho oder Griezmann, die kaum eine Rolle spielen, Unmengen an Geld rausgefeuert.

Auch deswegen steckt der Klub in großen finanziellen Schwierigkeiten. Nun muss Barca wohl noch fünf Millionen Euro an Liverpool überweisen, da Coutinho CL-Sieger mit Bayern. Dies sollte er eigentlich mit Barca schaffen.

Große Spannungen und Spaltungen

Diese Beispiele verdeutlichen, dass es nicht nur in der Struktur der Mannschaft nicht mehr passt, sondern dass auch im Management und im gesamten Klub viel im Argen liegt. Ein verdienter Spieler wie Pique tritt vor die Presse und erklärt, dass im Klub vieles schief läuft und nimmt Team sowie Trainer explizit aus der Kritik. Ein Spieler zählt in so einer Form die sportliche Führung an. Das müsste man sich mal beim FC Bayern vorstellen - undenkbar!

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Dies verdeutlicht, dass es in diesem Verein unglaublich große Spannungen und Spaltungen gibt, die nicht so schnell zu kitten sind. Es deutet momentan alles auf das Ende einer sehr erfolgreichen Ära hin. Mit einem Messi-Abgang wäre der Klub nicht weit von der Bedeutungslosigkeit entfernt. Ohne den Superstar ist das Team überaltert. Neue und junge Spieler wie de Jong müssen dann erst einmal beweisen, dass sie ein Team mitreißen und führen können.

Real hat Barca den Umbruch vorgemacht

Das wäre ein Verlust, mit dem sich Barca für Jahre aus dem europäischen Titelrennen verabschieden würde. Der große Rivale Real Madrid hat die Trennung von Cristiano Ronaldo zum Beispiel deutlich besser hinbekommen. CR7 wollte sich verändern und bei den Königlichen hatte man das Gefühl, sie wissen, wie sie etwas Neues starten können. Sie wurden dieses Jahr Meister und haben neue Spieler geholt, die die große Geschichte fortsetzen können.

Bei den Katalanen sehe ich das nicht. Dem stolzen Barcelona droht ohne Messi der Absturz in die Mittelmäßigkeit.

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