Manchester City schuldig gesprochen: Diese Strafen drohen nach dem historischen Premier-League-Urteil
Hammer-Urteil in England: Manchester City wurde von einer unabhängigen Kommission in den wesentlichen Anklagepunkten rund um schwere Finanzverstöße für schuldig befunden. Welche Strafe droht dem Topklub? Von Punktabzug bis Liga-Ausschluss scheint alles möglich.
29.09.2026 | 19:10 Uhr
Der Schuldspruch gegen Manchester City erschüttert den englischen Fußball. Doch was genau wird dem Klub vorgeworfen, wie kam es zu den Untersuchungen und welche Konsequenzen drohen jetzt? Hier gibt es alle Antworten zum Fall.
Was ist passiert?
Manchester City ist wegen schwerwiegender Verstöße gegen Finanzregeln offiziell in den meisten Anklagepunkten für schuldig befunden worden. Das teilte die Premier League am Dienstag mit, nachdem eine unabhängige Kommission zu dem Entschluss gekommen war.
Der Chef der Premier League, Richard Masters, bezeichnete den Schuldspruch offiziell als die "bedeutendste Disziplinarentscheidung in der Geschichte der Liga". Der jahrelange Streit um die Einhaltung der Finanzregeln erreicht damit einen neuen Höhepunkt.
Was wird Manchester City vorgeworfen?
Die Vorwürfe beziehen sich auf die Geschäftspraktiken der Eigentümergruppe aus Abu Dhabi, die Manchester City im Jahr 2008 übernommen hatte. Im Fokus steht der Zeitraum von der Saison 2009/10 bis 2017/18. Nach Angaben der Premier League wurde der Klub in allen Anklagepunkten zu Verstößen gegen die Finanzregeln schuldig gesprochen. Zudem befand die unabhängige Kommission den Verein in den meisten Punkten, die die mangelnde Zusammenarbeit mit den Ermittlern betreffen, ebenfalls für schuldig.
Dem zehnmaligen englischen Meister wird unter anderem vorgeworfen, seine Finanzzahlen mithilfe von Sponsorenvereinbarungen künstlich geschönt zu haben. Laut dem Statement der Premier League kamen dabei "Scheinverträge" zum Einsatz, durch die Einnahmen erhöht und Ausgaben reduziert worden sein sollen. Die unabhängige Kommission beziffert das Volumen dieser Vorgänge auf rund 900 Millionen Pfund (etwa 1,05 Milliarden Euro).
Darüber hinaus soll Manchester City unzutreffende Jahresabschlüsse eingereicht und die tatsächliche finanzielle Lage des Klubs verschleiert haben. Nach Einschätzung der Kommission verstieß der Verein damit gegen die Ausgabenbegrenzungen der Premier League sowie der UEFA. In ihrer Bewertung kommt die Kommission zu dem Schluss, dass der Klub durch sein Vorgehen gezielt versucht habe, die geltenden Finanzregeln zu umgehen.
Wie kam es zu den Ermittlungen?
Die mutmaßlichen Regelverstöße kamen erstmals 2018 durch eine Artikelserie des Spiegel in Deutschland ans Licht. Diese basierten auf E-Mails, die der verurteilte portugiesische Hacker Rui Pinto beschafft hatte und die auch auf der Website "Football Leaks" veröffentlicht wurden.
Diese Berichterstattung war der Auslöser für eine Untersuchung der UEFA gegen Man City im Jahr 2019 sowie für eine Untersuchung der Premier League. Im Februar 2020 wurde City wegen Verstoßes gegen die FFP-Regeln der UEFA für schuldig befunden und mit einer zweijährigen Sperre für europäische Wettbewerbe sowie einer Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro belegt - doch die Sperre wurde fünf Monate später vom Sportschiedsgericht (CAS) aufgehoben und die Geldstrafe auf 10 Millionen Euro herabgesetzt.
Das CAS stellte fest, dass City "den Untersuchungsprozess der UEFA eklatant missachtet" habe, sprach den Verein jedoch vom Vorwurf frei, "Eigenkapitalmittel als Sponsoringbeiträge getarnt" zu haben. In der Entscheidung hieß es, dass die meisten der mutmaßlichen Verstöße "entweder nicht nachgewiesen oder verjährt" seien, da die UEFA-Statuten eine Verfolgung nur innerhalb einer Frist von fünf Jahren zulassen. City erklärte, das CAS-Urteil sei eine "Bestätigung der Position des Vereins und der von ihm vorgelegten Beweislage".
