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Matthäus: "Könnte eine sehr lange Pause für Boateng werden"

Matthäus-Kolumne: "So sehe ich das"

08.10.2019 | 17:23 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen Fußballwelt auf skysport.de. Diese Woche zieht er eine Zwischenbilanz nach dem 11. Spieltag und beschäftigt sich mit Jerome Boateng.

Die Bundesliga hat schon immer Spaß gemacht. Aber in den letzten Jahren war sie aufgrund der hohen Bayern-Dominanz zumindest an der Spitze etwas langweilig. Es ging an den letzten Spieltagen zwar immer noch um die Vergabe der internationalen Plätze und auch der Abstiegskampf war stets spannend, aber der Titel war immer sehr früh - ähnlich wie in Italien - vergeben.

Dass der Titel-Kampf nach elf Spieltagen so spannend ist, liegt nicht nur daran, dass der FC Bayern schwächelt. Es ist vor allem der Verdienst derer, die da oben mit fußballerischer Qualität dafür sorgen, dass wir unsere Liga aktuell noch lieber verfolgen als ohnehin. Dortmund, Gladbach, Leipzig, Frankfurt, Hoffenheim und natürlich auch die Bayern. Die Teams, die oben mitmischen, haben alle einen klaren Plan, ein Konzept, spielen attraktiven, offensiven, wunderbaren Fußball.

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Champions League, 2. Spieltag: Das Team von Trainer Julian Nagelsmann unterlag im heimischen Stadion der Elf von Pep Guardiola mit 1:2 und steht damit weiter bei einem Punkt.

Hoffenheim bietet selbst Manchester City Paroli

Sie betreiben hohen Aufwand, sind top besetzt, schießen eine Menge Tore. Dies liegt auch am neuen Selbstbewusstsein, dass sich unsere Mannschaften nicht zuletzt aus den internationalen Wettbewerben ziehen. Wir sind wieder wer in Europa. Hoffenheim bietet selbst Manchester City Paroli.

Der BVB schlägt Atletico Madrid beeindruckend 4:0. Auch die Mannschaften, für die es in der Bundesliga gerade nicht so gut läuft, wie Schalke oder Leverkusen, machen ihre Sache richtig gut. Es wird nicht mehr von Belastung gesprochen, sondern mit der ersten Garde in Europa angegriffen. Das gibt Mut und Selbstbewusstsein für den heimischen Wettbewerb.

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Champions League, 4. Spieltag: Borussia Dortmund hat die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League verpasst. Der Tabellenführer der Bundesliga verlor am Dienstag 0:2 bei Atlético Madrid.

Frankfurts magisches Dreieck ist beeindruckend

Was in Frankfurt gerade passiert, ist überragend. Das magische Dreieck aus Haller, Rebic und Jovic ist beeindruckend. Dazu Kostic auf dem Flügel und Trapp im Tor. Das passt einfach komplett. Dabei war der Start für Adi Hütter alles andere als verheißungsvoll. Klatsche im Supercup, Niederlage in der ersten Pokalrunde und jetzt das. Ich habe Hütter schon bei Young Boys Bern beobachtet und kenne ihn noch aus Salzburger Zeiten.

Nach Niko Kovac hat Fredi Bobic den nächsten Top-Trainer für die Eintracht entdeckt. Bobic und Hübner haben ihre Hausaufgaben erneut mit Bravour abgeliefert. Fredi hat vor allem international ein Auge, ein Netzwerk und ein Gefühl entwickelt, das Gold wert ist. Mit geringen finanziellen Möglichkeiten Jahr für Jahr so eine Mannschaft hinzustellen, Respekt. Wenn das so weiter geht, könnte die Belohnung am Ende, auch dank dem Faktor Fans, Champions League heißen.

In Leipzig hat Ralf Rangnick wieder eine Balance zwischen Offensive und Defensive hinbekommen, die Woche für Woche Früchte trägt. Kein Gegentor in den letzten sechs Liga-Spielen bei vier Siegen und zwei Unentschieden. Es macht Spaß RB zuzusehen. Die Handschrift von Rangnick ist unverkennbar. Da versteht einer wirklich was von Fußball.

