Kommentar zum Konflikt in der Führung der TSG Hoffenheim
Andreas Schicker bleibt Sportgeschäftsführer bei der TSG 1899 Hoffenheim. Das ist eine gute Nachricht für den gesamten Verein. Trotzdem ist bei der TSG noch lange nicht wieder alles im Lot.
10.02.2026 | 14:11 Uhr
Ein Kommentar von Sky Sport Reporter Dennis Bayer zur Situation bei den Kraichgauern.
Innerhalb von nicht einmal anderthalb Jahren hat Andreas Schicker die TSG Hoffenheim komplett umgedreht.
Mit Sportdirektor Paul Pajduch und Trainer Christian Ilzer hat der Österreicher die mitentscheidenden Positionen für sportlichen Erfolg neu besetzt und aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Aspiranten geformt.
Schicker hat dem Team eine neue Handschrift verpasst, die erfolgreiche Jugendarbeit noch stärker mit den Profis verzahnt und Spieler verpflichtet, die nicht nur für akuten sportlichen Erfolg sorgen, sondern auch großes Potenzial für einen gewinnbringenden Weiterverkauf aufweisen. Dass sein Aus überhaupt zur Debatte stand, war aus sportlicher Sicht eine Farce.
Machtkampf hinter den Kulissen
Der aus der Ultra-Szene stammende Ex-Interimspräsident Christoph Henssler wollte Schicker absetzen lassen, mutmaßlich um seine Getreuen einzusetzen und selbst mehr Einfluss auf den Verein nehmen zu können.
Im Zuge eines schon länger schwelenden Machtkampfs hinter den Kulissen mussten in den vergangenen anderthalb Jahren bereits mehrere Geschäftsführer aus unterschiedlichen Gründen ihren Hut nehmen.
Die TSG wird nur von einem Interimspräsidium geführt
Schickers Verbleib wendet das ganz große Chaos im Kraichgau vorerst ab. Die TSG bleibt aber weiter ein sehr fragiles Gebilde.
Da wären zum einen die Mehrheitsverhältnisse: Als Mäzen besitzt Milliardär Dietmar Hopp weiter die Kapitalmehrheit am Verein, ohne seine finanzielle Unterstützung wäre die TSG in dieser Form wohl kaum tragbar. Die Stimmrechtsmehrheit liegt nach der Rückgabe seiner Anteile allerdings beim e.V und damit bei den Mitgliedern, die Hopp zumindest auf dem Papier im Zweifel überstimmen können.
In den letzten Jahren waren immer mehr Stimmen im Klub laut geworden, die den Verein gerne unabhängiger vom reichen und einflussstarken Förderer machen würden. Zudem wird der Klub aktuell nur von einem Interimspräsidium geführt. Ordentliche Wahlen eines neuen Vorsitzenden sind für März geplant.
Bis hin zu wirklicher Ruhe ist der Weg noch weit
Ob der Konflikt bis dahin wieder aufbricht, ist nicht sicher, aber durchaus denkbar. Des Weiteren ist die Geschäftsführung der TSG nach dem Abgang von Tim Jost nur noch mit Schicker besetzt: Keine optimale Situation für einen professionellen Bundesligaklub bei dem neben sportlichen Aspekten natürlich auch Marketing und Finanzen eine große Rolle spielen müssen.
Die klare Solidarisierung von Spielern, Trainer und großen Teilen der Fans mit Schicker zeigt, dass Hoffenheim im sportlichen Epizentrum geschlossen agiert und an einem Strang zieht: Eine wichtige Grundvoraussetzung für den aktuellen Erfolg.
Der Verbleib des 39-Jährigen ist ein wichtiger Schritt in eine ruhigere Zukunft. Bis hin zu wirklicher Ruhe im Verein liegt allerdings noch ein weiter Weg vor der TSG 1899 Hoffenheim.
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