Die Premier League kennt jedoch keine Verjährungsfrist für die Untersuchung mutmaßlicher Verstöße, weshalb sie Anklage gegen den Verein bis zurück ins Jahr 2009 erhoben hat.
Wann fand die Anhörung statt?
Die Anhörung von City im Verfahren gegen die Premier League fand vom 16. September bis zum 6. Dezember 2024 statt. Die zwölfwöchige Anhörung fand vor einer dreiköpfigen unabhängigen Kommission im International Dispute Resolution Centre in London statt.
Es war von vornherein zu erwarten, dass der Zeitraum zwischen der Anhörung und dem Urteil mehrere Monate betragen würde, da es sich um eine Vielzahl von Vorwürfen und eine große Menge an zu prüfenden Informationen handelte.
Welche Strafen sind möglich?
Sollte die Kommission gegen City entscheiden, kann sie den Verein nach eigenem Ermessen bestrafen.Gemäß den Regeln der Premier League könnte die Sanktion ein Punktabzug, eine Geldstrafe oder sogar der Ausschluss aus der Premier League sein.
Welche Strafen kann die unabhängige Kommission gegen einen Verein verhängen?
Ausschluss eines Vereins von Ligaspielen; Punktabzug; Empfehlung an den Vorstand, Ligaspiele zu wiederholen; Empfehlung an den Vorstand, den betroffenen Verein aus der Liga auszuschließen; Anordnung einer Entschädigung; Annullierung oder Verweigerung der Registrierung von Spielern; Bedingte Strafe; Verurteilung des Vereins zur Kostentragung; Erlass weiterer Anordnungen, die sie für angemessen hält.
Alles ist möglich, da es in der Premier League keine festgelegten Sanktionen für Verstöße gegen die Finanzregeln gibt. Im Februar 2025 erklärte Richard Masters, die Premier League erwäge die Einführung eines "Sanktionsrasters" - in dem vereinbarte Sanktionen für verschiedene Regelverstöße festgelegt werden -, doch dieses ist noch nicht in Kraft getreten.
Was waren bisher Strafen für ähnliche Vergehen?
Everton wurden in der Saison 2023/24 wegen Verstößen gegen die PSR zunächst sechs und anschließend zwei Punkte abgezogen, während Nottingham Forest in derselben Saison vier Punkte abgezogen wurden.
Weiter zurück in der Vergangenheit wurden Luton Town - damals noch in der EFL - in der Saison 2008/09 30 Punkte abgezogen - zehn wegen illegaler Zahlungen an Spielerberater und 20 wegen des Beendens der Insolvenzverwaltung ohne das erforderliche Insolvenzverfahren eines "Company Voluntary Arrangement".
In jüngerer Zeit, in der Saison 2021/22, wurden Derby County, ebenfalls in der EFL, 21 Punkte abgezogen - 12 wegen Insolvenz und neun wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten.
Wie läuft das Berufungsverfahren ab?
Der Verein kann gegen die Feststellungen bis Freitag Berufung einlegen. Über die Sanktion wird in einer gesonderten Anhörung entschieden.
In einer Stellungnahme kündigte ManCity an, die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen. Der Klub sei "sowohl enttäuscht als auch überrascht" und erklärte, "unschuldig hinsichtlich der von der Premier League erhobenen Vorwürfe" zu sein. Die Premier League kündigte an, "den verbleibenden Teil des Verfahrens zügig voranzutreiben, um der Liga, unseren Vereinen und den Fans Klarheit zu verschaffen."
Wäre die Berufung das Ende der Angelegenheit?
Die Berufung wäre das Ende dieses Teils des Verfahrens. Eine Berufung vor dem CAS wäre nicht möglich. Es dürfte jedoch zu weiteren Rechtsstreitigkeiten kommen, da Vereine möglicherweise gegen City vorgehen könnten, weil ihnen Titel und die Qualifikation für die Champions League entgangen sind.
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