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Lothar Matthäus Kolumne zum Restart der Bundesliga, RB Leipzig & FC Bayern

Matthäus-Kolumne: "Leipzig hat sich aus Titelkampf verabschiedet"

19.05.2020 | 11:26 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. In dieser Woche geht es um den Re-Start der Bundesliga, das Revierderby und Lewandowskis Chance auf den Müller-Rekord.

Die ganze Welt hat am Wochenende auf unseren Fußball geschaut und wir haben unsere Sache großartig gemacht. Das war weltweite Werbung für die deutsche Bundesliga. Alle haben einen fantastischen Job gemacht.

Zugegeben, ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl vor dem Neustart und habe nicht dieselbe Vorfreude verspürt wie nach einer normalen Sommerpause. Dafür ist die Situation einfach zu kritisch und speziell. Aber im Nachhinein muss ich sagen, Hut ab. Vereine, Spieler, Trainer, Medien, selbst die nicht zugelassenen Fans haben dazu beigetragen, dass unser Fußball von einem noch nie dagewesenen Millionen-Publikum auf dem Erdball beobachtet wurde und alle sehen konnten, dass es geht und dass es Hoffnung gibt.

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Jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Ein Revier-Derby mit einem richtig starken BVB und einem Erling Haaland, der einfach dort weitermacht, wo er aufgehört hat. Eine Borussia aus Mönchengladbach, die von der ersten Minuten an Vollgas gegeben hat. Der nächste Bayern-Sieg, Kampf im Tabellenkeller und Emotionen auf allen Plätzen mit Abstand und Respekt. Natürlich war nicht alles perfekt, aber fast.

Wir dürfen uns jedoch auf den Lorbeeren, die wir aus England, Spanien, Italien aber auch aus Südamerika und dem Rest der Welt bekommen haben nicht ausruhen. Wir dürfen keinen Millimeter nachgeben, sondern müssen das jetzt genauso bis zum Ende durchziehen und können danach so richtig stolz auf uns sein. Ich hoffe, dass die Profis jetzt auch in der häuslichen Quarantäne vorbildlich handeln und sich an alle Regeln halten. Es ist in ihrem und in unser aller Interesse.

Lewandowski wird Müller-Rekord knapp verfehlen

Jeder kennt mein Faible für die Stürmer-Qualitäten von Robert Lewandowski. Er war, ist und bleibt noch eine ganze Weile die beste reine Nummer 9 der Welt für mich. Er ist nun bei 26 Toren in dieser Bundesliga-Saison und natürlich ist es möglich, den Rekord für die Ewigkeit von Gerd Müller aus der der Saison 1971/72 mit 40 Toren zu knacken. Bei noch acht verbleibenden Spieltagen, müsste der Super-Pole 1,75 Treffer pro Spiel erzielen. Wenn das einer schaffen kann, dann natürlich er.

Aber man darf nicht vergessen, dass auch die Bayern nicht jedes Spiel haushoch gewinnen können und sie noch nach Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg müssen. Zudem kommt Gladbach noch nach München. Ich glaube, er wird an der Marke vom "Bomber der Nation" kratzen, aber sie um ein, zwei Tore verpassen.

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Rekorde sind für einen Athleten etwas wunderbares, weil man weiß, was man alles tun musste, um ihn zu erreichen. Auf was man dafür alles verzichtet und wie sehr man sich teilweise gequält hat. Das geht mir mit meinen 150 Länderspielen ähnlich wie Gerd mit all seinen Toren. Aber Rekorde sind auch da, um geknackt zu werden. Ich bin sicher, dass diese und andere Marken irgendwann fallen und dann auch mit Freude und Anerkennung von den Rekordhaltern respektiert werden.

Fährmann könnte auf Schalke die Lösung sein

Schalke 04. Der Name war am Wochenende Programm. Nach einer katastrophalen Leistung der Königsblauen hagelte es zurecht so ein Ergebnis beim großen Rivalen. Da fehlte es an allem, was man von so einem Team in so einem Spiel erwarten darf und muss.

Und zu allem Überfluss hat die Torwart-Diskussion um Schubert und Nübel wieder an Fahrt aufgenommen. Der Wechsel von Nübel nach München mit all seinen Begleitumständen, hat der ganzen Mannschaft und vor allem den beiden Schlussmännern geschadet. Beiden geht das Ganze zu sehr an die Substanz und sie patzen seit Wochen im Gleichschritt.