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BVB - FCB: Ein unglaubliches Fußballspiel

Meine alte Borussia aus Gladbach ist Woche für Woche auf den Punkt top-motiviert und fokussiert. Ein perfektes System zugeschnitten auf tolle Spieler. Ein 4-3-3 mit einem Torjäger Plea, der Rekorde knackt. Die Fohlen sind in keinem Pokalwettbewerb mehr vertreten und stehen mit nur vier Punkten Rückstand auf Platz zwei. Wunderbar.

An der Tabellenspitze thront nach dem Fußball-Fest vom Samstag Borussia Dortmund mit nun 7 Punkten Vorsprung auf den FC Bayern. Danke nochmal für dieses unglaubliche Fußballspiel, bei dem ich für Sky live dabei sein durfte. Beim BVB passt aktuell alles. Baumeister Favre hat auf jede Situation die perfekte Antwort. Gegen Bayern hat er nach dem Rückstand Dahoud gebracht und damit das Zentrum besser kontrolliert. Er benötigt Offensive-Power und wechselt mit Alcacer mal wieder den Sieg ein. Und hätte es Geschwindigkeit auf dem Flügel gebraucht, dann wäre eben Pulisic gekommen.

BVB - Bayern: Dortmunds Spieler in der Einzelkritik

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Marco Reus führt Borussia Dortmund mit zwei Toren zum Sieg gegen den FC Bayern. Paco Alcacer brilliert einmal mehr als eiskalter Joker. Die Sky Noten der BVB-Profis.

Aber die Situation hat nach Delaney verlangt und Favre hat eben diesen Spieler-Typ gebracht um den Sieg festzuhalten. Sie wollen das in Dortmund nicht hören, aber stand jetzt ist diese Borussia mein Titel-Favorit.

Bei Bayern passt wenig zusammen

Das "Glück" wird irgendwann aufgebraucht sein und trotzdem ist dort alles stabil und die Bank, der Trainer und der Teamspirit zu allem fähig. Bei Bayern passt im Gegensatz dazu momentan leider sehr wenig zusammen. Sie haben wieder verloren, drei Gegentore kassiert und das, obwohl sie eine gute Leistung abgeliefert haben.

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Lothar Matthäus sieht die Unzufriedenheit der Spieler beim FC Bayern als großes Problem (Video: 01:04).

Natürlich haben sie auch großes Verletzung-Pech, vor allem Coman und Robben haben in Dortmund sehr gefehlt. Sie können von der Bank nicht wirklich qualitativ hochwertig nachlegen und befinden sich generell in einer negativen Spirale. Ich hätte Mats nicht spielen lassen. Niko wollte Erfahrung und seine erste Wahl war deshalb Hummels und nicht Süle. Aber er hat sich damit um eine Auswechsel-Option gebracht, die bei einem kranken Spieler so gut wie sicher ist. Wäre der gesunde Nationalspieler Süle von Beginn an auf dem Platz gestanden, hätte Kovac eine zusätzliche Wechsel-Möglichkeit gehabt.

Die Bayern müssen die Kurve bekommen und auf allen Ebenen wieder ein erfolgreiches Team werden. Sonst wird das nichts mit dem siebten Meistertitel in Folge. Dafür sind die anderen, allen voran der BVB, viel zu stark.

Lange Pause für Boateng möglich

Nicht stark genug für die deutsche Nationalmannschaft ist in den Augen von Jogi Löw momentan Jerome Boateng. Löw hat ihm erstmal eine Pause für die anstehenden Länderspiele "gegönnt". Ich glaube, das liegt an mehreren Faktoren. Zum einen natürlich an den sportlichen Leistungen der letzten Monate.

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Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dem Bundestrainer auch nicht gefallen hat, das Jerome nach dem 0:3 in Holland verletzt abgereist ist, um dann, am Tag des Frankreich-Spiels, eine volle Trainingseinheit beim FC Bayern zu absolvieren.

Löw hat im Sky-Interview am Samstag deutlich gemacht, dass es viele junge Spieler gibt, die er als Alternativen zu Jerome hat. Ginter, Süle, Rüdiger und der hochgelobte U21-Kapitän Jonathan Tah dürften gemeint sein. Es könnte durchaus sein, dass dies eine sehr lange Pause für Jerome Boateng in der deutschen Nationalmannschaft wird, solange Löw dort das Sagen hat.

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In diesem Video (27 Sekunden) spricht Joachim Löw über Jerome Boateng.

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