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Kommentar zu Özil-Statement: Führungsversagen & Selbstinszenierung

Nach Özil-Statements

von Uli Köhler

23.07.2018 | 14:32 Uhr

Mesut Özil bestritt 92 Länderspiele für das DFB-Team und gewann 2014 den WM-Titel.
Image: Mesut Özil bestritt 92 Länderspiele für das DFB-Team und gewann 2014 den WM-Titel. © DPA pa

Puh…  Die Mesut Özil Story ist ein Wirrwarr aus politischer Ignoranz, Katastrophen-Fußball, Führungsversagen und peinlicher Selbstinszenierung.

Doch jetzt gilt es zu differenzieren. Das Wichtigste: Die Erklärung kommt zwei Monate zu spät. Mesut Özil gibt dabei einen Einblick in sein Innenleben, seine Beweggründe.

Özil tritt zurück und rechnet mit Grindel ab

Özil tritt zurück und rechnet mit Grindel ab

Mesut Özil hat als erster Spieler nach dem WM-Debakel seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Das gab der Mittelfeldspieler über seine sozialen Netzwerke bekannt. Vor allem DFB-Präsident Reinhard Grindel attackiert er scharf.

Und man darf ihm glauben. Er will eigentlich nur über Fußball reden. Diese Erklärung hätte vor der WM für Entspannung sorgen können, auch wenn Selbstkritik und Reflexion komplett fehlen. Erdogan tritt nicht nur die deutschen, sondern auch die türkischen Werte mit Füßen.

Özil als Rassismus-Opfer?

Özil sieht sich als Rassismus-Opfer. Das ist absoluter Blödsinn. Alle ernstzunehmenden und einflußreichen Medien haben sich genau dagegen verwahrt.

Hoeneß geht auf Özil los

Hoeneß geht auf Özil los

Mesut Özils Rücktritt und die damit einhergehende Abrechnung mit dem DFB und den deutschen Medien ist seit Sonntagabend das Thema im deutschen Fußball.

Aber natürlich muss auch über den Fußballspieler Özil diskutiert werden. Der hat polarisiert. Es gibt viele Fans, denen seine Art zu spielen auf die Nerven gegangen ist. Uli Hoeneß hat das jetzt drastisch formuliert. Es gibt aber auch Özil-Fans, darunter Jogi Löw und Arsene Wenger. Doch trotzdem hat sich die Klasse von Özil vielen Fans nicht erschlossen. Der DFB hat dies alles auf peinliche Art unterschätzt.

Özil bricht sein Schweigen: Beide Statements im Wortlaut

Özil bricht sein Schweigen: Beide Statements im Wortlaut

Mesut Özil hat sich erstmals öffentlich zur Erdogan-Affäre geäußert und sich zu dem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten bekannt. Kurz darauf ließ er ein zweites Statement folgen, in dem er gegen Sponsoren, Medien und DFB austeilt.

Eine Bankrott-Erklärung

Die multikulturelle Nationalmannschaft war lange Zeit das Aushängeschild für erfolgreiche Integration. Anstelle Mesut Özil mitzunehmen, hat ihm DFB-Präsident Grindel mehr oder weniger unverhohlen ein Ultimatum gestellt. Eine Bankrott- Erklärung. Die Vorwürfe von Özil an Grindel sind im Gegenzug massiv und werden zu prüfen sein. Wenn sie stimmen, dann muss der DFB-Präsident zurücktreten. Da passt sehr gut ins Bild, das Grindel in den letzten Tagen seine Kritiker öffentlich zur Rechenschaft zieht und immer 100 % Zustimmung fordert.

Durch dieses Versagen ist die Rassismus-Debatte befeuert worden, der rechte Rand hat jubiliert und dem Deutschen Fußball ist kaum wieder gut zumachender Schaden entstanden. Wie wenig Mesut Özil und seinen Beratern aber selbst an einer gemeinsamen Lösung gelegen ist, zeigt die Inszenierung seines Rücktritts. Drei Folgen auf Englisch. Hauptsache die Follower werden ausreichend bedient.

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