Ob David Wagner nun wieder wechseln soll und Nübel ins Tor muss, weil er wenigstens nicht mehr von den Fans ausgepfiffen werden kann, weiß ich nicht. Denn die Öffentlichkeit und die Medien werden ganz genau hinschauen. Ich denke, Wagner muss die Trainingsleistungen als Entscheidungsgrundlage heranziehen.

Für die neue Saison ist es eher unwahrscheinlich, dass Schalke Millionen in die Hand nehmen wird, um sich einen neuen Torwart zu leisten. Am Ende ist man in Gelsenkirchen vielleicht doch ganz glücklich darüber, dass Ralf Fährmann im Sommer wieder kommt. Der war schließlich Kapitän, Identifikationsfigur und Anführer. Und wenn er an seine guten Zeiten anknüpfen kann, könnte das die Lösung sein.

Für RB hat sich die Meisterschaft erledigt

Wer Deutscher Meister werden kann und will, darf in zwei Spielen keine fünf Punkte gegen den SC Freiburg liegen lassen. Und das sage ich mit höchsten Respekt und Hochachtung vor Christian Streich und seiner Spitzenarbeit bei diesem sympathischen Verein.

RB hat sich nach diesem Wochenende vom Titelkampf verabschiedet. Sieben Punkte auf Bayern und dazwischen auch noch die starken Dortmunder und Gladbacher zu haben, ist eigentlich nicht mehr zu schaffen. Für Leipzig wird es eher darum gehen, sicher unter die ersten vier zu kommen, denn Leverkusen ist auf Platz fünf in Schlagdistanz.

Ich bin ein großer Bewunderer der Arbeit und der Spielphilosophie aller Beteiligten bei RB. Aber die Herbstmeisterschaft und die fantastische Champions-League-Saison gehen an so einem jungen Verein nicht spurlos vorbei. Da hat kaum einer bisher Titel gewonnen oder ist das Gefühl des Gejagten gewohnt. Die Leichtigkeit ist in der Rückrunde leider abhanden gekommen.

Das ist aber alles andere als tragisch. Sie werden daraus lernen und die tolle Entwicklung wird weiter ihren Lauf nehmen. Der Trainer, die Spieler und die Verantwortlichen sind in jeder Hinsicht top. Aber Meister wird in dieser Saison wohl jemand anderes.

Kein Vorwurf an Ibisevic und Co., aber in Zukunft vorher nachdenken

Ich bin wirklich der Letzte, der einem Spieler einen Vorwurf machen möchte, wenn dieser nach einem Tor seinen Emotionen freien Lauf lässt und die Freude mit den Kollegen teilt. Das gehört dazu. Das ist einfach ein tolles Gefühl und das will man als Fan auch sehen. Aber auch Vedad Ibisevic und seine Herthaner sollten sich bitte in den nächsten Wochen an die Jubel-Empfehlung der DFL halten und im Augenblick der Freude ein bisschen mehr Abstand halten. Das ist jetzt eben so, und alle anderen haben das ja auch hinbekommen.

Wie das zum Beispiel die Dortmunder vor der leeren Südtribüne gemacht haben, fand ich richtig toll. Auch nach dem 1:0 von Haaland sah das sehr sympathisch aus. Ich hoffe, dass es bei der Empfehlung der DFL bleibt und sie nicht dazu übergehen muss, einen solchen Jubel unter Strafe zu stellen und ein Akteur deswegen mal vom Platz fliegt. Dafür müssen aber auch alle mitziehen.

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Ich kann mit Bruno Labbadia mitfühlen, der sich nach so einem wichtigen und verdienten Sieg schützend vor seine Leute stellt. So wie ich ihn aber kenne, hat er intern einen anderen Ton angeschlagen und will das nicht nochmal sehen. Und doch kann ich auch Ibisevic ein wenig verstehen. Die letzten Monate waren für alle in diesem Verein nicht so angenehm und leicht und es gab einige Störgeräusche. Wenn es dann nach langer Zeit etwas Positives gibt, sprudelt die Freude aus einem heraus.

Bei Heiko Herrlich war der Fall etwas anders gelegen. Sein Gang in den Supermarkt und raus aus der Quarantäne, war nicht emotional sondern unüberlegt. Und dann war er auch noch so ehrlich und hat das auf der Pressekonferenz erzählt. Diese Ehrlichkeit hat schon wieder Charme. Die größte Strafe hat er sich ja quasi selbst eingebrockt. Er hat sich um sein Debüt beim FC Augsburg gebracht, weil er etwas gedankenlos schnell Zahnpasta und Gesichtscreme besorgen wollte und keinen Assistenten darum bat. Natürlich war das nicht sonderlich schlau von ihm. Aber das weiß er jetzt selbst und bereut es bestimmt auch.

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